27. März 2006

Landwirtschaftliche Wirtschaftsbauten

Diskussionsbedarf in der Scheune im Museum bederkesa
Bericht über die 17. Tagung der AG Haus- und Gefügeforschung
vom 24. - 26. März 2006 in Bad Bederkesa

Die 17. Tagung der Arbeitsgemeinschaft für Haus- und Gefügeforschung in Nordwestdeutschland war von Prof. Dr. W. Haio Zimmermann (Niedersächsisches Institut für historische Küstenforschung, Wilhelmshaven) bewundernswert reibungslos organisiert worden. Dr. Ulrich Klages und Dr. Wolfgang Dörfler (IGB Rotenburg und Harburg) hatten bei der Zusammenstellung des Programms und der Exkursionsplanung geholfen. Der Tagungsort, die evangelische Heimvolkshochschule in Bad Bederkasa, bot ideale Bedingungen für den Vortragstag und die Unterbringung der Teilnehmer, deren Zahl allerdings auf 90 begrenzt werden mußte. Das Vorprogramm am Freitag bestand aus der Besichtigung eines ungewöhnlichen Ankerbalkengefüges im Ort Bederkesa und dem dortigen Handwerkermuseum der Kreishandwerkerschaft des Landkreises Cuxhaven. Am Abend führten zwei Vorträge in die Region ein: Hermann Claussen referierte anhand seiner in Jahrzehnten gesammelten historischen Fotos über die Entwicklung der Höfe und Brinksitzerstellen des Dorfes Köhlen (Lk. Cuxhaven), das auf der Exkursion am Samstag besucht wurde. Ulrich Klages führte unter dem Titel „Gabelständer, Luchtständer, sparrentragendes Unterrähm und das inselhafte Vorkommen des Ankerbalkens” in die gefügekundliche Besonderheiten der Tagungsregion ein. Der Abend klang mit einem intensiven Meinungsaustausch in den Räumen der Heimvolkshochschule aus.
Die Vorträge

