24. Juni 2015

Von Sønderborg über Løgumkloster nach Ribe

Die Fischergade in Ribe mit kleinen Fischer- und Handwerkerhäusern.
Heute geht die Reise - bei kühlem und überwiegend bewölktem Wetter, mit einigen Schauern... - quer durch Südjütland von Sønderborg über Løgumkloster, ein bedeutendes Zisterzienserkloster mit schöner Backsteinkirche in die alte Bischofsstadt Ribe, wo wir wieder Fachwerk sehen werden.

Zunächst machen wir einen Stopp in der Innenstadt von Sønderborg, wo wir in der Perlegade 41 ein vorzüglich restauriertes Fachwerkhaus von 1640 entdecken. Nach Untersuchungsbefunden der Denkmalpflege wurde hier eine monochrome (einfarbige) Rotfassung wiederhergestellt.

Die Fassade wurde wohl im 18. Jahrhundert massiv erneuert - sie zeigt heute auch den rekonstruierten Rotanstrich.
Renaissance-Knaggen mit verziertem Stirnbrett an den Traufseiten.
Der Eigentümer hat eine beachtliche Sammlung von gusseisernen Ofenplatten der Renaissance und des Barock zusammengetragen, z.T. mit Monogrammen und Wappen dänischer Könige. 
Knaggen mit Renaissance-Profilierung 
Geschichtsträchtiger Ort: An den Düppeler Schanzen bei Sonderborg fand 1864 eine große Schlacht statt, bei der Dänemark von einer Allianz von Preußen und Österreich geschlagen wurde - daraufhin gingen große Teile von Südschleswig an Preußen verloren. Die Windmühle von Düppel (Dybbøl) ist das Wahrzeichen des Schlachtfeldes. 

Einer der wenigen sonnigen Augenblicke des heutigen Reisetages: Wir besuchen die romanische Kirche in Broager. Der ursprüngliche Saalbau (um 1200) erhielt noch im 13. Jahrhundert eine wuchtige Westfassade mit zwei Turmspitzen. Außerdem gibt es einen freistehenden hölzernen Glockenturm hinter dem Chor.
Der ursprünglich flachgedeckte Innenraum wurde im 14. Jahrhundert eingewölbt.
Der hölzerne Glockenturm stammt von 1650.

Die eindrucksvolle Holzkonstruktion im Innern des Glockenturms... 
... aus der Zeit um 1650.
Løgumkloster ist eine bedeutende Zisterzienserabtei in Dänemark, gegründet um 1173.


Westansicht der Klosterkirche
Hauptaltar in der Klosterkirche, ein vergoldeter Schnitzaltar vom Ende des 15. Jahrhunderts. Er kam aber erst bei der Restaurierung 1925 aus  der Kirche in Jerne nach Løgumkloster. 
Reliquienschrank von etwa 1325, eingemauert in der Nordwand des Chores. Die 16 Reliquienfächer sind heute leer.
Brüstung der Orgelempore mit Heiligenfiguren (um 1500): Links St. Andreas, rechts St. Matthias (mit Säge)
Gegen 14 Uhr erreichen wir die alte Bischofsstadt Ribe im Westen Jütlands. Das frühere Dominikaerkloster St. Catharinæ in Ribe wurde 1228 von Dominikanern aus Spanien gegründet - als eines der ersten im Norden.
In der Kirche erhalten wir fachkundige Führung von Morten Søvsø, archäologischer Leiter der südwestjütländischen Museen. Auch werden wir Gelegenheit bekommen, das Dachwerk eines der Klostergebäude zu besichtigen.
Erstes Besichtigungsobjekt in Ribe ist die frühere Dominikaner-Klosterkirche St. Catharinæ, heute ev.-luth. Pfarrkirche. Die große dreischiffige Basilika wirkt wie ein wuchtiger romanischer Bau, wurde aber in dieser Form erst Ende des 15. Jahrhunderts erbaut.
Feingliedrige Backsteindekoration mit Relief- und Formziegeln im Innenhof des Kreuzgangs.
Der Kreuzgang des früheren Dominikanerklosters ist fast vollständig erhalten.
Die Klostergebäude werden heute als Altenwohnheim genutzt. Im Obergeschoss sind auf dem Gang mittelalterliche Wandmalereien und bemalte Deckenbalken erhalten.
Das Dachwerk eines Klosterflügels - die mittelalterliche Holzkonstruktion ist noch undatiert...
... und zeigt zahlreiche Zweitverwendungsspuren in Form von Blattsassen, hier ein Hakenblatt an einem Kehlbalken.

Das alte Rathaus in Ribe ist ein Backsteinbau des frühen 16. Jahrhunderts (1528 d). Es ist bereits das dritte Rathaus der Stadt. Ursprünglich handelte es sich um zwei städtische Buden (Mietshäuser), die 1496 erwähnt werden. 1708 wurde das Gebäude von der Stadt zum Rathaus umgebaut.
Saal im Erdgeschoss des Rathauses. Der Saal (und das ganze Gebäude) ist 1891 bis 94 renoviert und stark historisierend umgestaltet worden. 
Stadtgeschichtliche Ausstellung im Rathaus: Links ein gotisch profiliertes Sattelholz aus der Bauzeit 1528 (d)
Blick in die (leere) Stadtkasse ...
Im 1528 (d) datierten Dachwerk des Rathauses: Ein Kehlbalken mit Floßbohrungen, vermutlich diente der Balken als Querbinder eines Floßes
Besichtigung des Dachwerks: Köpfe einziehen !
Blick in das Dachwerk des Rathauses
Fachwerk in Ribe: ein gut erhaltens Wohnhaus von 1582 mit restaurierten bleiverglasten Fenstern in einer Seitengasse. In dem zugehörigen Vorderhaus aus dem 18. Jahrhundert werden wir später zu Abend essen. 
Fachwerk in Ribe: Ständer mit Ständerfußblättern, die über die Schwelle greifen. Die leicht vorstehenden Blätter sind mit eingeschnittenen Andreaskreuzen verziert.
Die Hausforscher auf dem Fachwerk-Trip in Ribe...
Der Dom in Ribe - der mächtige romanische Bau wurde aus importiertem rheinischen Tuffstein erbaut. Charakteristisch sind die ungleichen Türme.
Klassizistisches Türoberlicht eines Hauses, darüber aufgemalte Hausnummer 300.
Historischer Pegel in Ribe mit historischen Hochwassermarken. Im Hintergrund unser heutiges Quartier, die Jugendherberge von Ribe.
Fachwerkhaus Fischergade 4 aus dem 16. Jahrhundert (Erdgeschoss der Fassade später in Backstein erneuert).
Auf dem Domplatz in Ribe
Fachwerk-Hinterhaus des 16. Jahrhunderts mit großen Saalfenstern

Die Knaggen zeigen die für Ribe typische fischgrätförmige Profilierung.
Im Hafen von Ribe
Unser heutiges Quartier: Die Jugendherberge in Ribe, mit fußläufiger Verbindung zur Altstadt
Und was trinken wir abends in Ribe? - Wikinger-Bräu aus der örtlichen Brauerei, sehr zu empfehlen!
Der Tag endet in gemütlicher Runde...

Keine Kommentare:

Kommentar posten

Schreiben Sie einen Kommentar zu unseren Beiträgen.
Es ist immer spannend, zu erfahren, was unsere Leser denken und wer uns besucht. Wir würden uns freuen.

Printfriendly