6. April 2026

Lipperland Tag 1

Engel am Giebel des Hauses Papenstraße 32 in Lemgo

Am 22. März 2026 trafen sich die "Hausforscher unterwegs" - Erhard Preßler, Bernd Kunze, Heinz Riepshoff, Haio Zimmermann und Heinrich Stiewe in Lemgo in Lippe, auf Einladung des dortigen Denkmalpflegers Martin Kämper, um mit den dort vor Ort tätigen Bauforschern Nadine Behrmann und Michael Sprenger einige aktuell untersuchte Häuser zu besichtigen und die Alte Hansestadt Lemgo mit ihrem einzigartigen Baubestand zwischen Spätmittelalter und Renaissance näher kennenzulernen. Wir erkundeten die Lemgoer Alt- und Neustadt mit dem erfahrenen Lemgoer Gästeführer und Nachtwächter Werner Kuloge, es ergab sich ein sehr interessanter Austausch.

Die Spätrenaissancefassade des Hauses Papenstraße 32 in Lemgo wurde um 1985 nach den Ergebnissen der Hausforschung von Fred Kaspar im Zustand zur Bauzeit 1608 rekonstruiert. Dahinter verbirgt sich ein wesentlich älterer Steinbau aus der ersten Hälfte bis Mitte des 13. Jahrhunderts.


Die steingraue Farbfassung der Fassade von Papenstraße 32 wurde nach Befund wiederhergestellt. Die graue Farbigkeit sollte eine aufwendigere Werksteinfassade der Renaissance vortäuschen.


Gemeinsames Mittagessen im Restaurant "Vesuvio" im Haus Papenstraße 32 in Lemgo. Von links: Erhard Preßler, Heinrich Stiewe, Michael Sprenger, Nadine Behrmann, Haio Zimmermann, Bernd Kunze. 

Die Neue Straße am südlichen Rand der Lemgoer Altstadt ist mit kleinen Giebel- und Traufenhäusern bebaut. Hier erwartet uns die erste Überraschung.

Martin Kämper, städtischer Denkmalpfleger der Alten Hansestadt Lemgo, begrüßt die "Hausforscher unterwegs" in Lemgo.


Das Haus Neue Straße 48 in Lemgo. Hinter einer unauffälligen verputzten Backsteinfassade erwartet uns ein fast vollständig erhaltenes Fachwerkgefüge, dendrodatiert 1590.

Kräftiges, tief gekehltes Dielenkopfband von 1590 (d)

Blick in die frühere Diele des Hauses Neue Straße 48. Das Gebäude ist kein Baudenkmal, wurde aber dennoch bauhistorisch untersucht und dendrochronologisch datiert.

Neue Straße, Giebelhaus mit später angefügten Abseiten. Hinter der stöckig verzimmerten Fassade verbirgt sich ein spätmittelalterlicher Kernbau, den Fred Kaspar bereits untersucht hat, der aber noch nicht dendrochronologisch datiert ist. 

Modernisiertes Dielenhaus in der Neuen Straße, dicht hinter der früheren Stadtmauer.

Blick vom früheren Ostertor in die um 1190 gegründete Lemgoer Altstadt. Hier gabeln sich die drei parallelen Hauptstraßen der planmäßig angelegten Stadt: Von der in west-östlicher Richtung verlaufenden Mittelstraße (Mitte) zweigen die Papenstraße (links) und die Echternstraße (rechts) ab.

Lemgo, Fachwerk-Dielenhaus mit Utlucht an der Papenstraße. Der schräg stehende Giebel passt sich an den gekrümmten Straßenverlauf an. Das kleine Fachwerk-Gebelhaus rechts wurde erst kürzlich restauriert und von Michael Sprenger bauhistorisch untersucht. Es ist 1598/99 (d) datiert und damit deutlich älter als erwartet.

Ehemalige Gaststätte "Zum Ostertor". Im Kern spätmittelalterliches Dielenhaus mit steinernem Hinterhaus. Das hier sichtbare Vorderhaus, ein giebelständiges Mittelflurhaus, wurde in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts neu errichtet.

Lemgo, Mittelstraße 13. Dekorativer Ausleger an einem früheren Kaufmannshaus.

Lemgo, Mittelstraße 22. Dielenhaus mit spätmittelalterlichen Steinaußenwänden, Speicherstock und Fachwerkgiebel von 1592. 

Die bis dahin verputzte Fassade wurde in den 1980er Jahren freigelegt und restauriert. Fehlende Brüstungsplatten wurden ergänzt, die Fächerrosetten in Umrissen angedeutet.

Lemgo, Mittelstraße 13. Dielenhaus mit Steinunterbau der Spätrenaissance von 1591, Speicherstock und Giebel mit Beschlagwerk-Schnitzerei, freigelegt um 1980. Leider wurden die in den 1980er Jahren originalgetreu rekonstruierten Bleiverglasungen der Fenster (vgl. Papenstraße 32) vor einigen Jahren durch moderne Einscheibenfenster ersetzt.

Mittelstraße, Traufenhaus mit Speicherstock aus der Zeit um 1550-60. Das frühere Dielen-Untergeschoss aus Fachwerk wurde in den 1950er Jahren massiv erneuert und vollständig modernisiert.

