2. Juni 2013

Ein Garten für Angelique und das Haus von Maurice Ravel

Es ist Sonntag und eine Gelegenheit, nicht an Dendrochronologie und Zimmerei-Workshop zu denken. Auch wer sich für historische Häuser interessiert, kommt um das Thema Garten nicht herum. Eine Empfehlung führt uns am Vormittag zum 10 km entfernt liegenden Garten der Angelique in Montmain, wenige Kilometer außerhalb von Rouen.

Gloria und Yves Lebellegard schufen den Garten im Jahr 1989 in Erinnerung an ihre Tochter Angelique. Seit dem Tod von Yves führt Gloria die Aufgabe mit Hilfe ihrer zweiten Tochter Claire fort.
Yves liebte Rosen. Heute enthält der Garten über 2000 verschiedene Sorten. Gloria Lebellegard studierte Kunst. Der Gestaltung der Beete ist das anzumerken. Auf der Suche nach der perfekten Farbbalance sind Kompositionen entstanden, die an einem sonnigen Frühlingstag mit angenehmen Temperaturen alle Sinne erwachen lassen. Das Herrenhaus aus dem 18. Jahrhundert verbindet und trennt zugleich zwei unterschiedlich konzipierte Gärten. Der eine streng geometrisch ausgerichtet und mit Buchs und Taxus eingefasst und der Tradition französischer Gartenarchitektur verpflichtet, der andere genau das Gegenteil. Hier verlaufen die Wege dem Konzept eines englischen Landschaftsparks folgend eher zufällig. Dennoch merkt man den Gestaltungswillen der Eigentümerin auf  Schritt und Tritt. Beide Gartenteile sind so faszinierend angelegt, dass man gleich mehrfach hindurchwandeln möchte, zumal sich die Eindrücke nach dem Sonnenlauf in kurzer Zeit bereits stark verändern. Claude Monets weltberühmter Garten in Giverny liegt nicht weit entfernt. Doch hier kann man den Garten noch in aller Ruhe genießen, insbesondere an einem Sonntagmorgen wie diesem. Den Besuchern in Giverny ist das nicht vergönnt.
Satellitenbild. Quelle: Google-Earth.

Die folgenden Bilder bleiben ohne Kommentar und geben so die Impressionen eines leisen Sonntagmorgens wieder.
  

























Unser nächstes Ziel: Lyons-la-Forêt, etwa 30 km östlich von Rouen gelegen.
Die Information, dass es hier eine historische Markthalle geben soll, hat den Wunsch eines Besuchs ausgelöst. Aber auch sonst hinterlässt das Städtchen mit seinen vielen Fachwerkhäusern einen bleibenden Eindruck.
Nach offizieller Lesart das älteste Haus im Ort. Leider sehr stark verändert. Aber an den Fachwerkverbindungen lässt sich der alte Zustand nachvollziehen. Auch wenn die Datierung nachträglich aufgemalt ist, lassen die spärlichen Details das Alter glaubhaft erscheinen. 
Das passt zusammen.

Was straßenseitig nach einem Massivbau aussieht, ist häufig vorgetäuscht.

Die Markthalle im Erdgeschoss. Jeden Sonntag findet hier Markt statt. Die Käse-und Wurststände mit einem überwiegend regionalen Angebot sind legendär.

Im Dachgeschoss findet aktuell eine Kunstausstellung statt.

Das Wohnhaus des Komponisten Maurice Ravel, Schöpfer des Boléro, etwas außerhalb des Dorfkerns gelegen.


Entgleisungen lassen sich selbst in einem Städtchen mit Vorbildcharakter nicht vermeiden.

Unser letzter Besuch an diesem Tage gilt noch einmal dem Chateau de Martainville. Zweimal standen wir vor verschlossener Tür. Jetzt hat das ethnografische Museum der Normandie geöffnet.

Das Alltagsleben der gehobenen Bürgerschicht wird hier dargestellt.

Mit Möbeln vom Feinsten.


Blick in die Dachwerkkonstruktion eines der 4 Ecktürme.

Ein Schrankbett mit Luxuscharakter.

Die großzügigen Räumlichkeiten des Chateaus wollen allerdings nicht so recht zum Ausstellungsthema passen.

Fliesen aus den Niederlanden als teures Importgut in der Normandie.

Rouen rüstet sich für die alljährlich im Juni stattfindende Armada, einem Hafenfest mit Schiffen aus der ganzen Welt. Mit 2 Millionen Besuchern im vergangenen Jahr ein Veranstaltungshighlight in der Normandie. 
Das Restaurant La Couronne, eine Institution in Rouen. Seit 1345 besteht das Wirtshaus, das als das älteste Frankreichs zählt.

Der bekrönte Eingang des Restaurants.

Berühmte Größen aus Politik und Kultur haben das Restaurant besucht. An den Wänden hängen hunderte von Porträts.  

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