1. Juni 2016

Bauerndörfer und ein privates Museum in den Bergen

Bauernhaus in Les Angeles
Heute erkunden wir die Region in den Bergen südlich und südwestlich von Lourdes. Unter anderem sehen wir einen aufgegebenen und einen bewirtschafteten Bauernhof, eine kleine Wassermühle, eine Kirche, ein Waschhaus und ein privates Heimatmuseum mit einer umfangreichen Sammlung alter Alltagsgegenständen für das Leben auf einem Bergbauernhof. Heute führt uns Eric, der die Region bestens kennt.

Ein leer stehender Bauernhof im Dorf Les Angeles – Scheune mit Stall
Das Wohnhaus
Ein angebauter Schweinekoben
Der frühere Kuhstall
In der Küche wurde schon lange nicht mehr gegessen - die Möbel sind von Staub bedeckt.
Eine Scheune auf dem Hof gegenüber...
Einbeiniger Melkhocker, aus einem natürlich gewachsenen Stück Holz
In der Scheune wächst Gras auf dem Boden, doch die Decke scheint noch intakt.
Dieser Bauernhof wird noch bewohnt und bewirtschaftet...
...wir dürfen die Ställe besichtigen. Die Kühe sind auf der Weide, ein prächtiger Erpel führt das Regiment im Stall.
Ein Blick ins Dachwerk der Scheune
Hinter der Scheune steht ein Maisspeicher...
... und ein Abort (Plumpsklo) - mit dekorativ ausgesägtem Giebel.
Hier wachsen auch (kleine) Bananen
Oberhalb des Dorfes liegt am Bach eine kleine Wassermühle, erbaut 1734.
Artikel über Wassermühlen in der Region.
Im Innern gibt es zwei funktionsfähige Mahlgänge mit dekorativ ausgesägten Wangen...
...und einem Rüttelschuh mit Pferdekopf, dem "Le Cheval".


Auch diese Mühle wird durch ein eisernes Horizontalwasserrad mit senkrechter Achse angetrieben, das sich unter dem Gebäude befindet.
Ein erhaltenes Backhaus auf einem anderen Hof
Backofen mit Feuerstelle im Innern
Das erhaltene und gepflegte Waschhaus (2014 renoviert) des Dorfes. Nur gewaschen wird hier nicht mehr - auch in den Bergdörfern der Pyrenäen hat sich die Waschmaschine durchgesetzt.
Die Waschhäuser des Hautes-Pyrénées
Das Pastorat aus dem 18. Jahrhundert mit altrosa Putzfeldern...
... und die Dorfkirche.
Der Innenraum der Kirche hat ein hölzernes Tonnengewölbe und wird von einem prächtigen Barockaltar bestimmt.
Weiter geht es in die Hochpyrenäen. Die Mittagsrast auf der Passhöhe wird zum Informationsaustausch genutzt
Beim Rundgang durch hoch gelegene Bergdorf Arcizans-Dessus beginnt es zu regnen. Das linke Haus hat wieder einen außen angebauten Backofen.
In diesem ca. zweihundertjähriges Haus lebten Menschen und Tiere unter einem Dach.
Ein Bruchsteinhaus mit Rundbogeneingang...
... und einem auffallenden, spätgotischen Fenster mit Dreierarkaden. Es handelt sich wohl um eine ältere Spolie, die wiederverwendet worden ist.
Im Bergdorf Aucun (ca. 150 Einwohner) fällt uns zunächst die relativ große Dorfkirche auf. Sie hat eine romanische Apsis...
... und daneben ein romanisches Portal mit Kapitellskulpturen.
Bemerkenswert sind die Figurenkonsolen unter der Dachtraufe der Apsis. Angeblich sind hier erotische Szenen dargestellt, die für uns aber nicht eindeutig zu erkennen sind.
Maske und Kämpferstein mit vereinfachten Palmettenmotiven am Portal. Der Schachbrettfries am Bogenansatz spricht für eine Datierung in die 2. Hälfte des 12. Jahrhunderts.
Westansicht der Kirche mit Eingang zum Kirchhof.
Im Innern der Kirche: Apsis mit Sternenhimmel und einem Altar des 18. oder 19. Jahrhunderts.
Im Dorf Aucun besuchen wir das private "Musée Montagnard du Lavedan". Es gehört der Familie von Eric, der uns drei Tage sachkundig begleitete. Das Museum hat sein Großvater Anrdré Fourcade 1963 gegründet. Eric arbeitet als freiberuflicher Kulturwissenschaftler und versucht, dieses historische Erbe zu erhalten.
Das Museum befindet sich im alten Pastorat von Aucun (nicht im Bild), außerdem gehören eine vollständig eingerichete Schmiede (rechts) und ein leerstehendes Bauernhaus (im Hintergrund) dazu.
Das Bauernhaus mit Obergeschoss-Galerie ist stark renovierungsbedürftig.
Die Erhaltung dieses Gebäudes ist eine große Aufgabe.


Blick in die Küche im Museum
Zahlreiche Objekte sind im Depot gelagert.


Das Museum besitzt zahlreiche Gegenstände zum historischen Handwerk, zum Hirtenwesen und zur Transhumance (Wanderschäferei in den Bergen). Hier ist ein tragbarer "Schlafkasten" für einen Schäfer zu sehen.
Blick in die Schmiede. Rechts befindet sich ein Hundelaufrad zum Antrieb des Blasebalges für die Esse. Weitere Bilder und Informationen zu dem Museum (französisch) finden sich unter http://www.forum-outils-anciens.com/t4457-La-derniere-forge-de-cloutier-de-France.htm

Fotos: Bernd, Texte: Heinrich


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