25. Mai 2017

Vom Land um Herve in die nördlichen Ardennen

Die Burg Raeren, ein mächtiger Donjon des 14. Jahrhunderts
Heute fahren wir mit Carlo Jengember durch das Land um Herve, wo wir mehrere Burgen und Dörfer besuchen, in die nördlichen Ardennen. Dort besichtigen wir einige typische Bauernhäuser, bevor wir den Tag in dem alten Badeort Spa kulinarisch beschließen.

Bauernhaus in Walhorn bei Eupen. Über dem Bruchsteinerdgeschoss des 19. Jahrhunderts blieb ein älteres Fachwerk-Obergeschoss der Zeit um 1600 erhalten, mit Spuren der ursprünglichen Kreuzstockfenster. 
Die Kirche von Walhorn entstand in mehreren Bauphasen im Spätmittelalter (14./15. Jahrhundert) und im 19. Jahrhundert.
Um Raeren gibt es mehrere Wasserburgen. Haus Raeren hat einen Donjon (Wohnturm) aus dem 14. Jahrhundert und beherbergt heute ein sehenswertes Keramikmuseum.
Burghof von Haus Raeren
Das Wohngebäude von Haus Raeren besteht im Kern aus einem Donjon (Wohnturm) des 14. Jahrhunderts.
Das Keramikmuseum in der Burg zeigt vielfältige Produkte der Raerener Steinzeugtöpferei  des Mittelalters und der frühen Neuzeit. Bekannte Erzeugnisse sind sog. Schnellen (Bierkrüge) sowie Bartmanns- und Wappenkrüge.
Das Gemälde "Bauernhochzeit" Pieter Brueghel dem Älteren zeigt Raerener Steinzeug-Erzeugnisse. Im Museum ist eine Reproduktion des Gemäldes mit realen Keramikgefäßen gegenübergestellt.
 Unweit von Haus Raeren liegt ein weiterer Donjon, die Burg Raeren.
Der mächtige Donjon (Wohnturm) aus dem 14. Jahrhundert ist bis heute von einem Wassergraben umgeben.  Das Walmdach wurde erst im 19. Jahrhundert aufgesetzt, vorher war der Turm oben mit Zinnen abgeschlossen, die noch zu erkennen sind.
Die Burg Haus Weims bei Kettenis in der Nähe von Eupen ist ebenfalls ein Donjon aus dem 14. Jahrhundert.  Heute ist das Gebäude das Wohnhaus eines landwirtschaftlichen Betriebes, außerdem gibt es ein "Bed and Breakfast" mit mehreren gemütlichen Gästezimmern. 
Auch der Donjon von Haus Weims ist heute noch von zwei Seiten von einem Wassergraben  umgeben.
Die Mittagspause verbringen wir in angenehmer Atmosphäre in einem kleinen Kaffeegarten in Limbourg. 
Der freundliche Wirt erzählt uns die Geschichte des Ortes seit Karl dem Großen (auf französisch) - während Heinz für uns Apfelwein ausschenkt.
Anschließend lassen wir uns das Mittagessen mit Crepes, Apfelwein und Ziegenkäse schmecken.
Limbourg ist ein liebenswertes kleines Städtchen auf einem Berg. Im Mittelalter war der Ort ein strategisch bedeutender Hauptort der Grafen von Limbourg, später verlor das Städtchen an Bedeutung und verfiel in eine Art Dornröschenschlaf. 
Die Hauptstraße mit kleinen, zwei- bis dreigeschossigen Steinhäusern besitzt bis heute ihr altes, sehr authentisches Straßenpflaster
Auch vor den Häusern blieben alte, sorgfältig verlegte Pflasterungen erhalten.
Blick auf Limbourg, das Städtchen auf dem Berg. 
Weiter fahren wir nach Theux, wo wir die Kirche besichtigen. Der Bau reicht in Teilen bis in die Karolingerzeit zurück, erhalten blieben romanische Pfeilerarkaden des 11. Jahrhunderts und ein gotischer Chor des 14. Jahrhunderts.
Gotischer Taufstein mit Drachenmotiv und Messingdeckel. 
In der Kirche sind Teile des Kirchengestühls aus dem 17. Jahrhunderts erhalten. Die Rückenlehnen haben gedrechselte Stäbe, auf den Gesangbuchbrettern sind Namen von Kirchenstuhlbesitzern und Jahreszahlen aus dem späten 17. Jahrhundert eingeschnitten, hier die Jahreszahl 1687.
Hausfassade der "maasländischen Renaissance" (frühes 17. Jahrhundert) in Theux.  
Marktplatz in Theux mit Perron (Marktsäule) 
Ein Bürgerhaus der Zeit um 1600 am Marktplatz in Theux.
Auf dem Weg in die Ardennen
Eine Rinderherde unter großen Bäumen - wie auf einem Bild eines englischen Landschaftsmalers...
Fachwerk der Ardennen: Backsteinausfachungen mit Schrägschichten und alte Lehmflechtwerkgefache (oben).
Restauriertes Bauernhaus in Moustier-Stoumont bei Moulin du Ruy.
Das Dorf Moulin du Ruy im Val de Roannay besitzt noch viele ältere Bruchstein- und Fachwerkhäuser. Dieses kleine Fachwerkhaus mit Wohnung und Scheune/Stallteil unter einem Dach wurde früher von kleinen Pächtern oder Landarbeitern bewohnt. 
Die Giebelansicht des kleinen Fachwerkhauses zeigt typische Elemente des Fachwerkbaus der Ardennen, wie sie ähnlich auch in der Eifel (Hohes Venn) vorkommen: Lange Ständer und eine (in diesem Fall abgefangene) Firstsäule tragen die fünf Pfetten des Daches, links ist eine niedrige Abschleppung angefügt. 
Verbretterter Fachwerkbau einer früheren Mühle über dem Bach.
Am Abend fahren wir in den früheren Nobelbadeort Spa. Neben Villen und Bäderarchitektur gibt es hier auch imitierte Fachwerkbauten mit aufgenageltem oder -geschraubtem Deko-Fachwerk - Fakewerk?
Vor dem restaurierten Kopfbau der Wandelhalle von Spa findet eine Kirmes statt - mit dudelnden  Fahrgeschäften und einem Hotdog-Stand.
Die Wandelhalle mit gusseisernen Stützen aus den 1890er Jahren wartet noch auf ihre Restaurierung - der Badeort Spa hat schon bessere Zeiten gesehen.... 
Auch das Badehaus mit seiner prachtvollen klassizistischen Fassade ist restaurierungsbedürftig. 
Wir beschließen den Tag stilvoll mit einer Runde Hamburger und Dosenbier am Hotdog-Stand auf der Kirmes in Spa... 
... guten Appetit!
Fotos: Bernd, Texte: Heinrich

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