24. Juni 2014

Balkenfressende Drachen und ein feines Abendessen

Drachenkopf an einem Fachwerkhaus hinter der Kirche in Broglie
Heute wird wieder gearbeitet: In dem kleinen Städtchen Broglie hat Erhard bereits das Kirchendach datiert (1535 d) und es sollen ergänzende Proben aus dem Turm und einem benachbarten Fachwerkhaus gezogen werden. Bemerkenswert ist die Schnitzdekoration: Geschnitzte Drachenköpfe an den Balkenenden scheinen die Balken zu fressen... - Ähnliche Drachen haben wir bereits in der Bretagne gesehen. Nachmittags besuchen wir den Gutshof von Michel Maillard, der uns noch zwei benachbarte Schlösser zeigt. Abends sind wir bei Michel eingeladen, der für uns ein vorzügliches Diner gekocht hat.
Am Flussufer in Broglie entdecken wir dieses Waschhaus
Dieser langgestreckte Fachwerkbau hinter der Kirche stammt vermutlich aus dem frühen 16. Jahrhundert, auch hier hat Erhard im Dach Dendroproben gezogen.
Das Gebäude hat prächtige Schnitzereien an der Stockwerkvorkragung. Ähnliche Drachenköpfe gibt es auch im Dachstuhl der Kirche nebenans – möglicherweise war hier derselbe Schnitzer am Werk.
Langhaus und Chor der Kirche in Broglie - romanische und gotische Bausubstanz. Die linke Arkade besteht aus Grisant, einem eisenhaltigen (daher braunen) Konglomeratgestein - die französischen Kollegen sprechen von "natürlichem Beton".
Im Dachstuhl über dem Gewölbe finden wir die gleichen Schnitzereien wie an dem Fachwerkhaus nebenan. Vor der (späteren) Einwölbung gab es eine offene Holztonne über dem Schiff und das Schnitzwerk war von unten sichtbar.
Das Dachwerk von 1535 - mit einer früheren Holztonne über dem späteren Gewölbe des Langhauses.
Farbiges Kirchenfenster, wohl aus dem 16. Jahrhundert (?)
Broglie: Häuserzeile im Zentrum neben der Kirche...
… und am Marktplatz. Vor der kleinen Bar nehmen wir einen Mittagsimbiss zu uns: Omelette con jambon et fromage.
Nachmittags besuchen wir den Gutshof (manoir) La Haut Moine bei La Rossiere - auf Einladung des Eigentümers Michel Maillard, den wir bereits bei dem Abendessen am Sonntag kennen gelernt haben. Erhard hat hier alle Gebäude beprobt und spannende Ergebnisse herausbekommen: Das Herrenhaus im Bild stammt von 1671 (d), enthält aber ältere Bauteile.
Das Dachwerk des Herrenhauses enthält ältere Bauteile von 1381 +/- 6 und 1501 (d).
Am Rande des Hofes liegt das Backhaus für den großen Gutshof - in gebührendem Abstand, wegen der Brandgefahr.
Die ältere der beiden Scheunen auf dem Hof ist 1326 +/- 6 datiert. Sie hat ein dreischiffiges Innengerüst...
… mit überstehenden Dachbalken an der linken Seite - ähnlich wie in holsteinischen Gutsscheunen oder niederdeutschen Hallenhäusern.
Eine Apfelplantage: Hier wächst der Rohstoff für Cidre und Calvados
Am Nachmittag besuchen wir noch zwei weitere Schlösser: Das Renaissanceschloss Le Blanc Buisson und das Chateau Cernieres. Hier werden wir von der liebenswürdigen Eigentümerin Isabel Colomb auf deutsch begrüßt.
Das Schloss stammt in seinen ältesten Teilen aus dem Mittelalter und wurde um 1900 stark umgebaut und erweitert. Aus dieser Zeit stammt das hier sichtbare Fachwerk.
Der Wirtschaftshof von Cernieres, erbaut um 1920. In dem "Taubenturm" (rechts) wurden nach Aussage der Eigentümerin Isabel Colomb nie Tauben gehalten. Stattdessen standen hier früher die Kutsche, heute finden im Turm kleine, aber feine Theateraufführungen statt.
Das mosaikartige Mauerwerk besteht aus Backsteinen und Flint (Feuerstein).
Abends sind wir bei Michel Maillard auf seinem Gutshof zu Gast. Der Hausherr hat für uns ein Mehrgängemenü mit Carbonaude flamande (Rindfleisch mit Biersauce und Lebkuchen-Aroma) gekocht - ein Hochgenuss!
... und Arthur, das Kochschwein, hat alles unter Kontrolle.
Wir bedanken uns bei Michel mit einem Hausforscher-unterwegs-Buch für einen großartigen Abend.
Fotos: Bernd, Texte Heinrich

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