4. März 1991

Die Entwicklung des Flett-Dielen-Gefüges im Niederdeutschen Hallenhaus

Das 2. Treffen in Rotenburg/Wümme (Niedersachsen) am 2. und 3. 3. 1991.

Der Tagungsort: Institut für Heimatforschung in Rotenburg/Wümme
(existiert heute, im Jahr 2013 nicht mehr)
Organisation: Dr. Wolfgang und Susanne Dörfler (IGB Rotenburg).
Thema: Die Entwicklung des Flett-Dielen-Gefüges im Niederdeutschen Hallenhaus. 
40 Teilnehmer. 

Hier der Einladungstext aus "Der Holznagel"1/1991:
Haus- und Gefügeforscher in der 1GB
Am Sonnabend, dem 2. März, treffen sich die Haus- und Gefügeforscher in Rotenburg/Wümme zu einer Tagung. Wir wollen die Themen der ländlichen Gebäude in den Vordergrund stellen, die in den großen bundesweiten Publikationen und Hausforschertreffen
meist nur unter ,.ferner liefen" abgehandelt werden. Im September 1990 hatten wir ein erstes Treffen in Zeven veranstaltet. Diese Zusammenkunft hatte ein sehr positives Echo, so daß wir uns trauen; jetzt zu einem Folgetreffen einzuladen. 
19 Teilnehmer hatten zunächst sich und Ihre Interessen und Arbeitsschwerpunkte vorgestellt und anschließend eine sehr spannende inhaltliche Diskussion geführt. Vier kurze Vorträge mit Lichtbildern brachten einen eindrucksvollen Beweis der Breite und der Qualität des Forschungsstandes unter uns ,.nebenberuflichen" Hausforschern.
Für den 2. 3. 1991 haben wir uns folgendes Thema vorgenommen: .. Das Flett-Dielen-Gefüge im Niederdeutschen Hallenhaus." Ausgangspunkt sind für uns noch immer Gerhard Eitzens Arbeiten aus der Zeit zwischen 1939 und 1960. Ergänzt durch zahlreiche in den letzten Jahren aufgefundene alte Gefüge und datiert mit Hilfe der Dendrochronologie, bietet sich heute ein viel weniger spekulatives Bild der Entwicklungslinien der Hallenhausgefüge als noch vor wenigen Jahren. Diese Befunde zusammenzutragen und gemeinsam zu diskutieren, ist das Ziel der Tagung.
Wir freuen uns besonders, daß das Interesse an dieser Zusammenkunft über die Reihen der aktiven nichtamtlichen Haustorscher, der Heimatforscher und Baufachleute hinausreicht bis hin zu den Vertretern der Museumsdörfer und den in der Forschung aktiven Vertretern der offiziellen Denkmalpflege. 
Tagungsort soll das Institut für Heimatforschung in Rotenburg/Wümme sein. Die Tagung beginnt um 14.00 Uhr und wird bis in den späten Abend dauern. Am Sonntag, dem 3. 3. 1991, bieten wir bei entsprechender Nachfrage eine Exkursion zu ausgewählten Objekten in unserer Region an.
Wir bitten alle Teilnehmer um schriftliche Anmeldung.
Dr. Wolfgang Dörfler, IGB Landkreis Rotenburg

Die Vortragsthemen
  • P. Barthold: Die Häuser des Vest Recklinghausen
  • U. v. Damaros: Schaumburger Mützen (Holznagel 3/91) 
  • Dr. M. Sprenger: Hallenhäuser des 16. - 19. Jahrhunderts im lippischen Nordwesten.
  • Dr. H. Stiewe: Die ältesten Bauernhäuser der Grafschaft Lippe - Neue Befunde zum ländlichen Hausbau des 16. Jahrhunderts.
  • F. v. d. Waard: "Oplecht warck" und "Slotengebinten" - Die ältesten Bauernhauskonstruktionen der östlichen Niederlande
Treffen der Haus- und Gefügeforscher in der 1GB
von Dr. Wolfgang Dörfler, IGB Landkreis Rotenburg

Am Sonnabend, dem 2. März, konnten wir 50 Teilnehmer aus Nord- und Westdeutschland sowie einen holländischen Hausforscher von der Universität Groningen in Rotenburg begrüßen. Das Institut für Heimatforschung in Rotenburg hatte uns seine Räume zur Verfügung gestellt. Der Leiter des Instituts Dr. Günther Petschel und seine Mitarbeiterin Frau Böge halfen bei der Vorbereitung und der Durchführung unserer Versammlung. Unsere Frauen hatten die Versorgung mit Essen und Trinken organisiert. Das Abendessen konnten wir in dem nur wenige hundert Meter entfernt gelegenen Heimathaus des Heimatbundes Rotenburg einnehmen. Auch die Benutzung der Räume sowie die Heizkosten des mächtigen Zweiständerhauses hatte uns der Heimatbund entgegen seiner sonstigen Gepflogenheit nicht in Rechnung gestellt. Ihnen allen sei hier noch einmal gedankt! 
Hans Joachim Turner und Dr. Ulrich Klages hatten eine stattlicheAnzahl von aussagekräftigen Kopfbändern aus ihren Sammlungen, bzw. von eingelagerten Häusern zusammengesucht und im Innenhof des Instituts ausgest ellt. Alle wesentlichen Flettkopfbandformen des 16. bis 19. Jahrhunderts unserer Region waren vertreten. 
Die Begrüßungsworte wurden von dem Hausherren Dr. Petschal und dem 1. Vorsitzenden der 1GB Ralf Folke Schwinge gesprochen. Insgesamt wurden neun Vorträge präsentiert, von denen die meisten deutlich länger als die vorgegebenen 20 Minuten dauerten, so daß wir bis spät in die Nacht diskutierten.
Die örtliche Presse nahm mit einem ausführlichen Artikel Notiz von der Veranstaltung ("Hochkarätige Fachleute hielten Vorträge"). An der Rundfahrt am Sonntag nahmen noch 8 28 Personen teil. Auch sie endete wegen der Dichte des Programms und der lebhaften Diskussionen erst zwei Stunden später als vorgesehen. Trotz dieser schon notorischen Zeitüberschreitungen waren wir als Veranstalter mit dem Treffen zufrieden. Wir sind dafür, daß diese Veranstaltungsreihe innerhalb der 1GB fortgeführt wird.

