26. Mai 2018

Anreise mit Hindernissen und erster Tag in Basel

Endlich geht es wieder los - unsere diesjährige Hausforscher-Reise soll uns für zehn Tage in die Schweiz, genauer, in die Nord- und Zentralschweiz, führen. Doch davor steht eine lange Anreise...
Altstadtgasse am Nadelberg in Basel
Wir treffen uns am Freitagnachmittag bei Bernd in Martfeld um gemeinsam nach Hamburg-Altona zu fahren, wo wir den Hausforscher-Bus auf den Autoreisezug nach Lörrach verladen wollen. Doch auf der Autobahn A1 zwischen Bremen und Hamburg gibt es kurz vor Heidenau eine Vollsperrung wegen Unfall – wir stehen eineinhalb Stunden im Stau und sehen unseren Zug schon davonfahren... - doch wir haben Glück: Die Autoverladung in Altona beginnt verspätet und wir kommen – als drittletzte – noch auf den Zug auffahren. So können wir noch planmäßig mit dem Autoreisezug über Nacht nach Lörrach fahren, wo wir pünktlich am Samstag um 8.30 Uhr ankommen. Nach einem netten Frühstück in der Stadt treffen wir uns mit dem Archäologen Christoph Matt in Basel, der uns diese sehenswerte Stadt zeigen wird.


Treffen mit Christoph Matt (Mitte) in Basel. Außerdem begleitet uns ein weiterer Schweizer Kollege, der Architekt Norbert Frisch (hinten rechts)
Der Rundgang beginnt am Lohnhof mit der Leonhardikirche, dem füheren Augustiner-Chorherrenstift in Basel. Die Kirche stehen auf der früheren mittleren Stadtmauer aus dem frühen 13. Jahrhundert.
Wir blicken auf die Straße Kohlenberg/Steinenhof, die durch den früheren Stadtgraben führt.

Basel besitzt eine wunderschöne, intakte Dachlandschaft mit historischen Biberschwanzziegeln. Anders als in Deutschland gelingt es der Schweizer Denkmalpflege, bei Neueindeckungen die Wiederverwendung der jahrhundertealten, aber gut erhaltenen Ziegel durchzusetzen.
Brunnen von 1866 vor Häusern am Leonhardsberg
Tor zum "Lohnhof" mit spätgotischer Jahreszahl 1515. Der Name erinnert an städtische Lohnherren (Bau-Ratsherren), die den früheren Augustiner-Klosterhof im 16. Jahrhundert bewohnten.
Im Lohnhof
Die Leonhardskirche, frühere Stiftskirche der Augustiner-Chorherren, ist heute eine evangelisch-reformierte Stadtkirche. Das Langhaus wurde 1481 bis 1581 zu einer prächtigen spätgotischen Hallenkirche mit schlanken Pfeilern und Netzgewölben ausgebaut.
Unter dem Chor befindet sich die romanische Krypta des Ursprungsbaus aus dem 12. Jahrhundert.
Ergrabene Fundamente der romanischen Chorapsis, die unter dem gotischen Chor freigelegt und zugänglich gemacht wurden.
Blick in das Hallenlanghaus der Zeit um 1500. Auf der Empore im Hintergrund die Silbermann-Orgel von 1718.
Auf dem Weg ins Dachwerk der Leonhardikirche: Mittelalterliche Blocktreppen im Turm
Im Dachwerk blieb ein großes Tretrad aus der Bauzeit erhalten, mit dem ein Bauaufzug oder Kran mit Muskelkraft angetrieben wurde.
Blick in das riesige Dachwerk über der 1518 fertiggestellten Hallenkirche.
Dachkonstruktion mit schrägen Stützen und diagonalen Streben (Steigbändern), im Hintergrund das Tretrad.
Altstadthaus mit Rhinozeros

Blick über die Dächer der Altstadt auf die Münstertürme
Nach einem preiswerten Mittagsimbiss in der Kantine des Uni-Klinikums besuchen wir die benachbarte Predigerkirche, eine dreischiffige Basilika eines früheren Dominikanerklosters aus dem 13. Jahrhundert. Heute wird sie von der christkatholischen (altkatholischen) Gemeinde genutzt.



Die Kirche hat unterschiedliche Fenster: Die Südwand zeigt die schlichten gotischen Fenster der Bauzeit um 1250...
...die Nordwand hat dagegen reichere Maßwerkfenster der 2. Hälfte des 14. Jahrhunderts - ein Hinweis auf die schwere Zerstörung der Kirche im Basler Erdbeben von 1356 und den anschließenden Wiederaufbau.
Christoph Matt zeigt und Zeichnungen der Archäologie Basel-Stadt, die das Ausmaß der Zerstörung von 1356 rekonstruieren. Der Chor war stehen geblieben und durch eine Holzwand notdürftig geschlossen.
Häuser am "Totentanzplatz" gegenüber der Predigerkirche
Das "Schöne Haus" ist ein bedeutendes Patrizierhaus in Basel aus dem Jahre 1271 (Dendro-Datierung aus dem Dachwerk). Das Gebäude ist ein viergeschossiger, repräsentativer Saalgeschossbau, der große Saal im Obergeschoss hat eine Reihe frühgotische Maßwerkfenster.
Das restaurierte Gebäude gehört heute zur Universität. Wir können es leider nicht besichtigen, weil dort eine private Feier stattfindet. 
Wir dürfen aber durch das Fenster einen Blick in den Saal werfen, mit gotischen Fenstern und einer bemalten Balkendecke des 13. Jahrhunderts (hinten). 
Hof eines Bürgerhauses in Basel mit hölzernen Galerien.
Gasse am Spalentor in Basel.
Von Basel fahren wir am Nachmittag weiter nach Ramlinsburg, einem Dorf im Basler Landgebiet. Hier besichtigen wir ein Bauernhaus von 1556 (dendrodatiert).


Der Wohnteil des Bauernhauses wurde 1715 um einen massiven Anbau erweitert - um das im Basler Landgebiet verbreitete Gewerbe der Seidenbandweberei ausüben zu können.
Umbau-Jahreszahl 1715 über einem Fenster am Südgiebel
Hier treffen wir den Zimmermann und Hausforscher Jakob Steinmann, der mit der Denkmalpflegerin Anita Springer ein Buch über das Haus geschrieben hat. Er erläutert uns seine Forschungsergebnisse an einem Querschnittmodell des Hausgerüstes.

Er erläutert uns, dass ein Verzimmerungsfehler beim Bau des Hauses 1555/56 zu erheblichen Schiefstellungen von tragenden Ständern und Bauschäden geführt hat. Die Behebung der Folgen dieses Baufehlers bereitet bis heute erhebliche Probleme.
Das Haus hat ein für die Nordschweiz typisches Firstständergerüst. Die starke Schiefstellung der tragenden Ständer ist hier deutlich zu erkennen.
Blick in den Dachraum des Firstständerbaus von 1556. In der Mitte der haushohe Firstständer, links und rechts davon seitliche Ständer, die die Mittelpfetten des Daches tragen. Die Hölzer aus der Bauzeit 1556 sind schwarz verräuchert - das Haus war ein Rauchhaus mit offener Feuerstelle ohne Schornstein.
Ein weiterer Blick auf das eindrucksvolle Firstständergerüst von 1556.
Äußerlich ist das Haus eher unauffällig, die Außenwände bestehen aus massivem Bruchsteinmauerwerk.
Fotos: Bernd Kunze
Text: Heinrich Stiewe


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