Das sehr dicht gedrängte Vortragsprogramm des Samstags war in eine Vormittags- und eine Nachmittagssektion geteilt. Am Vormittag übernahm Dr. Heinrich Stiewe (Westfälisches Freilichtmuseum Detmold) die Moderation. Dank der Disziplin aller Referenten bei der Einhaltung ihrer beschränkten Redezeit (20 Minuten, Kurzvorträge 10 Minuten) gelang es, den engen Zeitplan einzuhalten. Einige Gastbeiträge aus Nachbarregionen, die immerhin von den Niederlanden bis Polen und Oberbayern reichten, belegen das mittlerweile beachtliche Renommee der nordwestdeutschen AG für Haus- und Gefügeforschung.
Der Vortragstag in der Burg Bederkesa
  • In einem einleitenden Vortrag gab Prof. W. Haio Zimmermann einen gerafften Überblick über „Landwirtschaftliche Wirtschaftsbauten in ur- und frühgeschichtlicher Zeit“; besonders beeindruckte die Fülle an historischen Bildquellen, die er zu Rutenbergen, Diemen und Mäusepfeilerscheunen beibringen konnte. Diese Baulichkeiten zur Erntebergung lassen sich aus regelmäßig angeordneten Pfostensetzungen im archäologischen Befund nicht immer zweifelsfrei rekonstruieren. Skeptisch beurteilte Zimmermann die Ableitung der Eiderstedter „Haubarge” (Gulfhäuser) aus dem Vierrutenberg – immerhin belegen wiederverwendete Hölzer von ehemaligen Rutenbergen in einigen Haubargen die Ablösung der einen Erntebergungsform durch die andere in den nordfriesischen Marschen.
  • Dr. Dietrich Maschmeyer zeigte multifunktionale Scheunen der Grafschaft Bentheim, die er bezüglich ihrer Raumteile (Bansen, Torflager, Durchfahrten, Dreschdielen) analysierte. Aus dem Süden, der Niedergrafschaft, stellte er Beispiele für das bisher kaum untersuchte „Bihus” (Beihaus) vor. Diese Gebäude haben ein Zweiständer-Innengerüst mit Längsdiele, ein giebelseitiges großes Tor und eine separate Seitentür. Eine (vorübergehende?) Wohnnutzung liegt nahe, konnte aber nicht nachgewiesen werden; es waren wohl zusätzliche Scheunen mit regional begrenzter Verbreitung. Im Westen seines Untersuchungsgebietes fand Maschmeyer keine Beihäuser,sondern große „Dreschhäuser” mit innerer Längswand und der Entwicklung zur balkenlastigen Erntebergung sowie eigene Heuscheunen.
  • Judith Toebast von der Stiftung für niederländische Bauernhausforschung in Arnheim wartete mit erschreckenden Zahlen auf: In den Niederlanden geben acht Bauern pro Tag ihre Betriebe auf; in 15 Jahren wird nur noch ein Viertel des heutigen Bestandes an Höfen vorhanden sein. Sie diskutierte die Schwierigkeiten bei der Weiternutzung der oft großen Bauernhäuser und Nebengebäude. Es zeigten sich die gleichen Schwierigkeiten wie in Deutschland: der fehlende Denkmalschutz der Gebäude, eine Umbauplanung ohne vor ausgehende Bauforschung und die Schwierigkeit bei der Belichtung der Innenräume in ehemaligen Stall- und Scheunenteilen.
  • Otto Knottnerus aus Zuitbroek/Niederlande schlug in seinem Vortrag „Vom Hallengebäude zur Gulfscheune” eine europaweiten Bogen vom römischen Basilikabau über mittelalterliche Klosterscheunen mit steinernen Arkadenbögen und hölzernen Innengerüsten bis zu den romanischen Stabkirchen Norwegens. Er zeigte frühmittelalterliche Festhallen und ab der Mitte des 12. Jahrhunderts aufkommende Kloster- und Zehntscheunen in England sowie die großartigen Markthallen und Grangien in Nordfrankreich und Flandern. Als letzte Stufe der Entwicklung sieht er die Gulfscheune (ältestes Beispiel 1524 in Groningen), wobei diese Bezeichnung keine historische ist, sondern erst 1943 von M. F. Helmers in seinem Buch „Das Gulfhaus” geprägt wurde.