Speicherstock mit Fachwerk der Zeit um 1550-60: Gekehlte Fußbänder, frühere Fensteröffnungen mit Vorhangbogen-Stürzen und Dachvorkragung auf Taubandknaggen.

Mittelstraße 17. Spätmittelalterliches steinernes Dielenhaus mit Speicherstock und Giebel aus Fachwerk von 1587.

Mittelstraße 17. Fachwerkgiebel mit bauzeitlichen Speicherfenstern und reicher Schnitzdekoration der Renaissance mit Rankenwerk und Fächerrosetten.

Mittelstraße 13, Steinfassade von 1591, darüber Fachwerk-Speicherstock mit Brüstungsplatten und reicher Beschlagwerkschnitzerei der Spätrenaissance.

Papenstraße, Fachwerkgiebel des 17. Jahrhunderts mit bauzeitlichen Speicherfenstern.

Mittelstraße 24. Kürzlich restaurierter Giebel eines schmalen "Nebenhauses" über der seitlichen Durchfahrt zum Hof des großen Bürgerhauses Mittelstraße 26 ("Hau Sonnenuhr"), dessen Steingiebel sich links anschließt. Dieses Nebenhaus von 1593 wurde vermutlich als Altenteil genutzt. Beide Häuser wurden 1973 für den Neubau des Kaufhauses Karstadt abgerissen, nur die Fassaden zur Mittelstraße blieben erhalten.

Mittelsltraße 24, farbig bemaltes Schnitzwerk im Giebel von 1593. Links ein Affe mit Spiegel, Sinnbild der Eitelkeit, rechts ein Bär, der Honig vernascht, als Sinnbild der Völlerei
Mittelstraße 27, Brüstungsplatte mit Beschlagwerk am Speicherstock von 1598

Mittelstraße 24, Brüstungsplatte mit Porträtmedaillon und Datierung 1593

Mittelstraße 27. Das spätmittelalterliche steinerne Dielenhaus erhielt 1569 einen neuen Giebel, dekoriert mit Brüstungsbohlen mit Fächerrosetten. Eine Generation später, 1598, wurden das Haus um einen Speicherstock (mit Beschlagwerkdekoration der Spätrenaissance) aufgestockt. Dazu wurde das gesamte Dachwerk mit dem Giebel von 1569 abgetragen und anschließend auf dem Speicherstock neu aufgeschlagen.

Mittelstraße 36, das "Planetenhaus". Wieder ein mittelalterliches steinernes Dielenhaus, das 1576 einen prächtigen Schnitzgiebel mit Rankenwerk, Fächerrosetten und Figuren der antiken Planetengötter erhielt. Das zweite Stockwerk des Fachwerkgiebels wurde im 19. Jahrhundert vereinfachend erneuert und die obere Hälfte des Giebels abgewalmt. 
Mittelstraße 36, Planetenhaus. Zu sehen sind die antiken Götter Saturn, Sol (Sonne) und Venus. Links schließen sich Jubiter und Merkur an, rechts Mars und Luna (Mond). Dargestellt ist das Weltbild des Astronomen Tycho Brahe (der mit dem lippischen Grafen Simon VI. auf Schloss Brake in Kontakt stand).

Lemgo, Mittelstraße 52 (rechts) bis 58 (links). Steingiebelhäuser an der Nordseite des Marktplatzes.

Lemgo, Steinhäuer Mittelstraße 54 und 56. Hinter den prächtigen Steingiebeln der Spätgotik und Renaissance verbergen sich deutlich ältere Steinhäuser: Das Haus Mittelstraße 54 (links) ist ein früher Saalgeschossbau (mit gleich hohem Erd- und Obergeschoss) aus der Zeit um 1260-80 und am Hofgiebel von Mittelstraße 56 (rechts) wurden 1988 spätromanische Fenster mit Drillingsarkaden aus der Zeit um 1230 entdeckt. 

Mittelstraße 56. Spätromanisches Fenster mit früherer Drillingsarkade (Triforium) aus der Zeit um 1230

Mittelstraße 54, frühgotisches Spitzbogenfenster eines steinernen Saalgeschossbaus, um 1260-80

Muss man gesehen haben: Das Lemgoer Rathaus mit den ungleichen Türmen der Altstädter Kirche St. Nicolai im Hintergrund

Noch ein klassischer Lemgo-Blick: Die ungleichen Türme der lutherischen Kirche St. Nicolai der Lemgoer Altstadt (der linke, nördliche Turm gehört bis heute der Stadt, der rechte, südliche der Kirchengemeinde). Davor der Doppelerker der "Neuen Ratsstube" am Rathaus (links) und rechts der rote Giebel des Ballhauses von 1609.

Einladend: Das Restaurant "Luisa" im 1987 restaurierten Haus Echternstraße 92.

Echternstraße 92, reiche Beschlagwerkschnitzerei und bauzeitliche Speicherfenster Ende 16. Jahrhundert.

Abendessen im Restaurant "Luisa" in der Echternstraße. Entspannter Ausklang eines langen Besichtigungstages in Lemgo.

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