25. Mai 2016

Museumstag, ein Gespräch mit dem Bürgermeister und ein heißes Foto zum Schluss

Hammerschmiede im Museum "Forges de Pyrène" bei Foix
Heute ist Museumstag: Morgens besuchen wir das Schmiede- und Handwerksmuseum "Forges de Pyrène" bei Foix und mittags treffen wir uns im Ecomusée, einem kleinen Freilichtmuseum in Alzen bei La Bastide de Sérou, wo wir den sehr engagierten Bürgermeister dieser Gemeinde kennenlernen. Abends gibt es noch ein gemeinsames Essen mit den Freunden von MPF und einem Vortrag über den ländlichen Hausbau der Region. Zum Schluss gab es noch ein besonders "heißes" Foto mit allen Beteiligten...
Das Museum "Forges de Pyréne" besitzt eine große Sammlung an historischen Werkzeugen und Werkstatteinrichtungen zu etwa 60 Handwerksberufen - vom Maurer bis zur Hutmacherin. Es gibt ein Freigelände mit einer authentischen Hammerschmiede (in situ) als Höhepunkt und mehreren rekonstruierten Werkstattgebäuden, u.a. Schmiede, Bäckerei oder Holzschuhmacherei. Hier erleben wir eine erste interessante Vorführung.


Der Mitarbeiter des Museums erläutert verschiedene Formen von Holzschuhen und ihre Herstellung. Er erzählte auch einige Anekdoten dazu - u.a. trugen die zahlreichen Banditen und Schmuggler in den Pyrenäen Holzschuhe, die den Absatz vorn hatten - um ihre Verfolger in die falsche Richtung zu lenken.
Besonders interessant ist dieser "Schnabel-Holzschuh", der zur traditionellen Tracht der Region Ariége gehört. Solche Schuhe schenkte ein Bräutigam seiner Braut und die beiden tanzten auch damit...
Höhepunkt des Museums ist die originale Hammerschmiede, die in ihrer heutigen Form 1810 erbaut wurde, aber schon seit dem 15. Jahrhundert besteht. 1986 wurde der Betrieb stillgelegt und zum Museum umgewandelt.
Zur Einrichtung einer Schmiede gehören unzählige Zangen in allen Größen...
Der freundliche Museumsmitarbeiter erläutert den großen Schmiedehammer, den er gleich in Betrieb nehmen wird. Es handelt sich um einen sog. Schwanzhammer, der mit Wasserkraft über eine mächtige Nockenwelle angetrieben wird. Die Nocken auf der Welle heben den Hammer an, indem sie seinen "Schwanz", also das hintere Ende, nach unten drücken und den Hammer dann fallen lassen. Währenddessen hat der Schmied das zu bearbeitende Eisen rotglühend auf etwa 1.200 Grad erhitzt, um es unter dem Hammer schmieden zu können.
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Der Schmiedehammer in Betrieb

Hergestellt wurden vor allem Geräte für Landwirtschaft und Gartenbau: Schaufeln, Spaten, Hacken usw. in allen erdenklichen Formen und Größen. Hier zwei Schaufelformen für die große Presse.
Außerdem gibt es in der Schmiede eine große Presse (rechts), die später zur Herstellung der Geräte genutzt wurde - doch die Qualität der handgeschmiedeten Schaufeln, Spaten und Hacken war deutlich besser.
Rekonstruktion einer Bäckerei auf dem Museumsgelände
Gemeinsaames Mittagessen im Restaurant des Ecomuseums in Alzen. Das Ecomusée ist ein kleines Freilichtmuseum, in dem etwa 20 Jugendliche und Erwachsene von vier Mitarbeitern in der traditionellen und ökologischen Landwirtschaft ausgebildet werden. Der landschaftlich reizvolle Ort liegt in ca. 600 m Höhe und hat 230 Einwohner.
Zu uns stößt André Rouch, der Bürgermeister der Gemeinde, der zugleich Präsident des Regionalparks Ariége ist, und erläutert uns mit Verve den Museumshof, dessen letzte Bewohner er noch persönlich kannte.
In dem Bauernhaus lebten bis ca. 2000 Albert und Sidonie, zwei unverheiratete Geschwister, die zusammen alt geworden sind. Sie vermachten ihren Hof der Gemeinde mit der Auflage, dass nichts verändert werden dürfe. So entstand das kleine Freilichtmuseum.
Blick in die Schlafkammer im Obergeschoss
Die Wohnküche im Erdgeschoss. Die alte Herdstelle wurde um 1900 durch eine "Kochmaschine" ersetzt, in den 1970er Jahren kam der Gasherd (links) hinzu.
Es gibt auch einen Fernseher von 1954, der schon das Wunder von Bern erlebt hat (obwohl das in Frankreich nicht so viele interessiert hat...) - und der mit modernisiertem Innenleben heute einen Film über das Museum zeigt.
Fenster im Stallteil des Hofes. Hier ist der Ziegenbock zu Hause, der aber etwas schüchtern ist...
Dagegen hat der Schafbock bereits mit Volker Freundschaft geschlossen.
Blick in den Kuh- und Pferdestall. Zur großen Freude von Haio stehen die Tiere mit den Köpfen zur Wand, wie es schon in der Bronzezeit üblich war.
Der Scheunenteil des Museumshofes. Das Gebäude ist ein Streckhof mit Wohnteil, Stall und Scheune unter einem Dach - wie es für die östlichen Pyrenäen im Departement Ariége typisch ist (was wir beim Vortrag von Paul Garrigoues am Abend erfahren werden).
Der Museumshof ist vollständig mit historischen Haustierrassen bevölkert - hier zwei fröhliche, schwarze Gascogne-Schweine.
Schließlich zeigt uns der stolze Bürgermeister noch diesen großen Bauernhof des 19. Jahrhunderts, den sein früherer Besitzer beim Kartenspiel in der Dorfkneipe verloren hat. Nach einigen Jahren des Verfalls erwarb ihn die Gemeinde und ließ das Gebäude mit EU-Fördermitteln sanieren. Heute beherbergt der Hof Teile der Gemeindeverwaltung, die Administration des Regionalparks Ariége und einen Ausstellungsraum.
Ausstellungsraum im früheren Stallteil des Hofes.
Zum Abschied bedanken wir uns bei Bürgermeister Rouch mit einem Buch von unserer Siebenbürgen-Reise 2012. Heinz überrascht ihn mit der Nachricht, dass es in Transsilvanien ein zweites Dorf namens Alzen gibt. Der Bürgermeister will sich darum kümmern und mit Rumänien telefonieren - vielleicht der Beginn einer Gemeindepartnerschaft
Abends treffen wir uns in unserem Quartier. Hier stellt uns Paul Garrigoues, der Eigentümer des gestern besuchten Bauernhauses in den Pyrenäen, einen spaanenden Lichtbildervortrag über die traditionelle Baukultur im Departement Ariége.
Dann gibt es ein feines Abendessen und danach führt uns Gilles Lauvray, der Ehemann von Andrea, in einem weiteren Vortrag seine Arbeit als Energieberater vor.
Am Schluss des gelungenen Abends gibt es ein "Familienfoto" mit allen Beteiligten - zunächst mit Bernds Smartphone..
... und mit der Wärmebildkamera von Gilles Lauvray.

1 Kommentar:

  1. Das Bild mit Volker und dem gemütlichen Schaf ist ganz toll. Nicht nur ich habe sehr gelacht.
    Gundi

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