30. September 2012

Die Heidenhofer Kapelle - ältester erhaltener Sakralbau Mitteleuropas

Die Heidenhofer Kapelle im Heidepark Soltau
Mitten im Heidepark Soltau - das ist die Vergnügungsstätte mit Achterbahn, Karussels, Fastfood, Lärm und Hektik, findet sich ein Platz der Ruhe und Andacht. Eine kleine Kapelle, vollkommen aus Holz gebaut, mit einem steilen Dach und einer Anmutung aus einer anderen Zeit. Es ist die älteste und einzige Holzkirche Deutschlands, die man nicht rekonstruieren, sondern nur ergänzen mußte.
Das Gebäude hat bewegte Zeiten erlebt: 1531 in einem Dokument als Kapelle bezeichnet, kurz nach der Reformation Umbau und Nutzung als Getreidespeicher, , im 19. Jh Baptistenkapelle, 1875 und 1908 zweimal verkauft und als Schafstall genutz und nach dem 2. Weltkrieg wurde hier Schnaps gebrannt, 1951 abgebaut und dem Heimatbund geschenkt und von 1971 bis 1973 restauriert, rekonstruiert. Die öffentliche Zugänglichkeit zur Heidenhofer Kapelle war Bedingung für die Übernahme in den Heidepark Soltau.
Das Gebäude selbst ist in der Konstruktion ein Ständerbohlenbau, dendrochronologisch datiert auf 1326!, mit Konstruktionselementen wie sie auch in den skandinavischen Stabkirchen vorkommen. Der Ganze Bau war beim abbau noch zu Dreiviertel erhalten, sodass der Wiedreaufbau nur in den fehlenden Teilen ergänzt werden mußte. Es ist also kein Versuch das aufgehende Gerüst aus den Spuren archäologischer Befunde zu Rekonstruieren, was ja zum großen Teil Spekulationen aufgrund unserer Erkenntnisse an stehenden Gebäuden sind.
Zur Vertiefung der Erkenntnisse über die Konstruktionsdetails, hier der Hinweis auf die Beschreibung in: Die frühen Holzkirchen Europas, von Claus Ahrens, Seite 163.
Für die Fotos bedanke ich mich bei Ute und Ettje, die bei einem Besuch des Heideparks Soltau, der Baukultur einen Blick gönnten und mir so einen Besuch des Heideparks ersparten.
Die Heidenhofer Kapelle im Heidepark Soltau
Giebelansicht
Traufseite mit dem weit überstehendem Dach,
das von eingezapften Stützen getragen wird.


die Ständer fassen über die Schwellhölzer
ohne Ablenkung konnten in diesem schlichten Raum die Heiden der Lüneburger Heide zum Christentum bekehrt werden.
der Blick unter das rekonstruierte Dach


Befund der ältesten noch vorhandenen Bauteile
Rekonstruktion, Aussenansicht der Traufwand
Befund Längsschnitt, rechts eine jüngere Verlängerung
Grundriß mit Verlängerung und Querschnitt
Rekonstruktion
Zustand vor dem Abbau 1955
beim Abbau 1955
beim Abbau 1955
Wiederaufbau 1971
Wiederaufbau 1971
1976  Einweihung des Glockenturmes, der anhand einer archäologischen Grabung am Originalstandort nachgewiesen wurde

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