  • Christine Scheer stellte den großvolumigen Scheunenbau der reichen holsteinischen Elbmarschen vor. In der milchwirtschaftlich ausgerichteten Wilstermarsch kommt das „Barghus” (Haubarg, Gulfhaus) mit bodenlastiger Erntbergung oder alternativ das „Husmannshus” (niederdeutsches Hallenhaus) mit balkenlastiger Erntebergung und separaten Scheunen vor. In der Ackerbauregion der Krempermarsch dominierte dagegen das Hallenhaus mit Scheune. Sie unterschied die Bargscheunen mit Querdurchfahrt in der Kübbung und bodenlastiger Erntestapelung von den Fachhallenscheunen mit balkenlastiger Bergung und als drittes die Dreiständerscheunen. Diese waren oft riesige Gebäude mit so genannten Grundfachen, in denen das Erntegut auch bodenlastig gestapelt wurde. Als schönstes Foto des Programms endete sie mit einer historischen Aufnahme dreier älterer Bäuerinnen, die Karten spielten und dabei Langpfeifen rauchten.
  • Dr. Ulrich Klages berichtete von den gefügekundlich hochinteressanten Scheunen des Alten Landes (Elbmarsch unterhalb Hamburgs) mit Querdurchfahrten, urprünglichen Verbohlungen, zahlreichen Hölzern mit „Floßbohrungen” als Spuren von Flößerei sowie zweitverwendeten Ständern von ehemaligen Rutenbergen. Zahlen aus archivalischen Quellen belegen eindrucksvoll die Abnahme von Rutenbergen und die Zunahme von Scheunen. Zum Schluß diskutierte er, ob manche der „Alten Scheunen” mit dielenähnlichem Innengefüge und funktional schwer deutbaren Unterschlagkonstruktionen ehemalige Schafställe gewesen sein könnten.
  • Dieter König aus Bremervörde berichtete über drei Scheunen aus Ostendorf und Nieder-Ochtenhausen im nördlichen Landkreis Rotenburg/Wümme sowie Pattensen im angrenzenden Landkreis Harburg. Der zu einem Adelsgut gehörige Kornspeicher aus Nieder-Ochtenhausen mit seinem mehrstöckigen Mansarddach (18. Jahrhundert) ist als außergewöhnliches Zeugnis ländlicher Baukunst vor einigen Jahren transloziert worden. Er war weitgehend aus über Elbe und Oste geflößten Hölzern errichtet worden. Die Querdurchfahrtscheune aus Ostendorf war als einer der letzten Vertreter dieses Gebäudetyps erst 1934 mit integrierten Kuh- und Pferdeställen errichtet worden.
  • Heinz Riepshoff zeigte mit gerundeten Steckwalmen an altertümlichen Scheunengebäuden der Grafschaft Hoya ein Baudetail, das bisher nur aus dem Mindener und Schaumburger Land bekannt war. Diese gegen Regen schützenden Vorbauten waren nicht etwa über den Eingangstüren, sondern immer an der Wetterseite (Nordwesten) zum Schutz der Giebelwände angebracht. Er fand als denkbaren Vorläufer des gerundeten Walms eine Scheune mit einer gerundeten Giebelwandv on 1581(d) und brachte damit die schwellenlose Fußriegelbauweise in Zusammenhang, da bei der gebogenen Wand eine durchgehende Schwelle kaum realisierbar ist. Zum Schluß zeigte er als Rarität einige Fotos einer Scheune, die aus einem zwischen zwei Baumreihen aufgehängten Strohdach bestand. Eine solche „Baumscheune” entzieht sich jeder archäologischen Nachweisbarkeit.
  • In einem gemeinschaftlichen Vortrag diskutierten Knut Hose und Dr. Dirk Wübbenhorst mögliche Gründe für die übergroße Bauweise der Scheunen im Hannoverschen Wendland des18. und 19. Jahrhunderts. Die älteste datierte Scheune von 1616 (d) war noch ein relativ kleinräumiger Bau. Eine ökonomisch sinnvolle Begründung für die Größe der späteren Bauten schied nach Ansicht der Referenten aus; die großen Verkehrsflächen bei relativ bescheidenen Nutzräumen verstanden sie als Demonstration bäuerlichen Reichtums. Die älteren Gebäude waren giebelseitig erschlossene Vierständerscheunen, die jüngeren dreischiffige Querdurchfahrtscheunen. Am Ende des 19. Jahrhunderts setzte sich bei bereits harter Bedachung ein kleiner Krüppelwalm durch.
  • Die Nachmittagssektion wurde vom IGB-Bundesvorsitzenden Dietrich Maschmeyer geleitet. Zunächst berichtete Dr. Lothar Balke über „Scheunenbauten zwischen Spreewaldund Lausitzer Heide“; er zeigte durchweg quer erschlossene Fachwerk-, Blockbau- und Umgebindescheunen sowie Massivbauten des frühen 20. Jahrhunderts im östlichen Brandenburg; das älteste Beispiel mit spätmittelalterlich wirkenden, angeblatteten Verstrebungen stammte von 1734.
