28. Oktober 2011

Das Estnische Freilichtmuseum: Eesti Vabaöhumuuseum "Rocca Al Mare"

Das Estnische Freilichtmuseum "Eesti Vabaöhumuuseum Rocca Al Mare" ist das kleinste und jüngste der drei Baltischen Freilichtmuseen. Auf "nur" 84 Hektar vermitteln 79 Gebäude (translozierte Originale und Kopien) einen guten Einblick in das Alltagsleben der ländlichen Bevölkerung Estlands aus allen Landesteilen. Es liegt nur sieben Kilometer westlich des Zentrums der Estnischen Hauptstadt Tallin.
Gegründet wurde das Museum 1957 in "Rocca al Mare" (einem Park direkt an der Ostsee, den ein deutschstämmiger Kaufmann und Italienfreund in der Mitte des 19. Jahrhunderts anlegen ließ). 1964 wurde es eröffnet und ist heute für die Esten von großer nationaler Bedeutung.
Der Museumsrundgang ist ohne Eile an einem Ausflugstag zu schaffen, zu jedem Hof gibt es eine ausführliche Tafel mit der Beschreibung der Hofsituation und Herkunftszeit- und -Region. Außerdem hat jedes Gebäude eine ausführliche Tafel mit einer Ansichts- und Grundrißzeichnung sowie Herkunfts- und Nutzungsangaben. Vorbildlich. Ein Museumsführer braucht man da nicht herumtragen - da bleiben die Hände frei für die Kamera …
Einen ganz subjektiven Einblick in dieses interessante Museum erlauben die folgenden Fotos:

das beeindruckendste Haus des Museums am Anfang des Rundgangs:
Hof eines Leibeigenen aus dem Anfang des 19. Jh., aus Westestland,
das Haus, 1959 aufgebaut, brannte 1984 ab und wurde 1987 - 93 wieder aufgebaut …
… der Grundbalken besteht aus einem mächtigen Baum inklusive Wurzel …
… die Wurzeln bilden die Türpfosten …
… für das Schiebetor …
… die Schiebemechanik ist genial simpel und komplett aus Holz …
… und sieht auch noch gut aus …
… das Haus ist ein Rauchhaus, hier im Winterwohnraum steht dieser große Ofen,
der seinen Rauch unter das Dach entläßt…
… in diesem ersten Haus des Museums gibt es auf der Dreschdiele
eine sehr gute Ausstellung über  den historischen Hausbau in Estland -
 zum besseren Verständnis für den anschließenden Museumsrundgang …
… Scheune des Hofes, Anfang 19. Jh.  …
…rechts der Kuhstall, in der Mitte die nach oben offene Scheune und Dreschdiele …
…und links Schaf-  und Schweinestall …
… zum Hof gehört auch ein Speicher mit mehreren aneinandergereihten Räume
für die Aufbewahrung von Kleidern, Getreide, Vorräten -
und im Sommer schliefen hier die Mädchen des Hofes …
… die Sommerküche ("Konushütte”, das erste Gebäude im Museum 1958),
wurde zum Kochen, Wäschewaschen, Bierbrauen usw.
noch bis Anf. des 20. Jh. auf vielen Höfen genutzt
 Dorfkrug, 1840 gebaut, ist heute die Museumswirtschaft … 
… im Blockbauteil die Räume zum Krug-Betrieb und die Wirtswohnung,
im Massivteil aus Kalk-Bruchstein ist der Stallbereich untergebracht
Sommerküche und Sauna gab es auf jedem Hof
Stallgebäude und Heuspeicher …
… der Heuspeicher hat keine Tür, nur diese eine Öffnung
Bauernhaus von 1860, der Wohnteil im Blockbau, der Stallteil in Massivbauweise …
… hier gibt es sogar eine seltene Datierung …
… auch hier im Wohn- und Arbeitsraum der übliche große Steinofen ohne Schornstein
Dieser typische Hof aus dem Nordosten Estlands präsentiert 
die Verhältnisse  aus  dem ersten Viertel des 20. Jh. …
… das Wohnhaus vom Ende des 19. Jh ist immer noch ein Blockbau …
– zum Hof gehört das obligatorische Saunagebäude 
mit der Wohnung eines Tagelöhners …
… und Stall und Scheune
in der ländlichen Blockbau-Tradition errichtete Kirche, datiert 1699 …
…die Vorkragung ist verstrebt mit den im Norden verbreiteten 
naturgewachsenen Kniehölzern …

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Bockwindmühle, 1860, von der Insel Hiiumaa …


… der "Bock" ist, wie sollte es auch anders sein, 
eine Blockbau-Konstrukrtion

Wohnhaus von der Insel Saaremaa (Ösel) 
aus der zweiten Hälfte des 18. Jh. …

…  durch diesen Vorraum erreicht man den einzigen Wohnraum und …

… die Dreschdiele, am Ende des Hauses gibt es noch …

…einen kleinen Stall für 2 Ochsen, erkennt man gut an der Baunaht …


auch dieser dreiräumige Speicher, im Jahr 1766 gebaut, 
kommt von der Insel Saaremaa
Bethaus der Herrenhuter Brüdergemeinde, um 1780 auf Saaremaa …
… im Versammlungsraum steht ein großer Ofen …
… der von der "Flurküche" geheizt wird, 
hier wird auch über offenem Feuer gekocht,
der Rauch zieht durch einen hölzernen Schornstein ab
Kopie eines Speichers (Ende 19. Jh.) von der Insel Muhu, 
hier waren gestrichene Türen sehr verbreitet,  der Speicher hat 6 Räume: 
Fischspeicher, Kleiderspeicher, Kornspeicher, 2 Schlafräume und eine Milchkammer
1873 wurde diese Sommerküche auf der Insel Muhu errichtet, 
an der Ostseeküste  gibt es Kalksteinbrüche
1906 ist die Datierung …
… an diesem einzigen kompletten Steinhaus im Museum,
 links die Sommerküche, in der Mitte der Vorraum zur Sauna, 
daneben die Sauna und ganz rechts der zweiräumige Erdkeller
dreiräumiger Stall für Schafe, Kälber und Schweine …
… kombinierte Stein/Blockbau-Konstruktion (um 1910) auf der Insel Muhu
das älteste Wohnhaus des Museums aus dem Jahr 1724 
von der Ostseeinsel Hiiumaa
Erdkeller, 1882 datiert
die hier übliche Konstruktion des Dachfirstes besteht aus einer 
waagerechten Lage Reet, das mit am oberen Ende verzierten Hängehölzern gesichert ist
eine für die Ostseeinseln typische Steinmauer und zwei Netzschuppen der Fischer
der Blockbaukasten dieses Netzschuppens ist nach oben offen
drei Windmühlen: links 1876 von der Insel Saaremaa, 
Mitte 1748 von der Insel Vormsi und rechts 1871 von Saaremaa

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