28. Juni 2015

Wikingerburg Fyrkat, Freilichtmuseum Hjerl Hede und Überfahrt nach Læsø

Die Hausforscher vor dem rekonstruierten Wikingerhaus in Fyrkat
Am heutigen Samstagmorgen wird unsere Jütland-Tour noch einmal richtig wikingisch: Wir besuchen die Wikingerburg Fyrkat in der Nähe von Hobro. Anschließend fahren wir weiter zum Freilichtmuseum Hjerl Hede, wo wir vor allem den Hof aus Vinkel besichtigen wollen, der kürzlich dendrodatiert worden ist. In der Nähe sehen wir noch die Kirche von Sahl, die ebenfalls einen "goldenen Altar" besitzt. Dann fahren wir etwa 180 km in Richtung Nordosten nach Fredrikshavn, um mit der Fähre auf die Insel Læsø überzusetzen.

Das Wikingerlager in Fyrkat ist eine von mindestens vier kreisförmigen "Wikingerburgen", die König Harald Blauzahn um 980 erbauen ließ. Sie waren mit großen schiffsförmigen Häusern bebaut, die als Mannschaftsquartiere für Soldaten dienten. In Fyrkat wurde ein solches Haus Anfang der 1980er Jahre rekonstruiert - diese Rekonstruktion ist aktueller als die, die wir vor zwei Jahren in Trelleborg gesehen haben.

Eingang zur Wikingerburg Fyrkat, oben ist das rekonstruierte Haus zu sehen.
Das rekonstruierte Wikingerhau in Fyrkat. Entsprechend den gebogenen Längswänden ist auch der Dachfirst nach oben gewölbt.

Einer von zwei Eingangsvorbauten an den Längsseiten des Hauses.
Der archäologische Befund hatte gezeigt, dass die Außenpfosten schräg eingegraben waren, um die Wände abzustützen.  
Im Innern des Fyrkat-Hauses gibt es eine große Halle mit zentraler Feuerstelle und seitlichen podestartigen Sitzbänken, die vermutlich auch als Schlafplätze für die wikingischen Soldaten dienten. 
Bei der Rekonstruktion wurden im Dach gebogene Kopfbänder eingebaut, die als Krummhölzer mit frontalen Holznägeln verbaut sind - ein Detail aus dem Schiffbau, das im archäologischen Befund von Fyrkat nicht belelgt ist.
Ein Modell zeigt die kreisförmige Wallanlage der Wikingerburg von Fyrkat mit insgesamt 16 großen schiffsförmigen Mannschaftshäusern, die in vier Quadraten angeordnet sind. So ist auch die Wikingerburg von Trelleborg gestaltet; in der größeren Anlage von Aggersborg sind es sogar zwölf Blöcke mit insgesamt 48 Häusern.
Innerhalb des kreisförmigen Walles sind die früheren Hausgrundrisse durch Betonplomben in den ergrabenen Pfostenlöchern sichtbar gemacht worden.
Panorama der Wikingerburg Fyrkat.



Unterhalb der Wikingerburg steht dieser Vierseithof aus dem 19. Jahrhundert mit einer Wassermühle. Der Hof gehört heute zum Museum.

Eingang zum Wohnhaus des Vierseithofes, links die Mühle.
Kurz vor dem Freilichtmuseum Hjerl Hede besuchen wir noch die Kirche in Sahl ...
... eine typische romanische Granitquaderkirche mit halbrunder Apsis aus dem 12. Jahrhundert
Der schlichte Innenraum der Kirche ist bis heute nicht gewölbt, sondern mit einer flachen Balkendecke überdeckt. Das alte eichene Kastengestühl stammt von 1584.
Die südliche Eingangstür ist noch mittelalterlich und dicht mit Eisen beschlagen.
Der absolute Höhepunkt der Ausstattung der Kirche ist dieser "goldene Altar" der Zeit um 1200, der bis heute an seinem Originalstandort erhalten ist. Der bogenförmige Altaraufsatz zeigt das himmlische Jerusalem und den Gekreuzigten mit Maria und Johannes.
Die Reliefs bestehen aus vergoldetem Kupferblech und erzählen die Lebens- und Leidensgeschiche Jesu Christi. Die Stege dazwischen sind mit Bergkristallen dekoriert, die wie Edelsteine wirken.
Das moderne Eingangsgebäude des Freilichtmuseums Hjerl Hede wurde Anfang der 2000er Jahre als weitgespannter Holzbau erbaut.
Eine "Bullade" (Bohlenscheune) von Fünen - ähnliche Beispiele haben wir vor zwei Jahren dort gesehen.
Innengerüst einer Scheune mit seitlicher Durchfahrt aus dem 18. Jahrhundert.
Hauptgrund unseres Besuches ist dieses Gebäude: Der Vinkelgaard (Hof aus Vinkel in Jütland) gilt als ältestes Bauernhaus Dänemarks. Die aktuelle dendrochronologische Datierung durch Inger Laigaard ergab, dass das Gebäude nicht um 1500 oder 1536 (wie bisher angenommen), sondern 1545/46 erbaut worden ist.
Der Stallteil ist dreischiffig gegliedert, wie ein niederdeutsches Hallenhaus mit seitlichen Kübbungen, hat aber keine befahrbare Längsdiele, sondern einen Quereingang. Ständer und Mittelunterzüge sind durch angeblattete Kopfbänder verstrebt. 
Im Querverband gibt es doppelte Ankerbalken: einen aufgekämmten oben und einen durchgezapften darunter. Beide sind mit den Ständern durch große, mit Hakenblättern aufgeblattete Kopfbänder verbunden - ein ungewöhnliches und faszinierendes Gefüge!
Vor dem Hof ein "Bauerngarten" mit Buchsbaumhecken und blühenden Schwertlilien (Iris).
Im Museumsgelände sind verkleidete "Steinzeitleute" unterwegs, die in der rekonstruierten Steinzeit-Baugruppe das damalige Leben nachspielen wollen.
Leben am offenen Feuer im Steinzeithaus - ein zweischiffiges Langhaus mit Firstpfosten der Trichterbecherkultur (Jungsteinzeit, 4. bis 3. Jahrtausend v. Chr.)
Dieser Schuppen zeigt die steinzeitliche Bauweise mit tragenden First- und Seitenpfosten, auf denen die dachtragenden Pfetten aufliegen. Diese Konstruktion ist nach ergrabenen Pfostenlöchern rekonstruiert worden.
Haio und Erhard fachsimpeln mit dem Feuersteinwerkzeug-Hersteller Harm Paulsen, den Haio von anderen Veranstaltungen zur experimentellen Archäologie her kennt.
Auch jüngere Epochen werden im Museum von Laiendarstellern in historischen Trachten "verlebendigt"  - dieses Konzept von "Living History" wird in vielen skandinavischen Freilichtmuseen praktiziert. 

Ein Vierseithof mit schöner Hofpflasterung...
... und einem Firstsäulengerüst in der Scheune.
Der Kolonialwarenladen des Museums ....
... steht für die Geschichte des späten 19. Jahrhunderts.
Wassermühle von 1602 (Nachbau im Museum)
Drei Stunden später und 180 km weiter nordöstlich: In Frederikshavn erreichen wir die Fähre zur Insel Læsø. Dort wollen wir die bekannten Tangdachhäuser sehen.
Abendspaziergang am Strand auf Læsø
Der Tag klingt aus mit einem leckeren Abendessen am Hafen - es gibt Scholle und Læsø-Bier, und die nette Bedienung fotografiert uns. Urlaubsstimmung kommt auf...

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