3. Juni 2014

Mittelalterliche Steinhäuser und ein Regentag in Visby

Auf dem Weg zum Steinhaus in Stora Hästnäs bei Visby
Das gestrige Abendrot hat nicht gelogen: Heute ist der Himmel grau und es beginnt zu regnen. Wir lassen uns nicht beirren und besuchen zunächst zwei "Fahrensmannhöfe", mittelalterliche Steinhäuser von Bauern, die im 13. Jahrhundert mit Fernhandel zu Geld gekommen sind. Am Nachmittag setzen wir bei regnerischem Wetter die Erkundung von Visby fort.


Das Steinhaus von Stora Hästnäs, unweit des Flughafens von Visby gelegen, ist ein gut erhaltener Wohnsitz eines ländlichen Fernhändlers aus dem 13. Jahrhundert
Das dreigeschossige Gebäude ist ein sogenanntes Saalgeschosshaus: Das gewölbte Erdgschoss (über einem balkengedeckten Keller) diente vermutlich hauswirtschaftlichen Zwecken...
Darüber befindet sich ein großer Saal im Obergeschoss. Er ist mit einem Kamin (Mitte) beheizbar und mit einem Abort in der Wand (links) ausgestattet.
Fenster des Saalgeschosses von innen...
... und von außen. Die schlichten Doppelarkaden mit Spitzbögen sind in die erste Hälfte bis Mitte des 13. Jahrhunderts zu datieren.
Das Dachgeschoss diente zu Speicherzwecke und hat ein brandsicheres Tonnengewölbe. Diese besondere Bauweise kommt nur auf Gotland vor - und in den romanischen Steinwerken von Osnabrück.
Eine barocke Ofenplatte, Fundstück im Haus.
Ein weiteres Steinhaus steht in Vatlings, auch aus dem 13. Jahrhundert. Wir machen eine schnelle Außenbesichtigung....
... bei strömendem Regen.
Das romanische Gebäude besaß früher einen rückwärtigen Anbau (rechts) und das Obergeschoss wurde durch eine Rundbogentür mit Außentreppe erschlossen.
Der Haupteingang ist ein romanisches Portal mit Kleeblattbogen, ähnlich wie bei den Kirchen auf Gotland.
Zurück in Visby: Ein Entenpärchen präsentiert uns stolz die prächtige Silhouette der Stadt ...
... die im 13. Jahrhundert so ausgesehen haben könnte: Modell des Hafens von Visby im Museum Gotlands Fornsal
Ein barockes Holzhaus am Hafen in Visby ...
... mit einem hölzernen Schweifgiebel ...
... einer geschnitzten Konsole ...
... und Blockbau-Eckverbindungen.
Ein prächtiges barockes Deckengemälde im Innern des Hauses, das heute als Imbisslokal genutzt wird - hier nehmen wir einen Lunch zu uns.
Über den Strandgatan, die alte hafennahe Hauptstraße von Visby, gehen wir zum Museum, wo wir verabredet sind.
Das Museum "Gotlands Fornsal" ist sehr sehenswert und attraktiv präsentiert: Gotländische Bildsteine aus der Wikingerzeit ...
... und die rekonstruierte Front einer Stabkirche des 12. Jahrhunderts, mit gefundenen Originalbauteilen aus Hemse und anderen Kirchen auf Gotland.
Gotische Architkektur auf einem Glasfenster des 14. Jahrhunderts ...
... und eine Stollentruhe mit geschnitzter Front, ebenfalls aus dem 14. Jahrhundert.
Haio und Erhard begutachten Dendro-Proben aus Visby, die das Museum datieren lassen möchte.
Eine Fundgrube für Hausforscher: Der Museumsbuchladen
Nach dem Museumsbesuch setzen wir den Stadtrundgang fort: Ein großes Steingiebelhaus am Strandgatan...
... und die "Alte Apotheke", ein typisches Kaufmannshaus aus dem 13. Jahrhundert mit mehreren Speicherböden.
Ein Fachwerkbau mit Mansarddach aus dem 18. Jahrhundert am St. Hansgatan.
Fachwerk mit zahlreichen Zierstreben ...
... und Blockbau.
Das "Burmesterhaus", ein Blockbau von 1652 am Strandgatan, unweit des Hafens von Visby.
Ein Blick durchs Fenster: Eine Stube mit bemalten Holzwänden im "Burmesterhaus", das museal genutzt wird.
Teil der seeseitigen Stadtbefestigung mit dem Pulverturm
Die frühere Franziskanerkirche St. Karin am Alten Markt ist eine von etwa einem Dutzend Kirchenruinen in Visby. Seit der Reformation wurden die Kirchen nicht mehr genutzt und gerieten in Verfall. Nur der Dom blieb erhalten und wird bis heute als Gotteshaus genutzt.
Ein mittelalterlicher Backsteinbau (inVisby selten!) in einer Seitengasse am Alten Markt, rechts ein Obergeschoss in Bohlenständerbauweise (bulehus).
Straßenbild in Visby mit Durchgangsbogen und dem Turm einer Kirchenruine. In der Stadt gibt es noch viel zu entdecken - insbesondere die fast vollständig erhaltene Stadtmauer ist einen weiteren Besuch wert - bei besserem Wetter....


Das Burmesterhus in Visby, erklärt von Gunhild Eriksdotter von der Hochschule Gotland


(Texte: Heinrich Stiewe)


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