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| Vor dem neuen Eisenzeit-Haus: "Familienfoto" mit den Hausforschern und dem Team des Archäologischen Freilichtmuseums Oerlinghausen. |
Der vierte Tag unserer Lipperland-Rundfahrt begann mit einem ordentlichen Regenschauer im Archäologischen Freilichtmuseum Oerlinghausen. Hier begrüßte uns Museumsleiter Karl Banghard, der uns zusammen mit Restaurator Christian Schürmann einige neue Gebäude vorstellen konnte: Ein Langhaus der vorrömischen Eisenzeit und ein frühes Hallenhaus des frühen Mittelalters.
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| Vorgeschichte meets Moderne: Das Eingangsgebäude des Archäologischen Freilichtmuseums in Oerlinghausen |
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| Herdstelle im frühmittelalterlichen Hallenhaus |
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| Einige Möbel im Frühmittelalter-Haus: Standseitentruhe und Klotzstuhl |
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| Das frühmittelalterliche Haus ist mit Holzschindeln gedeckt... |
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| ...und hat schräge Außenpfosten, die die dachtragenden Pfosten seitlich abstützen. |
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| In seiner Gesamterscheinung mit schiffsförmigem Baukörper und gebogenem Dachfirst (hogback) erinnert das frühmittelalterliche Haus an die ergrabenen und ebenfalls rekonstruierten Wikingerhäuser von Fyrkat und Trelleborg in Dänemark. |
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| Das an der Ostseite offene Gerüst des eisenzeitlichen Langhauses... |
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| ...ist sehr "rustikal" aus weitgehend unbehauenen Rundhölzern gezimmert... |
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| ...die teilweise noch Rinde haben. |
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| Die Rekonstruktion wird eifrig diskutiert... |
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| Schmale Stallboxen im Wirtschaftsteil des eisenzeitlichen Hauses. Wie in den bekannten Wurtenhäusern stand das Vieh mit den Köpfen zur Wand. |
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| Wände aus Lehmflechtwerk, links Weidengeflecht, rechts Schilfgeflecht |
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| Giebelwand mit Flechtwerkgefachen |
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| Strohdachfirst (im Museum aus Reet, weil dauerhafter), befestigt mit Hängehölzern |
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| Stabilisierung durch Schrägstreben, die der Statiker gefordert hat |
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| Vor der Giebelwand des eisenzeitlichen Langhauses steht ein zusätzliches, offenes Gebinde. |
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| Diskussion unter Dach, bevor es wieder hinausgeht in den Regen... |
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| Der älteste Kern des Archäologischen Freilichtmuseums ist das "Germanengehöft", zum ersten Mal erbaut 1936 in Zusammenarbeit mit Hans Reinerth und dem Reichsdienst für Vorgeschichte. Die NS-Vergangenheit dieses Museums wird in der Beschilderung offen angesprochen und kritisch thematisiert. |
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| Jungsteinzeitliches Langhaus der Rössener Kultur, ca. 3.400 v. Chr. Dieses Gebäude wurde 1981 nach damals aktuellen Grabungsbefunden rekonstruiert und steht noch immer. |
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| Holzverbindungen mit gewundenen und verknoteten Weidenruten |
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| Das verräuchterte Innere des Rössener Hauses |
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| Das Rössener Langhaus in seiner gesamten Ausdehnung. Das Gebäude verjüngt sich nach hinten. |
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| Holzhütten mit umfangreichen Brennholzvorräten für die museumspädagogischen Vorführungen am offenen Herdfeuer. |
Am Nachmittag besichtigen wir zwei große und sehr alte Meierhöfe im lippischen Westen: Das heutige Rittergut Niederbarkhausen und den Hof Meier zu Ermgassen bei Greste.
