24. September 2017

Elefanten an der Decke, eine schnelle Ministerin und Klassizismus – der Tag des offenen Denkmals in Oldenburg

Ausschnitt der Deckenbemalung im Degode-Haus.
Zum Bundesweiten "Tag des offenen Denkmals" ließ ich mich überreden, den Infotisch der IGB im Degode-Haus in Oldenburg zu betreuen. 
In Oldenburg – der heimlichen Stadt des Klassizismus – war ich noch nie so wirklich und kannte auch nicht die architektonischen Überraschungen in dieser Stadt mit ihren ca. 2500 Baudenkmalen. 
Das Degode-Haus am Markt ist das letzte verbliebene reich verzierte Fachwerkgiebelhaus Oldenburgs, das 1502 von Christopher Stindt erbaut wurde. 1888 ließ der Kaufmann Degode als Besitzer die Gefache und Fächerrosetten im Obergeschoss in altdeutscher Manier durch farbige Stippverzierungen umgestalten.











im Schuhladen präsentieren wir die IGB

Die bemalte Decke
Im Haus zeigt eine 1645 von Mylius von Gnadenfeld in Auftrag gegebene bemalte Holzdecke eine allegorische Darstellung der damals bekannten Erdteile Europa, Asien, Afrika und Amerika nach dem Vorbild niederländischer Kupferstiche. Das seit 1790 durch eine Stuckdecke verdeckte 39 Quadratmeter große Deckengemälde wurde 1992 wiederentdeckt.

Die Eigentümerin erläutert den Besuchern die sensationelle Deckenbemalung aus dem 16.  Jh.






Besuch der Ministerin
Die Eröffnung des Tages des offenen Denkmals fand in diesem Jahr im niedersächsischen Oldenburg statt. Dort sagte Bundesbauministerin Barbara Hendricks (SPD) am Vormittag: "Die über eine Million Denkmäler in Deutschland sind Ausdruck unserer Identität und Geschichte." Sie böten in unserer schnelllebigen Zeit einen Anker der Selbstreflexion …


Medienwirksam …
… darf die Bundesbauministerin die letzte Schraube des Denkmalschildes am Degodehaus festdrehen. 
ein kurzes Interview fürs Fernsehen …
… noch ein freundliches Lächeln für die Kameras …
… und ein flüchtiges ”Hallo" für die Eigentümerin des Baudenkmals – dann ist sie wieder weg. Die sensationelle bemalte Decke hat sie nicht gesehen, dafür war keine Zeit mehr. Ihr Zug fuhr ja pünktlich. (Ich dachte, Minister fahren in der Panzerlimusine - aber als Umweltministerin kommt die Zugfahrt natürlich besser, als mit einem "Verbrennungsstinker" – so kurz vor der Wahl … ).
Auch die Politische Prominenz aus Oldenburg und Hannover zeigt sich kurz: Bürgermeisterin Germaid Eilers-Dörfler , Niedersachsens Kulturministerin Gabriele Heinen-Kljajic, Gabriele Nießen (Stadtbaurätin in Oldenburg), Dr. Christina Krafczyk(Präsidentin des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege) 

Die Stadtführung

Die Oldenburger Denkmalpflegerin wird zu den architektonischen Highlights der Stadt mit ihren ca. 2500 Baudenkmalen führen.

Als ehemalige Residenz der Großherzöge von Oldenburg hat das Oldenburger Schloss eine lange Entwicklung von einer mittelalterlichen Burganlage zur repräsentativen Residenz genommen. 


Der Schlosssaal mit seiner prunkvollen Innenausstattung im Stil der Neorenaissance ist der prächtigste und größte Raum des Oldenburger Schlosses

Die "Kavaliershäuser an der Huntestraße . 1791 bis 1796 
Macht und Pracht in Oldenburg - dafür steht das Augusteum. Vor 150 Jahren wurde es als erstes Kunstmuseum Oldenburgs unter Großherzog Nikolaus Peter Friedrich (1827-1900) erbaut. 





Heimatstil neben Klassizismus

Bürgerhäuser im Dobbenviertel.
Moltkestraße 2 von 1878
Das "Rote Schloß" zwischen Bismarck- und Moltkestraße, das die südliche Platzkante des Cäcilienplatzes bildet, wurde 1890 vom jungen Georg Klingenberg (AEG) entworfen



 Die sogenannten „Hundehütten“ etwa haben ihre Ausstrahlung einer liebevollen Restaurierung der Eigentümer zu verdanken, die verantwortungsvoll mit dem bauhistorischen Erbe umgehen.
Oldenburgisches Staatstheater
Das jetztige Theater an der Ecke Theaterwall / Roonstraße ist schon das dritte Theatergebäude an diesem Ort. Bereits 1833 entstand ein erstes hölzernes Theater im klassizistischen Stil, das sich leicht nördlich vom heutigen Hauptbau befand. Als dieses Gebäude zu klein wird, wird 1879-81 ein größeres Theater im Stil der Neorenaissance am heutigen Standort errichtet. Dieses brennt allerdings schon 1891 bis auf die Grundmauern nieder. 1891-93 wird das Theater im ähnlichen Stil wiederaufgebaut, wobei vor allem der Innenraum neobarock gehalten wird. Dieses letztere Bauwerk blieb uns bis heute erhalten. 
Die St. Lamberti-Kirche im Herzen der Innenstadt: Von außen ein neugotisches Backstein-Gotteshaus mit  rechteckigen Grundriss. Im Inneren hat die Kirche ein rundes Profil – eine klassizistische Rotunde.
Rotunde der Lambertikirche mit einer Öffnung in der Kuppel. 
Umbau der Lambertikirche (1791-1795)

Der Tag geht zu Ende … Das war's …


Eine sehr ausführliche Vorstellung der Architektur in den Oldenburger Stadtteilen gibt es hier.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Schreiben Sie einen Kommentar zu unseren Beiträgen.
Es ist immer spannend, zu erfahren, was unsere Leser denken und wer uns besucht. Wir würden uns freuen.

Printfriendly