9. Oktober 2016

AHF-Tagung in Neustadt/Weinstraße – Exkursion in die umliegenden Dörfer

Ein weit verbreitetes Fachwerkmotiv in den Orten um Neustadt
ist die durchkreuzte Raute in einem Brüstungsfeld
Am letzten Tag der AHF-Tagung in Neustadt/Weinstraße geht es – nach der obligatorischen Mitgliederversammlung – aufs Land in die kleinen Orte Lachen-Speyerdorf, Hambach und Rhodt unter Rietburg. Alle drei Orte sind geprägt vom Weinbau und vom Fachwerk.
Aber jetzt am besten die Fotos anschauen:

Der AHF-Vorstand bei der Mitgliederversammlung im Gemeindesaal im Casimirianum in Neustadt: Herbert May (Bad Windsheim), Vorsitzender Michael Goer (Esslingen), Anja Schmid-Engbrodt (Pulheim), Thomas Eißing (Bamberg) und Heinrich Stiewe (Detmold)
Lachen-Speyerdorf, die beiden vereinten Dörfer bilden heute das größte von neun Weindörfern in der Umgebung von Neustadt. Hier siedelten in den letzten 200 Jahren Kelten, Römer, Alemannen und Franken. 
Das Schulhaus ist ein großer spätklassizistischer Sandsteinquaderbau mit fünfachsigem Zwerchhaus aus dem Jahre 1903.


Der städtische Denkmalpfleger in Neustadt /Weinstraße,
 Dr. Stefan Ulrich leitet die Exkursion
Fachwerk des 18. oder frühen 19. Jahrhunderts
Ein steinernes Haus mit Hoftor und Fußgängertür von 1738
Der Schlussstein des Torbogens zeigt die Jahreszahl 1738,
einen Pflug und die Initialen der Hauserbauer
Auf eine Hauswand ist die Topografie des Ortes gemalt
Straßenzug mit giebelständigen Häusern, dazwischen liegen
die Toreinfahrten zu den schmalen Höfen.
Fachwerk in Graublau mit Inschrift auf der Giebelschwelle,
datiert 1890
Fachwerkbau mit Kniestock, am Eckständer datiert 1757
Ein schlichter Fachwerkgiebel des 19. Jahrhunderts, mit Taube/Wein-Motiv. Die beiden kleinen Fenster waren ursprünglich Klappen – dort unter der Dachschräge wurden die Stangen für den Weinanbau zur Lagerung eingeschoben …
… in diesem Giebel sind die seitlichen Klappen noch erhalten.
Tor  – mit Zahnradmotiv und 1764 im Schluss-Stein –
zur Hofanlage einer kleinen Winzerei …
… hier durfte freundlicherweise der Hofraum mit den
historischen Gebäuden in Augenschein genommen werden
Torbogen mit Jahreszahl 1720
Inschriftplatte mit Jahreszahl 1813
Eine ausgemusterte Presse
Ecke des Nebengebäudes mit Schweinestall
(die Klappen links) und Futtertrog rechts


Lachen-Speyerdorf, Theodor-Heuss-Straße 52

Die Exkursionsteilnehmer bekommen eine Einführung zu dem eingerüsteten Gebäude …
Armes Haus – das Gerüst vermittelt Aktivität. Das Haus sieht arg mitgenommen aus, für jeden Laien ein Schandfleck-Fall, dem man mit Abriss begegnen muss. Da muß man den Freunden dieses Hauses, dem Verein "Projekt 51", viel Durchhaltevermögen wünschen. 
Im hinteren Teil des Hauses liegt das Dachgerüst offen –hoffentlich  kommt die Abdeckplane noch vor dem Winter auf die freiliegenden Sparren  …
Vorlage für neue Fenster …
romantisches Fachwerkdetail
1685 erzählt die Datierung, wurde dieser Türsturz eingebaut