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| Rittergut Niederbarkhausen. Der frühere Meierhof wird erstmals 1036 als Haupthof von Bischof Meinwerk von Paderborn urkundlich erwähnt. |
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| Das älteste Gebäude auf dem Gut Niederbarkhausen ist dieses Steinwerk, das in den Salbüchern (landesherrlichen Höferegistern) als "alte steinerne Burg" bezeichnet wird. Der Steinbau mit schmalen Schlitzfenstern ist ins 13. oder 14. Jahrhundert zu datieren. Um 1875 wurde er um ein zusätzliches Geschoss über einem neoromanischen Rundbogenfries aufgestockt. Damals erhielt der Turm ein dekoratives Zeltdach mit Uhrtürmchen (um 1950 vereinfachend erneuert). Das ursprüngliche Dach hatte vermutlich einen verbretterten Giebel zum Hof und war auf Hängestielen mit Knaggen allseitig vorgekragt, die auf viertelkreisförmigen Kragsteinen (unterhalb des Rundbogenfrieses) ruhten. Fritz Böse, der sich um 1910 mit den lippischen "Bauernburgen" und Steinwerken beschäftigt hatte, rekonstruierte hier einen weit auskragenden Wehrgang nach dem Vorbild von Kirchenburgen in Siebenbürgen. |
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| Das alte Meierhaus wurde 1608 nach einem Brand von 1607 wiederaufgebaut. 1814 erwarb die aus Osnabrück stammende Kaufmanns- und Industriellenfamilie Tenge den Meierhof und wandelte ihn in ein landtagsfähiges Rittergut um. In der Folge wurde das alte Meierhaus zu eimem klassizistischen Herrenhaus umgebaut. |
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| Wappen der Familien Meier zu Barkhausen und Giese an einer Erweiterung des Meierhauses von 1732 |
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| Das klassizistisch umgebaute Meierhaus von 1608, rechts Erweiterung von 1732. |
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| Hirsch und Auerhahn als Jagdtrophäen in der Eingangshalle des Gutshauses |
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| Andächtig fotografieren die Hausforscher den Terrazzo-Fußboden in der Eingangshalle... |
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| ...und die Stuckdecke aus vorgefertigten Elementen. |
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| Hölzerne Decke im Esszimmer mit sternförmigem Mittelsegment. An den Spitzen des Sterns befinden sich hölzerne "Schlusssteine" mit naturalistisch gemalten Schmetterlingen. |
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| Saal im Obergeschoss des Gutshauses mit illusionistisch gemalter Kassettendecke, die einen Schaden hat. |
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| Blick in die Eingangshalle mit Erntekrone und Jagdtrophäen |
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| Das Haupthaus des Meierhofes zu Ermgassen wurde 1781 nach einem Brand des Vorgängerbaus errichtet. Der über 38 m lange Vierständerbau ist das größte niederdeutsche Hallenhaus in Lippe. |
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| Schafstall gegenüber dem Meierhaus, erbaut 1823. Links neben dem Torbogen befindet sich ein Inschriftholz von 1633, möglicherweise vom abgebrannten alten Meierhaus. |
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| Dielentor des Meierhauses von 1781 |
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| Die Inschrift über der westlichen Seitentür der Flettküche erinnert an den Brand vom 19. November 1780. |
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| Die westliche Traufwand des Meierhauses zeigt eine starke Verforumung durch Winddruck. Hier sind mindestens zwei aussteifende Querwände entfernt worden. |
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| Bauzeitliches Fenster mit Karniesbleiverglasung am Wohngiebel. Das Haus weist eine allseitige Vorkragung auf spätbarock profilierten Knaggen auf. |
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| Westseite des Meierhauses, im Hintergrund der Schafstall |
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| Blick in die riesige Diele des Meierhauses von 1781 |
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| In der linken Dielenwand gibt es noch offene Hillen mit Längskopfbändern über den früheren Kuhställen. |
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| Flettküche mit offenem Kamin. Kaminfeuerstellen dieser Art sind in Lippe sehr ungewöhnlich. Sie sind weiter westlich im Münsterland verbreitet. |
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| Diskutierende Hausforscher auf der großen Diele |
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| Der "Alte Krug" in Helpup wurde 1830 als Chausseegasthof an der Straße von Bielefeld nach Lage, der lippischen "Route 66", erbaut. Hier kehren wir zum Abendessen ein. |
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Die Inschrift des früheren Dielentores ist ein eindringliches Selbstzeugnis der Erbauer: ANNO 1829 LIESSEN DIESEN BAU ANFANGEN: FRIEDRICH AUGUST HELPUP UND ANNA ALTHOFS AUS KACHTENHAUSEN, DURCH BEIDE IM JAHR 1830 FORTGESETZT BIS ZUM 3TEN JULI WO DER TOD SIE TRENNTE. BEENDIGET AM 3TEN AUIUST DURCH DEN ZURÜCK GEBLIEBNEN WITTWER. DIE WEGE DES HERRN SIND WUNDERBARLICH – ICH HOFFE, ER FÜHRT ES ZUM BESTEN HIN AUS. M[EISTER] S.M. STRATE. |
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Die Kirche von Helpup im Abendlicht - erbaut 1906 von Karl Siebold, dem "Anstaltsbaumeister" der "v. Bodelschwinghschen Anstalten" von Bethel bei Bielefeld. |
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