27. Juni 2015

Das neue Museum in Moesgaard und Stadtrundgang in Aarhus

Fachwerk in Aarhus verbirgt sich vielfach in Hinterhöfen - hier ein Flügelbau des 16. Jahrhunderts, der später aufgestockt worden ist.
Am heutigen Reisetag steht die Großstadt Aarhus auf dem Programm. Zunächst erwartet uns ein besonderes Highlight: Das neu erbaute, hypermoderne Museum Moesgaard südlich von Aarhus, das seit seiner Eröffnung im Oktober 2014 schon 300.000 Besucher hatte. Es bietet eine überaus spannende und beeindruckend inszenierte Zeitreise von den ältesten Vorfahren des Menschen über die Stein-, Bronze- und Eisenzeit Dänemarks bis zur Wikingerzeit. Am Nachmittag folgt noch ein Stadtrundgang in Aarhus mit Besichtigung des Domes und einiger interessanter Fachwerkbauten.

Der Tag beginnt mit einem Besuch eines rekonstruierten Hauses der mittleren römischen Kaiserzeit (3. Jh. n. Chr.) aus Tofting (Schleswig-Holstein), das 1978 beim Museum Moesgaard rekonstruiert worden ist. Der Pfostenbau ist mittlerweile in Verfall geraten und baupolizeilich gesperrt. Hier treffen wir uns mit dem Archäologen Jørgen Lund, der die Rekonstruktion seinerzeit geleitet hat. Er und Haio diskutieren über die bei diesem Bau gemachten Erfahrungen zur Lebensdauer von Pfostenbauten. Um diese zu verifizieren, führt Erhard einige Bohrungen durch - mit dem Ergebnis, dass die eichenen Spaltholzpfosten von 1978 durchaus noch kernig sind, aber unter der Erdoberfläche abgefault sind.

Rekonstruktion eines Hauses aus Tofting in Moesgaard von 1978 - mit deutlichen Spuren des Verfalls.
Jørgen Lund, Experte für die Rekonstruktion frühgeschichtlicher Häuser, vor dem Eingang "seiner" Rekonstruktion des Tofting-Hauses
Wir diskutieren mit Jørgen Lund über die Haltbarkeit von Pfostenbauten.
Das Innere des rekonstruierten Hauses: Die tragenden Pfosten haben sich schon bedenklich geneigt.
Mit dem Akku-Bohrer entnimmt Erhard einige Bohrproben aus den Pfosten...
... mit dem Ergebnis, dass diese zwar unterirdisch abgefault, aber in ihrer Substanz noch durchaus tragfähig sind.
Erhard erläutert Jørgen das Ergebnis, im Hintergrund Heinz und Volker.
Zum Abschluss ein "Familienfoto" der Hausforscher vor dem rekonstruierten Haus.
Anschließend besuchen wir das neue Museum Moesgaard. Der moderne, futuristische Bau des dänischen Architekten Henning Larsen wirkt wie eine riesige schräge Rampe, fügt sich aber gut in die Kulturlandschaft um den alten Gutshof Moesgaard ein. Hier treffen wir Hans Skov, den leitenden Archäologen des Museums, der uns "im Schnelldurchgang" durch das neue Haus führt.

Wie eine riesige Rampe: Neubau des Museums Moesgaard
Das schräge Dach des Museums ist begrünt und für Spaziergänger - auch ohne Museumseintritt - begehbar.
Auf dem Weg zum Museumseingang 
Eine Treppe mit lebensecht rekonstruierten Figuren von den Urahnen des Menschen führt hinab in die Geschichte.
Begegnung zwischen Heinrich und "Lucy", einer der ältesten Urmenschen-Frauen, deren etwa 3,2 Mio. Jahre alte Überreste in Äthiopien gefunden wurden.
Vitrine mit Funden der älteren Bronzezeit. Zeichnungen im Hintergrund zeigen, wie die Armspiralen und der Kopfschmuck getragen wurden.
Blick in die Ausstellungshalle zur nordischen Bronzezeit.
Zwei Baumsarg-Bestattungen aus einem Grabhügel der Bronzezeit, ca. 1350 v. Chr.
Da sich in den Hügeln eine wasserdichte Ortsteinschicht gebildet hat, blieben die Baumsärge mit den Toten und Textilien in dem feuchten Milieu hervorragend erhalten.
Der "Grauballe-Mann", eine Moorleiche der vorrömischen Eisenzeit (3. Jh. v. Chr.) , gehört zu den berühmtesten Exponaten des Museums. 
Das gut erhaltene Gesicht des Grauballe-Mannes. Vermutlich wurde ihm die Kehle durchgeschnitten, anschließend wurde er im Moor geopfert. Die Rotfärbung der Haare ist auf chemische Prozesse im Moor zurückzuführen.
Waffenopferfunde aus Illerup, Jütland. In diesem Moor wurden große Mengen an Waffen, z.T. römischen Ursprungs, geopfert. Sie stammen aus der römischen Eisenzeit, ca. 200 bis 450 n. Chr. und wurden nach mehreren großen Schlachten wohl als Siegesopfer im Moor versenkt. 
"König Heinz" auf dem Nachbau eines karolingischen Throns.
Der "Cordula-Schrein" aus Cammin (Pommern, heute Polen), ein kostbarer Reliquienschrein mit Elfenbeinarbeiten aus der Zeit um 1000, der nach dem Vorbild schiffsförmiger Häuser mit gebogenem Dachfirst und dekorativen Tierköpfen gestaltet ist. Gezeigt wird eine Kopie, das Original ging im Zweiten Weltkrieg verloren.
In der Abteilung "Wikingerzeit" erwarten uns lebensechte Figuren von historischen Personen, hier eine obotritische Prinzessin, die König Harald Blauzahn heiraten sollte. Sie schaut sehr nachdenklich....
Rekonstruiertes Tor der Wikingerburg Aros, dem Vorgänger der heutigen Stadt Aarhus.
Rekonstruktion einer Stabkirche im Außengelände des Museums
Blick ins Innere der rekonstruierten Stabkirche. Zwei weitere Rekonstruktionen, ein Grubenhaus aus Aarhus und ein Wohnhaus aus der Wikingersiedlung Haithabu bei Schleswig, wurden 2013 abgerissen.