… und so sieht es hinter der Tür aus …
… rechts von der Tür ist ein ehemaliger Wassertrog aus Sandstein eingebaut,
die Funktion ist unklar
Das Projekt wird von einem Verein Projekt 51 betreut, dieser richtet hier eine Baudenkmal-Musterbaustelle ein. Der Verkauf von Bürgerstrom soll das Projekt finanzieren. (Auf der Internetseite des Vereins finden sich weitere Informationen zur Baugeschichte inkl. Dendroprotokolle, und die Sanierungspläne) 
Ästhetik des Alterns – einer Tür

Lachen-Speyerdorf, Theodor-Heuss-Straße 42
Besichtigung eines barocken Hakenhofes
mit eingeschossigem Fachwerkhaus mit Drempel, 1726 –
der Hof ist eine aktive Baustelle
Wirtschaftstrakt und Scheune teilweise Fachwerk, letztere ist 1761 errichtet
Erhard Preßler durfte Deckenhölzer einer Einschubdecke mitnehmen,
zur dendrochronologischen Untersuchung, er vermutet Kastanienholz
(Untersuchung ergab Tannenholz), Ibon Telleria aus dem Baskenland
verfolgt aufmerksam seine Erklärungen …
… Blick in die Scheune – aus der Decke stammt das Holz für die Untersuchung
immer wieder interessant: Dachstühle
in fast allen Räumen sind alte Wanddekorationen vorhanden

Schloss Hambach
Besichtigung des Schlosses Hambach, das ja eine bedeutende Rolle
in der deutschen Geschichte spielt
Der wideraufgebaute Teil der Schlossruine entstand erst
in den 1980er Jahren 
hier im Modell die Schloss(ruinen)anlage
Das Hambacher Fest, nachgestellt mit Playmobil-Figuren
Die originale schwarz-rot-goldene Fahne wird im Schlossmuseum gezeigt
der Blick ins Rheintal …
… nicht auf Weinberge, sondern auf Weinfelder


Hambach, Schloßstraße
ehemaliges Gemeindehaus und Gasthof „Zum Engel“;
zwei im Kern renaissancezeitliche Krüppelwalmdachbauten in Fachwerk,
EG massiv, datiert 1787 und (innen) 1610, 
die Fensterlaibungen im EG in Sandstein
Teil des Giebels im OG
die originalen Stuckdecken sind z.T. erhalten
altes Türgewände von 1610,  mit neuer Tür
Fenster im Obergeschoss
  Ein Weinlokal soll hier entstehen – und Fremdenzimmer


Straßengiebel, Fachwerk mit steinernem Untergeschoss, eine ehemalige Tür  …
… wird noch durch den unverputzten Schluss-Stein von 1739 markiert

Das Weingut Naegele, Schloßstraße 27
spätbarock geprägtes Anwesen, 16. bis 19. Jahrhundert,
elfachsiges barockes Wohnhaus, von 1707 und 1783, 
im Hof des Weingutes, das moderne Eingangsportal führt in den Verkaufsraum
mediterranes Flair auf dem Hof des Weingutes
die Winzerin Eva Bonnet führt durch den Weinkeller

Weinverkostung

Hambach, Weinstraße 181/183
ehemaliges Weingut; klassizistisches Wohnhaus von 1839, 
hier lebt und arbeitet die Künstlerin Christiane Maether
klassizistische Deckendekoration
ein Raum im Haus ist im orientalischen Stil gestaltet …



Hambach, Weinstraße 166
straßenbildprägendes klassizistisches Kelterhaus, von 1844;
Datierung im Schluss-Stein


Ausstellung eines studentischen Wettbewerbs zur zukünftigen Nutzung … 
… der fast endlosen Kelterhalle
Rhodt unter Rietburg
Ein steinernes Winzerhaus...
... mit steinernen Schiebefenstern zur Belüftung eines Weinkellers
Tagungsausklang: Gemeinsames Abendessen im Kastanienhof, in Rhodt unter Rietburg

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