6. April 2026

Lipperland Tag 2

Auf der Diele eines Kötterhauses in Leese bei Lemgo

Auch am zweiten Tag unserer Lipperland-Rundfahrt gab es einige denkmalpflegerische Highlights in der Hansestadt Lemgo und ihrer ländlichen Umgebung zu sehen, die wir gemeinsam mit dem Lemgoer Denkmalpfleger Martin Kämper und dem Bauforscher Michael Sprenger besichtigten. Ein Höhepunkt war das Dielenhaus Mittelstraße 127 in Lemgo, das von Nadine Behrmann und Michael Sprenger im Auftrag der Unteren Denkmalbehörde der Stadt Lemgo bauhistorisch untersucht und von Erhard Preßler dendrochronologisch datiert worden ist. 

Das "Hohe Haus" im Dorf Entrup bei Lemgo wurde 1590/91 (d) von der adligen Familie von Offen als Gutshaus eines Rittergutes errichtet. 1685 wurde es an die Adelsfamilie von Donop verkauft und erfuhr einen barocken Umbau. Aktuell wurde der zweistöckige Fachwerkbau mit Krüppelwalmdach von einer jungen Familie restauriert und zum Wohnhaus umgebaut.



Restaurierte Stockwerkvorkragung am "Hohen Haus" in Entrup von 1590/91 (d). 
Stockwerkschwelle und Füllhölzer mit kräftigen Abfasungen.




Wir durften das restaurierte Gutshaus auch von innen besichtigen.

Von besonderem kultur- und sozialhistorischem Wert ist dieses "Kabuff" unter der alten Bodentreppe: Es handelt sich um eine frühere "Mägdebutze", einen ehemaligen Bettkasten für eine Dienstmagd, der mit Klappen verschlossen werden konnte.

Kötterhaus in Leese bei Lemgo, erbaut 1823 und erweitert 1857. Hier wohnten Kötter (Kleinpächter) und Landarbeiter eines größeren Hofes.

Das Kötterhaus ist ein eingetragenes Baudenkmal und wartet auf seine Restaurierung und neue Nutzung. Es wurde von Michael Sprenger bauhistorisch untersaucht und dendrodatiert.



Fachwerkwand an der Diele des Kötterhauses

Außenwand des Kötterhauses mit unverputzter Lehmsteinausfachung



Ansicht des Kötterhauses von Nordwesten. Giebel der Erweiterung von 1857 (d) mit Lehmstein- und Backsteinausfachung



Dielenhäuser des 17. Jahrhunderts an der Echternstraße in Lemgo

Lemgo, ein spätmittelalterliches Steinhaus an der Echternstraße 62. Rückgiebel des Hinterhauses mit Hinterausgang und großen, im 16. Jahrhundert eingebrochenen Saalfenstern. 

Lemgo, Steinhaus Echternstraaße 62. Saalhinterhaus mit Kellerfenstern, bauzeitlichem Spitzbogenfenster aus dem 14. Jahrhundert und stark vergrößerten, dreibahnigen Saalfenster des 16. Jahrhunderts.

Lemgo, "Café Vielfalt" im Haus Mittelstraße 6. In diesem sympthischen Café, das von der Behinderten-Einrichtung Eben-Ezer als Inklusionsbetrieb geführt wird, haben wir zu Mittag gegessen. Sehr empfehlenswert!

Auch im Café Vielfalt verbirgt sich ein spätmittelalterliches steinernes Dielenhaus mit einem Saal im Hinterhaus, der mit einem Kamin beheizt wurde.

Lemgo, Echternstraße 6-8, früherer Adelshof der Familie von Donop. Der traufenständige Fachwerkbau mit massivem Untergeschoss wurde 1562 erbaut. Der Fachwerkoberstock zeigt prachtvolle Flachschnitzerei der Frührenaissance.

Lemgo, Echternstraße 6-8, Donopscher Hof, 1562. Detail der Flachschnitzerei an der Stockwerkschwelle.

Der Eckständer des Donopschen Hofes an der Echternstraße zeigt oben das Wappen der Adelsfamilie von Donop (schräger Steigbaum) und Kandelaberornamentik der Frührenaissance.

Lemgo, Blick auf da Rathaus mit den Türmen der Altstädter Kirche St. Nicolai. Von links: Rathauslaube mit Kornherrenstube von 1565, Apothekenerker von 1612 und spätgotischer Giebel der Alten Ratskammer (um 1480-1500), der nach dem Vorbild des Rathauses in Münster entstand. Den ältesten Kern des Rathauses bildet ein langgestreckter steinerner Saalbau aus dem 14. Jahrhundert.

Lemgo, fürstlich-lippisches Wappen am Haus eines Hoflieferanten des lippischen Fürstenhauses in Detmold

Lemgo, spätgotische Steingiebelhäuser an der Mittelstraße im Bereich des Marktplatzes. Rechts Mittelstraße 52, ein gotischer Steingiebel mit Zinnen und Fialen aus der Zeit um 1520.

Das Haus Dünnebierstraße 9 ist das ältesete bekannte Fachwerkhaus in Lemgo, dendrodatiert 1471. An der rechten Traufwand zeigt sich ein weitmaschiges Fachwerk mit jüngeren Zwischenständern und Lehmflechtwerk. Verstrebt wird das Gefüge durch zurückliegend verzimmerte und mit Lehm überputzte Kopfbänder. Links eine frühere, sehr weite Giebelvorkragung mit einem gekehlten Kopfband mit Fase.

Haus Dünnebierstraße 9, das älteste Fachwerkhaus in Lemgo von 1471 (d)



Das Dielenhaus Mittelstraße 127 befindet sich im Besitz der Stadt Lemgo und wurde aktuell von Nadine Behrmann und Michael Sprenger bauhistorisch untersucht. Hinter diesem Fachwerkgiebel aus der Zeit um 1790-1800 befindet sich ein sehr altes Dielenhaus mit einem Steinhinterhaus, dessen Kellerdeckenbalken von Erhard Preßler um 1255 (d) datiert werden konnten.

Blick auf die rückwärtige Scheune des Hauses Mittelstraße 127, genannt "Bödekers Scheune".

In der früheren Küche des Dielenhauses Mittelstraße 127 blieb diese Kaminwange der Spätrenaissance aus der Zeit um 1590-1600 erhalten.

Mit Denkmalpfleger Martin Kämper und Bauhistoriker Michael Sprenger diskutieren wir die aktuellen Aufmaßpläne zum Haus Mittelstraße 127, die Nadine Behrmann erstellt hat.

Putzdekoration mit getempelten Blüten und lippischen Rosen im Saal des Haues Mittelstraße 127, wohl spätes 16. Jahrhundert.

Kopfbänder mi Beilspuren in der Scheune von Mittelstraße 127.

Blick in den Speicherstock der Scheune von Mittelstraße 127 in Lemgo.

Hölzerne Wand mit gemalten Wappen im Dachraum des Hauses Mittelstraße 127 

Blick ins Dachwerk des Hauses Mittelstraße 127 in Lemgo

Bruchstraße in Detmold, im Eckhaus rechts die Gaststätte "Cosmo-Lounge". Hier trafen wir uns abends nach dem Vortrag "Zauberbohrungen, magische Zeichen und Hexenbriefe aus Bauernhäusern in Nordwestdeutschland", den Heinrich Stiewe an diesem Abend im Landesarchiv NRW in Detmold gehalten hatte. Es war ein gemütlicher Ausklang nach einem interessanten Tag in Lippe.

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