  • Die Volkskundlerin Heike Hofert (Freiburg) stellte ihr Dissertationsvorhaben zu Pfarrscheunen in Südwestdeutschland vor; neben Massivbauten der Barockbaumeister J. C.und F. A. Bagnato zeigte sie einige gefährdete oder bereits abgebrochene Fachwerkscheunen – die Problematik einer vordergründig kunsthistorisch ausgerichteten Denkmalpflege wurde wieder einmal deutlich.
  • Andrzej Michałowski vom Prähistorischen Institut in Poznan/Posen zeigte zwei frühgeschichtliche Pfostenspeicher der Lausitzer Kultur (ältere Eisenzeit, ca. 550-400 v. Chr.) aus der Siedlungsgrabung Borzejewo (östlich von Posen), die 148 Befunde von der Jungsteinzeit bis zum Frühmittelalter erbrachte. Die Siedlung der Lausitzer Kultur bestand aus drei Gehöften mit Blockbau-Wohnhäusern, Pfostenbauten und den beiden näher vorgestellten Vier- bzw. Sechs-Pfostenspeichern, die um einen Dorfplatz mit Brunnen gruppiert waren.
  • In einem kulturgeschichtlich aufschlußreichen Vortrag verdeutlichte Dr. Hermann Kaiser (Museumsdorf Cloppenburg) die Geschichte der Schweinehaltung anhand mittelalterlicher und frühneuzeitlicher Bild- und Schriftquellen. Die bis zu den Zuchtfortschritten des 19. Jahrhunderts wildschweinähnlichen, als „unrein” verachteten Tiere wurden einzeln in engen Koben gehalten und von Schweinehirten in Wald- bzw. Eichelmast gehütet. Zur Mast einer kleinen Herde von fünf bis sieben Tieren sei ein Bestand von ca. 100 Eichen notwendig gewesen.
  • Einen ähnlichen Querschnitt durch die Kulturgeschichte bot Dr. Wolfgang Dörfler mit einem Überblick zur Geschichte von Bienenhaltung und „Bienenzäunen”. Während die „Zeidler”oder „Beutler” des Mittelalters natürliche Baumstöcke aus „beuteten”, sind in Bilderhandschriften des Sachsenspiegels „Liegestöcke”, aber noch keine Körbe zu erkennen. Bienenkörbe sind erst im 16. Jahrhundert nachweisbar. Besaßen Bauern im 16. Jahrhundert üblicherweise ein bis vier, manchmal zehn Bienenvölker („Immen”), waren es in der südlichen Lüneburger Heide über 40. Schafhaltung, Heidevegetation und Buchweizenanbau waren die Voraussetzungen für die intensive Heideimkerei. „Bienenzäune” („Im[men]thun”) werden in den schwedischen „Jördebüchern” des Amtes Rotenburg (Ende 17. Jh.) genannt und erscheinen auf frühen Flurkarten als kleine quadratische Anlagen in der Heide.
  • Dr. Bernd Adam (Hannover) berichtete anhand historischer Bauzeichnungen und eines 1998 substanzvernichtend sanierten Originalgebäudes über die Back- und Brauhäuser des Gutes Sudweyhe (südlich Bremen, ehem. Grafschaft Hoya) anhand von Entwürfen der Landbaumeister Borgmann (1726) und Vick (1757, nicht ausgeführt); ein zweistöckiger Neubau als „Verwalterhaus” folgte 1783. Nachdem das barocke Herrenhaus des Gutes, ein verputzter Fachwerkbau der Zeit um1700, nach langer Vernachlässigung 1999 (!) abgebrochen wurde, ist die historische Gutsanlage ihres Mittelpunktes beraubt.
  • In einem Gastbeitrag stellte Ariane Weidlich (Freilichtmuseum an der Glentleiten) Flachsbrechhütten aus dem südlichen Oberbayernvor; diese beheizbaren Dörrgebäude, deren weite Vordächer als Wetterschutz zur Flachsbearbeitung (Brechen) dienten, werden mundartlich „Brechlbäder” genannt, was auf eine mögliche Nutzung als Schwitzbäder hinweist.
  • Mit den „Burstaven” stellten Knut Hose und Dirk Wübbenhorst verschwundene Gemeinschaftsbauten auf den Dorfplätzen der Rundlingsdörfer des Hann. Wendlandes vor, die nur noch in alten Flurkarten und Chroniken als kleine Fachwerkbauten von drei bis vier Fachen überliefert sind: „Bauerstabe ist ein locus publicus, darin sie ihrer sauff Feste halten, wohnet niemand darin”, heißt es in einem kirchlichen Visitationsbericht von 1671. Als Versammlungsorte hatten die „Burstaven” eine wichtige Funktion in der Selbstverwaltung der frühneuzeitlichen Bauerschaften (ländlichen Gemeinden) und dörflichen Gerichtsbarkeit („Staven- und Straßengericht” seit dem 15. Jh. belegbar), die mit den Agrar- und Landgemeindereformen des 19. Jahrhunderts obsolet wurden.
Wolfgang Dörfler / Heinrich Stiewe