Ich möchte noch einige für mich bemerkenswerte Punkte herausstellen: 
1. Von unserer Einladung (und natürlich auch der mündlichen Propaganda der Initiatoren) haben sich erfreulich viele prominente und hochqualifizierte Fachleute von Museen, Universitäten etc. angesprochen gefühlt und auch teilgenommen. 
2. Ich war erstaunt zu erfahren, wer von ihnen alle Mitglieder in der 1GB sind. 
3. Mehrere der aktiven Laienforscher aus den Reihen der 1GB können ihre Ergebnisse und ihr Wissen ohne weiteres mit dem der anwesenden Profis messen (wobei ein "Profi" natürlich in erster Linie Museumsdirektor, Denkmalspfleger o. ä. ist und nicht Hausforscher im Hauptberuf). 
4. Wir konnten einer Reihe von Teilnehmern aus anderen Bereichen der Wissenschaft und der Heimatforschung erste hoffentlich fruchtbare Einblicke in die Methodik und die Aussagekraft hausforscherlicher Betätigung geben. Wir als Veranstalter hatten uns ein Thema gesucht, das uns natürlich so recht am Herzen lag: Der Flett-Dielen-Verband im Niederdeutschen Hallenhaus ist gerade in unserer Region ein variantenreiches Thema mit zeitlichen und regionalen Differenzierungsmöglichkeiten par exellence. Viele Referenten hatten es da für ihre Regionen deutlich schwerer. Entweder weil sie in Randbereichen des Niederdeutschen Hallenhauses mehr mit Übergangsformen angrenzender Hauslandschaften als mit typischen Flett-Dielen-Häusern konfrontiert sind oder weil der Bestand bereits ausgeräumt zu sein scheint. Sie mußten daher auf Nebenthemen ausweichen, was uns die Präsentation bisher wenig beachteter Variationen des nordwestdeutschen Bauernhauses brachte. Die Möglichkeit der ursprünglich einmal vorgesehenen Herausgabe eines Holznagel Forschung mit den Ergebnissen des Treffens hatte Julius Kraft auf dem Treffen schon sehr in Frage gestellt. Angesichts der Heterogenität der Vorträge ist die Zusammenfassung in dieser Form sicher auch keine unbedingte Notwendigkeit. Vielmehr erhoffe ich mir, daß die vorgetragenen Befunde als Einzelartikel dem Holznagel zur Veröffentlichung übergeben werden. Damit hätten wir einen weiteren wichtigen Sinn der Initiative erreicht: die schlummernde Potenz der 1GB in der ländlichen Haus- und Gefügeforschung zu fördern. Sie würde die Position der 1GB als Partner und/oder Widerpart der staatlichen Denkmalpflege weiter stärken.

Wie sollen die weiteren Treffen aussehen? 
Sollte man das Thema noch genauer beschreiben und z. B. einen Themenkatalog erstellen und die Referenten vorab damit konfrontieren? Wir werden diese Fragen in einem kleinen Kreis der 1GB Hausforscher erörtern und die Ergebnisse im Holznagel vorstellen. Schon jetzt haben die Leiter zweier Museen angeboten die Organisation der Nachfolgetreffen zu übernehmen, worüber ich mich sehr gefreut habe. Wir werden sicher auf das Angebot zurückkommen. 
Überhaupt Thema hin und her: Fast ebenso wichtig wie die Vorträge sind die Gespräche in den Pausen und die gemeinsame Diskussion. So viele Bekanntschaften zu schließen, so viele Leute von Angesicht kennenzulernen, die man bisher nur von ihren Publikationen her kannte, damit eine neue mündliche und schriftliche Kommunikation in Gang zu setzen und vielleicht auch neuen Leuten Mut zu machen in eigene Untersuchungen einzusteigen, das allein hätte dieses Treffen gelohnt.


Die Exkursion
führte in die südlichen Landkreise Rotenburg und Harburg, s. nachfolgende Fotos
Exkursionsleitung: Dr. Ulrich Klages (IGB Harburg).



Sniers Huus, Heimathaus in Seppensen, aus Regesbostel nach hier umgesetzt. Besonderheit ist der freistehende Ständer im Flett, wie er in dieser Region in verschiedenen Hallenhäusern vorkommt. 
Sniers Huus, Heimathaus in Seppensen, aus Regesbostel nach hier umgesetzt. Originalkammerfach von 1695/96 (d). Stellung der Innenständer im Giebel mit Kopfbandem sichtbar.
Links: Smeers Huus, Jesteburg/Eyendorf. Kopfbandanblattung in der Herdwand, vom Kammerfach aus gesehen. Interessant auch, daß die Konstruktion übergekalkt und mit einer Schablonenmalerei über alles versehen ist. 
Rechts: Jesteburg. Flett, Kopfband mit Taubandverzierung. Bei genauerer Betrachtung entdeckt man hier Spuren einer alten Anblattung. 











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