27. Mai 2014

Erste Highlights im Süden Gotlands

Mit unserem Gastgeber Magnus Sjöholm (links), Tischlermeister und Experte für mittelalterliche Holzbearbeitungstechniken, verstehen wir uns auf Anhieb. Für die nächsten Tage können wir auf seinem Hof bei Stånga übernachten. In seiner Werkstatt, die uns als Frühstücks- und Aufenthaltsraum dient, diskutieren Heinz und Haio mit ihm über historische Äxte und Beile. Mit Magnus als Begleiter werden wir den Süden Gotlands erkunden.
Eine Auswahl aus Magnus' Sammlung nachgeschmiedeter mittelalterlicher Beile, die er bei Rekonstruktions- oder Restaurierungsarbeiten einsetzt.
Unser erstes Ziel auf Gotland: Ein mittelalterlicher Gutshof in Kattlunds, heute Museum. Die langgestreckte Scheune ist aus Gotländer Kalkstein gemauert.
Die lange Scheune hat durchgesteckte Deckenbalken, die mit langen Keilen gesichert sind. Die vorkragenden Steinplatten schützen die Balkenköpfe vor der Witterung.
Hinter der Scheune befindet sich ein hölzerner Göpel, der früher mit Ochsen bespannt wurde. Er diente als Antrieb... 
... für eine hölzerne Dreschmaschine im Innern der Scheune.
Das Wohnhaus des Gutshofes Kattlunds ist ein mehrfach umgebautes mittelalterliches Steinhaus aus dem 13. und 14. Jahrhundert.
Im Garten des Steinhauses genießen wir einen schmackhafte Mittagsimbiss.
Unterwegs sehen wir dieses Holzhaus, das mit einem Stahlrahmen auf LKW-Anhängerachsen gehoben worden ist und an einen anderen Ort transloziert werden soll. Anscheinend ist die Baumaßnahme aber ins Stocken geraten...
Dann führt uns Magnus zu diesem altertümlichen Bauernhaus bei Grötlingbo, versteckt und leerstehend in einer Kuhweide. Das Gebäude ist ein Bohlenständerbau (schwedisch: bulehus) und scheint sehr alt zu sein - Erhard will Bohrproben ziehen und das Alter bestimmen.
Das Haus hat ein "Agdach", eine für Gotland typische Deckung mit einer dicken Packung aus "Schneidgras". Daneben steht ein niedriges Stallgebäude aus Bruch- und Feldstein-Trockenmauerwerk.
Ein Beispiel neuer Architektur auf Gotland: Modernes Holzhaus mit traditionellem Bretterdach. Der Schuppen links ist erst kürzlich neu hinzugekommen.
Ein Gotländer Bauernhof des 19. Jahrhunderts in Eke: Der massive Bruchsteinbau mit flach geneigtem Kalkplattendach erinnert uns an ähnliche Bauten im fränkischen Jura. Die Holzpfosten des Tores sehen aus wie die romanischen Kirchtürme der Insel
Das zugehörige Stallgebäude hat ein traditionelles, steiles "Agdach"...
... eine dicke Packung aus Schneidgras, die Halme hängen tief herab.
Giebel mit mittelalterlich wirkenden Schlitzfenstern und Agdach
Am späten Nachmittag besuchen wir die erste der berühmten Landkirchen auf Gotland: Die Kirche in Havdhem ist ein typischer romanischer Bau des 12. und 13. Jahrhunderts mit halbrunder Apsis, Chor, Langhaus und Turm.
Romanische Quaderwand mit Zierfries und zahlreichen Bauspuren, nicht einfach zu deuten....
Türbeschlag an der Kirche (19. Jahrhundert) mit Klopfer und krustigen Rückständen von zahlreichen Teeranstrichen. Havdhem ist nur der Anfang - wir werden auf Gotland noch zahlreiche mittelalterliche Kirchen sehen.
Abendliches Fachsimpeln und Bloggen in der inspirierenden Atmosphäre von Magnus' Tischlerwerkstatt
(Texte: Heinrich Stiewe)


Kommentare:

  1. Mich interessiert sehr, wie alt das Bauernhaus ist, dessen Alter mittels einer Holzprobe noch festgestellt werden soll. Es sieht sehr klein aus. Ist es ein Einraumhaus? Und welches Vieh stand in dem Stall? Gibt es Fotos von den Innenräumen?

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    1. Liebe Ina,
      wir freuen uns, dass Du unsere Reise so aufmerksam verfolgst und regelmäßig kommentierst! Das kleine Bauernhaus ist wohl kein Einraumhaus, es gibt eine alte Innenwand. Vermutlich wurde es woanders erbaut und 1877 (Jahreszahl an einem Eckständer) an seinen jetzigen Standort auf der großen Weidefläche versetzt, vielleicht als Hirtenhaus. In dem kleinen Stall standen wohl Ziegen oder auch ein Schwein, genaueres wissen wir noch nicht. Fotos von den Innenräumen liefern wir bei Gelegenheit nach.
      Herzliche Grüße von den Hausforschern auf Gotland

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    2. Liebe Hausforscher!
      Vielen Dank für die ausführliche Antwort! Mich beeindruckt sehr, dass es bereits 1877 möglich war, ein Haus umzusetzen. Bin gespannt auf die Bilder der Innenräume.

      Leider konnte ich die letzten Tage eurer Reise nicht so aufmerksam verfolgen, aber ich freue mich darauf, dieses über Pfingsten nachzuholen. :)

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