Die Exkursion am Sonntag

schon Freitag Nachmittag haben die ersten Anreisenden Tagungsteilnehmer Gelegenheit zu einer Hausbesichtigung in Bad Bederkesa …
… in diesem kleinen Hallenhaus mit innerer Ankerbalkenkonstruktion (Lagerraum des Handwerksmuseums, Führung U. Klages) …

…Aussenansicht desselben
Im Freilichtmuseum Bremerhaven-Speckenbüttel.
Besichtigung der regionaltypischen ältesten Gebäude, wie sie Gerhard Eitzen 1939 noch in den Dörfern um Bederkesa angetroffen hat; heute lassen sich solche Bauwerke nur noch im Freilichtmuseum finden.

Haupthaus aus Lintig, 1629 i. Das Haus vereint alle typischen Charakteristika: Ständerschrägstand, angeblattete Hillenriegel, aufgezapftes Rähm, Balkenverkämmung, geringer Balkenüberstand, Kammerfach unter durchlaufendem Innengerüst. 
Heidnische?? Symbole an der Wand über dem Herdfeeuer
Besonders altertümliche Merkmale: einzelne Dielenständer ohne Rähmkopfband, freier Flettständer auf einer und ehemaliger (rekonstruktiv erschließbarer) Luchtriegel auf der anderen Flettseite. In der Außenansicht wirkt der unförmige große Krüppelwalm irritierend. Er gehört nicht zum Ursprungsgiebel, war aber schon vor der Umsetzung ergänzt worden.
die Moorkate - typische Berhausung der Moorbewohner
Schafstall in Cruck-Bauweise aus dem ehemaligen Schafstallviertel in Frelsdorf. 
sogenanntes Altenteilerhaus, ehemalige Brinksitzerhaus aus Köhlen, 1669 i. + d.
Wegen der sehr altertümlichen Merkmale (starke Innenneigung der Ständer, fehlender Balkenüberstand, geblattete Hillenriegel, beiderseits durchlaufende Ständerkonstruktion) mutet das kleine Gebäude mit Vollwalm und einseitiger Vorderkübbung älter an, doch wurde die inschriftliche Datierung dendrochronologisch bestätigt; ein Beispiel für die beharrende Bautradition der Region. 
Querdurchfahrtsscheune mit Gabelständern und sparrentragendem Rähm, ebenfalls vom Frelsdorfer Brink.
Bexhövede, Junkernhose Nr. 1, Innengerüstschafstall auf ehemaligem Gutshof (18. Jh.?).
Die konstruktive Verwandtschaft dieses relativ großen Schafstalles mit der Diele eines Bauernhauses ist unverkennbar.

Mächtige Gabelständer prägen das tragende Innengerüst.

Schafstalltypisch sind das hohe Legsteinfundament und die nach außen aufschlagende Grotdör sowie das helle, nicht rauchgeschwärzte Holz des Innengerüstes. 

Altluneberg, v. Oldenburger Haus, 1645 d., 1671 i. Von Gerhard Eitzen 1940 als "eine prachtvolle Leistung unserer bäuerlichen Bauweise" bezeichnet, genoss dieses große, oberschichtliche Hallenhaus mit seinem repräsentativen quergelagerten Wohnteil weitergehende hauskundliche Aufmerksamkeit (v. Osterhausen, Bedal) …
… und schließlich eine ordentliche Restaurierung und angemessene Nutzung. 

 …Zahlreiche Umbauvorgänge sind beschrieben worden und können nachvollzogen werden, nicht zuletzt im Flett- und Wohnbereich. 
Haus in Altluneberg
In Altluneberg gab es die Möglichkeit, diese kleine Fachwerkkirche aus dem 16. Jh. zu besichtigen,
der Turm stammt aus dem 19. Jh.
in der Fachwerkkirche
Gutshof
und die dazugehörigen Wirtschaftsgebäude

Frelsdorf Nr. 13 Dieser schöne, auch farblich gut erhaltene Fachwerkgiebel wurde bereits von Gerhard Eitzen (1949) gezeichnet und beschrieben …

Leider ist der Torbogen nicht mehr vorhanden, der offenbar das Baudatum 1747 verzeichnet hatte …
… die enggerasterte Giebelwand weist einen knaggengestützten Rähmvorstoß auf, sowie weitere Knaggen, die einen Kragbalken vortäuschen (für die Bauzeit in der Region mehrfach anzutreffen) …

… das ursprüngliche Innengerüst ist recht unspektakulär, der Balkenüberstand relativ groß, ein Flettriegel ist teilweise erhalten. 
4. Frelsdorf und Heimatmuseum Frelsdorfer Brink 4a. Das umgesetzte und museal genutzte Haupthaus weist den für 1802 i. charakteristischen enggeraster
ten Giebel auf… 