Nachmittags besuchen wir die Stadt Aarhus - gemeinsam mit Hans Skov, der hier lange Jahre als Ausgräber gearbeitet hat. Zunächst besichtigen wir das Vor-Frue-Kloster (Unser Lieben Frauen), ein früheres Dominikanerkloster, gestiftet 1227.

Das frühere Dominikanerklosters in Aarhus.
Im Kreuzgang aus dem 13. Jahrhundert (Foto) und in der Krypta der Kirche gibt es älteres Mauerwerk aus Kalkstein und Granit (rechts). Es wird um 1060 datiert und ist das älteste noch stehende Mauerwerk in Nordeuropa.
Blick in die Krypta mit Mauerwerk aus Quellenkalk der Zeit um 1060.
Südseite der Dominikaner-Klosterkirche Unser lieben Frauen. Der frühe Bau der Backsteingotik hat mehrere Treppengiebel über dem Seitenschiff, rechts der frühgotische Chor.
Blick in das Innere der Klosterkirche
Die Hausforscher diskutieren in der Kirche.
Flügelaltar der Klosterkirche, um 1500.
Die frühere Hospitalkapelle des Klosters ist ein sehr schöner gotischer Raum.
Im Wikingermuseum in Aarhus sehen wir u.a. die Rekonstruktion eines Grubenhauses, das Hans Skov an dieser Stelle ausgegraben hat...
... und ein Modell der Wikingersiedlung Aros an der Stelle der heutigen Stadt Aarhus.
Auch der Dom in Aarhus wird ausgiebig besichtigt, hier die Ansicht von Süden

Es folgen einige Bilder vom Innenraum des Domes mit interessanten Wandmalereien.


Eine Schmiede mit Beschlagstall (Holzgerüst für den Hufbeschlag)

St. Georg tötet den Drachen (1497) - in diesem Fall eine Drachenmutter mit einem Jungen in der Höhle (rechts)
Im Chor des Domes steht ein prachtvoller Flügelaltar von Bernt Notke aus Lübeck (um 1480).

Bei dem folgenden Stadtrundgang zu Fachwerkhäusern in Aarhus treffen wir Inger und Stine wieder, die sich uns anschließen. Wir haben interessante Diskussionen über die Fachwerkbauten der Renaissance in der Stadt.


An der Stelle dieses, schon um 1900 abgerissenen Fachwerkhauses der Zeit um 1580....
befindet sich heute eine Filiale einer bekannten Imbiss-Kette...
Diskussion mit Stine über die Fachwerkbauten
Hofbebauung mit einem Laubengang im Obergeschoss, einem sog. Svalgang, wie er für die älteren Fachwerkhäuser in Aarhus typisch ist.

Eine Renaissance-Knagge (um 1570-80)
Dieses langgestreckte Haus des 18. Jahrhunderts....
....war ein Kaufmannshof, wie die Waage über der Tordurchfahrt zeigt.
Dieser langgestreckte Fachwerkbau von 1642 wurde um 1900 abgetragen und rekonstruierend wiederaufgebaut.
Tor mit Inschrift ...
... und Datierung 1642.
Renaissance-Knaggen von 1642
Hintergebäude mit rekonstruierter Rotfassung
"Familienfoto" im Hinterhof
Zapfenschloss eines durchgezapften Ankerbalkens, wie er häufiger in Aarhus vorkommt.
Ein weiterer Kaufmannshof, dessen Baugeschichte von Stine gründlich untersucht worden ist. Ältester Teil ist ein (hier nicht sichtbarer) mittelalterlicher Keller unter dem Gebäude aus der Zeit um 1400.
In der Durchfahrt finden sich wiederverwendete Hölzer mit Schiffskehlen. Sie stammen von einem Vorgängerbau des 16. Jahrhunderts. 
Der Hinterhof des sorgfälitg restaurierten Hauses....
.... wird ausgiebig fotografiert.
Haio bedankt sich bei der freundlichen Hausbewohnerin, die uns in den Hof und in den Keller hineingelassen hat.
Wir bedanken uns bei Hans Skov für einen eindrucksvollen Tag in Moesgaard und Aarhus.
(Fotos. Bernd, Texte: Heinrich)

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