23. Oktober 2011

Das Ethnografische Freilichtmuseum in Lettland

Museum des nationalen Bauerbes, acht km von der Hauptstadt Riga entfernt
Ein Besuch in Lettland startet oder endet meistens in der Hauptstadt Riga, die ja auch wegen ihrer Geschichte und historischen Baukultur wirklich sehenswert ist. Aber das Stadt-Leben Rigas hat nun wirklich nichts zu tun mit dem Leben auf dem Lettlande, vor allem in früheren Zeiten.
Wer die ländliche Baukultur kennen lernen möchte, der fährt am besten ins nur 8 km vom Rigaer Zentrum entfernte ethnografische Freilichtmuseum (Ethnografiskais brivdabas muzejs)
im Stadtteil Bergi, am Ufer des Juglas-Sees. Es ist eines der ältesten und größten Freilichtmuseen in Europa, wurde 1924 gegründet und präsentiert auf fast 90 Hektar Fläche 118 historische Gebäude der vier historischen Regionen: Kurland (Kurzeme) im Westen, Semgallen (Zemgale) im Süden, Lettgallen (Latgale) im Osten und Livland (Vidzeme) im Nordosten. Das Museum wird, wie auch die Ethnografischen Museen der beiden aanderen Baltischen Länder Litauen und Estland, als nationales Erbe betrachtet und hat einen hohen Stellenwert in der Bevölkerung (135tausend Besucher jährlich).
Die Gebäude aus drei Jahrhunderten sind zu Höfen gruppiert, die die jeweils entsprechende Region repräsentieren. Die meisten Häuser wurden in den 80er und 90er Jahren aufgebaut, die aus der Gründungszeit am Ender der 20er Jahre sind inzwischen schon repariert, bzw. ganz erneuert worden.
Für einen Rundgang sollte man mehr als einen halben Tag Zeit haben, wenn man die konstruktiven Feinheiten und Unterschiede der Gebäude entdecken will.
Außer einem DIN A4 Zettel mit einem Museumsplan inkl. Hausbezeichnung,  Erbauungsjahr und Aufbaujahr, gibt es leider keinen gedruckten ausführlichen Museumsführer auf Deutsch. Schade. Und die an den Gebäuden angepinnten Zettel mit minimalen Informationen in lettisch, russisch und englisch sind nicht wirklich informativ - naja, die meisten Besucher wollen jauch garnicht so tief in die Materie einsteigen.
Viel Spass bei dem folgenden Museums-Rundgang.

Das Museum präsentiert die Baukultur der vier historischen lettischen Regionen: Kurland (Kurzeme) im Westen,  Semgallen (Zemgale) im Süden, Lettgallen (Latgale) im Osten und Livland (Vidzeme) im Nordosten

Viehstall, Stall, Scheune und Wagenschauer -
alles unter einem Dach dieses "U-förmigen” Gebäudes,
das um 1850 in Westlettland errichtet wurde
typisches Wohnhaus, 1848, eines wohlhabenden Bauern aus Westlettland (Kurland) …
… mit der traditionellen Raumstruktur: links der Schlafraum und rechts
 ein  beheizbarer Wohnraum, im Eingangsbereich in der Mitte
 des Hauses die Schwarze Küche, die oben in den Schornstein mündet …
… die Wohnräume stehen als geschlossene Blockbau"Box"
unter dem  offenen Dach …
… auch ein zweiräumiger Speicher von 1767,
mit einem Lagerraum für die Vorräte und einem Raum
für Kleidung und Wertsachen etc, gehört zur Hofanlage …
typisch für diese Zeit sind die profilierten Säulen,
mit dem dahinter liegenden Laubengang
Zaunpfostenständer

1750 wurde dieses Fischerhaus in Nida (Nidden) 
auf der Kurischen Nehrung an der Ostsee errichtet,…
… die zusätzliche Holzverkleidung aus halben Stämmen
soll den Blockbau vor Wind schützen …
… im Mittelteil des Hauses ist die offene Feuerstelle und von hier aus wird auch …
… der große Ofen in der Stube geheizt
auch in Lettland gibt es die aus Holland bekannten Rutenberge,
 aber nicht mit Stroh, sondern mit Holzschindeln gedeckt
eine Egge der einfachsten Art hängt hier an der Wand
die Sommerküche aus langen Stangen hat die Form eines Tipis
"Function follows form
kleines Haus, 1780 als Rauchhaus gebaut und …
… 1865 mit Ofen und Schornstein ausgestattet
Speicher mit Nutzung des Obergeschosses über die Baumstammtreppe,
aus dem letzten Viertel des 18. Jh.,
im Sommer schliefen hier auch die Arbeiter des Hofes
Bienenbeute aus einem hohlen Baumstamm

das erste, schon 1928 im Museum aufgebaute Gebäude ist diese große Scheune
aus dem Jahr 1730 mit: Dreschdiele, Bansenräumen, Wagenschauer,
einem kleinen Keller und einer Feuerstelle …
… der Eingang auf die Dreschdiele –

… rechts und links in den "Abseiten" sind die Räume für die Heulagerung,
ein Rundholz verbindet die hohe mit der niedrigen Außenwand …

 … und ist innen und außen mit einem Zapfenschloß gesichert 

Speicher aus dem Jahr 1830, mit zwei Lagerräumen für Vorräte und Kleidung …
… auch hier die an allen Speichergebäuden übliche Veranda
zweistöckiger Getreidespeicher, 1757, eines Landgutes …
… Konstruktionsdetails des oberen Stockwerks
das einzige Fachwerkgebäude (im Obergeschoß Fachwerk, unten
Ständer-Bohlenbauweise) des Museums, errichtet 1697…
… ist dieser  Hafenspeicher aus  Liepaja (Libau) in Kurland … 
Katholische Kirche, gebaut 1815, aus der Region Lettgallen, im Süden Lettlands …
…sparsam, aber liebevoll ausgestattet
Hof aus Lettgallen mit Wohnhaus aus dem Jahr 1860 …
… und einem Speicher von 1830 …

… in der Stube mit dem traditionellen großen Ofen,
der von der Schwarzen Küche in der Mitte des Hauses beheizt wird
Eingang zum Hof eines russischen Bauern aus Südlettland …
… links mit parallelem großem Viehstall-Gebäude …
… und rechts dem nach hinten verlängerten Wohnhaus 
Wohnhaus eines Töpfers, Mitte 19. Jh. …

… die Wohnstube mit dem üblichen Ofen …
Blick unter das Dach des Stallanbaus
Einbaum mit Auslegern
Innenansicht einer Scheune: das Dach steht auf steinunterlegten Pfosten,
die "Raumboxen sind unter das Dach gestellt 

Hof eines Neubauern, 1862, der Säuleneingangsbereich
stammt aus dem Ende des 19. Jh. …
… und der dazugehörige Speicher aus dem späten 18. Jh., mit geschlossener Veranda
Haus eines Webers, Mitte 19. Jh., vorne der Wohnteil, hinten der Wirtschaftsteil …
… wo auch der Ofen steht …
… der Stallbereich ist etwas zurückgezogen, sodass sich unter dem Dachüberstand arbeiten läßt …
… ein durchgesteckter, hinten breiterer Ankerbalken sichert den Anbau
Fischfang spielte immer eine Rolle
… Lutherische Kirche aus Kurland, 1704 
der Eingang zum Krug, der Museumswirtschaft "Priedes Krogs"

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