… obgleich uns die Baubzw. Umsetzungsgeschichte nicht näher bekannt ist, halten wir das Dielengerüst für erheblich älter, vor allem wegen des ursprünglich geringen Balkenüberstandes, der später vergrößert wurde – Mittagessen gibts hier auch …
… und ein Backhaus …

4b. Der Frelsdorfer Brink wurde durch Gerhard Eitzen als Standort eines Schafstall- und Scheunenviertels bekannt …

… ein Schafstall in Krummsparren-Bauweise ist erhalten geblieben (andere waren nach Eitzen Innenständer-Kübbungsställe mit einoder durchgezapften Ankerbalken)… 

… auf dem Museumsgelände stehen außerdem noch zwei Querdurchfahrtsscheunen ("Tuunschüns") …

 …mit dem (seltenen und seltsamen) aufgekämmten Ankerbalken …  

… den charakteristischen Gabelständern und (die eine) mit Fußriegeln.

5. Wellen, Gem. Beverstedt Wirtschaftsgiebel 1704 i., Innengerüst 1522 d. (Gomolka/Leuschner) Schon der Grotdörgiebel und das kleine Stallgebäude daneben bieten einige hauskundliche Delikatessen …

Das weit und breit älteste Dielengerüst lässt das Hausforscherherz natürlich hüpfen! Wir finden hier die bereits bekannten Merkmale, wobei die Kopfbänder recht lang und waldwüchsig, das aufgezapfte Eichenrähm eher schmächtig, die Gratverkämmung dem unterschiedlichen Holzformat angepasst variabel erscheinen … 

Nachweisen lässt sich hier, dass die Sparrenschwelle eine jüngere Zutat ist, die Sparren ursprünglich unmittelbar auf den Ballkenenden standen. Das (baulich stark veränderte) Flett wies auf der rechten Seite die durchlaufende Ständerbauweise, links vermutlich einen sehr schlichten Flettriegel auf.
Hermann Claussen, der uns durch Köhlen führte und rechts Dr. Hajo Zimmermann, der die Tagung organisierte. Beiden an dieser Stelle noch einmal herzlichen Dank.
6. Unsere "Lehrzeit" in der Hausforschung war geprägt von der Vorstellung, die Dörfer Köhlen und Lintig seien eine unerschöpfliche Fundgrube alter und ältester Häuser. Das lag an den Zeichnungen und Aufsätzen, die Gerhard Eitzen von seiner Arbeitsdienstzeit 1939 von dort mitgebracht hatte. Leider musste uns der Dorfchronist Hermann Claussen die Mitteilung machen, dass die von Eitzen untersuchten Häuser die Zeiten nicht überdauert haben. Die in immerhin ansehnlicher Anzahl noch stehenden (und z. T. noch traditionell genutzten) Bauernhäuser lassen die jüngere bauliche Entwicklung nachvollziehen.

6a. Köhlen, Dorfstraße West , 1817 i. Das Vollhofgebäude umfasst eine ca. 20 m lange Diele von 7 Fachen. Die sehr kräftigen Eichenständer stehen in einem gewissen Gegensatz zu den Nadelholz-Rähmen und Balken; Floßbohrungen als Hinweis auf einen Wassertransport des Bauholzes …
… der wuchtige, gerade "Ünnerschlag" (Flettriegel) besitzt noch die traditionelle Zickzackbemalung. 
6e. Lintig, 1806 i Das leerstehende Vollhof-Gebäude wurde laut Inschrift nach einem Brand neu gebaut und ist (auf Grund historischer Belege H. Claussen) nach der Verkoppelung "ausgesiedelt" worden. Die Diele umfasst eine sehr kräftiges Eichengerüst von 7 Fach, das Flett besitzt die zeittypische Luchtkonstruktion mit kleinen Karniesknaggen. 
Das Kammerfach imponiert als jüngerer Anbau mit querer Balkenlage. Ein regionaltypisches Detail (wie auch in anderen bzw. älteren Häusern) ist hier besonders gut zu erkennen: Schräge Einbohrungen oben an der Dielenseite der Ständerköpfe und an den Giebelwandständern (letztere schon von Eitzen gezeichnet) als vermutliche Aufrichthilfe; nähere Kenntnisse der Bedeutung dieses Details wären wünschenswert.

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