4. Juni 2018

Letzter Tag: Ein Bauernhof in Chamau, das Kloster Frauenthal und Rückreise

Bauernhaus von 1769 in Chamau
Am letzten Tag unserer Schweizreise besuchen wir mit Benno einen Bauernhof und das Zisterzienserinnenkloster Frauenthal im fruchtbaren Flachland nördlich des Zuger Sees bei Cham im Kanton Zug. Anschließend haben wir noch ein nettes Picknick im Ziegeleimuseum in Hagendorn bei Cham - mit der Museumskatze. Abends begeben wir uns bei Gewitter auf die Rückreise mit dem Autoreisezug von Lörrach nach Hamburg-Altona.
Zunächst machen wir einen kurzen Stopp in dem Weiler Hünenberg im Kanton Zug - auch ein bedeutungsvoller Ort der Schweizer Geschichte.
Das Gasthaus Wart wurde 1703 in massiver Bauweise errichtet, nachdem der Vorgängerbau von 1684 im Februar 1702 abgebrannt war. Das Gebäude diente als Wirts- und Gesellenhaus; auch Rats- und Gemeindeversammlungen fanden hier statt. Heute beherbergt es ein Restaurant.
Das Gebäude trägt eine prächtige Fassadenmalerei, die 1926 vom Maler Heinrich Appenzeller in expressionistisch angehauchtem Stil erneuert wurde. Sie erzählt die Geschichte eines heldenhaften Hünenbergers, der die Eidgenossen mit der Botschaft "Hütet Euch an Morgarten!", die er mit der Armbrust hinüberschoss, vor einem Hinterhalt warnte. So konnten die Eidgenossen die Schlacht bei Morgarten, deren Ort wir gestern besucht hatten, gewinnen.
Mit Voluten verzierte Pfettenstützen am Giebel
Ein prächtiges Wirtshausschild mit geschmiedetem Ausleger.
Schuppen an der Straße, im Hintergrund die 1475 geweihte spätgotische Kirche von Hünenberg, die wir später noch besuchten.
Weiter geht es zum Weiler Chamau, wo wir den gut erhaltenen und gepflegten Hof der Familie Knüsel besichtigen. Die Hofanlage besteht aus dem Wohnhaus, einem Blockbau von 1769, einem etwa gleich alten Speicher, einer Sennerei von 1802, einem Dörrofen von 1847 und einer früheren Trotte (Presshaus für eine Apfelpresse), die zurzeit umgebaut wird.


Das Wohnhaus von 1769 ist ein prächtiger Blockbau mit zahlreichen "Klebdächern" an den Giebeln.
Halb- und Viertelkreisfenster in den Giebelschrägen zeigen bereits Einfluss des Klassizismus.
Der Eingang befindet sich an der Traufseite - unter der auf bogenförmig auskragenden Blockvorstößen ruhenden Dachtraufe.
Der Speicher ist etwa gleich alt wie das Wohnhaus von 1769. Sein Giebel ist von einer üppig blühenden und duftenden Rose überwachsen.
Konstruktionsdetail des Freigespärres am Speicher.
Eckverbindung der Schwellen am Speicher - mit Zapfenschlössern.
Treppenaufgang zum Speicher
Der Speicher von ca. 1770 ist ein Blockbau, er zeigt  die gleichen horizontalen Schlitzfenster, wie wir sie an den mittelalterlichen Blockbauten in Schwyz und Steinen gesehen haben.
Dörrofen von 1847. Das massive Gebäude wurde aus Brandschutzgründen mit Abstand zu den anderen Hofgebäuden errichtet. Hier wurdne Äpfel und Birnen gedörrt.
Gartengiebel des Wohnhauses von 1769.
Klassizistisches Halbkreisfenster und kleiner Krüppelwalm.
Die"Klebdächer" bieten Witterungsschutz und gliedern die Fassade.
Im Hausflur erinnern zahlreiche Kuhglocken....

... und Auszeichnungen von Reit- und Fahrturnieren an die Erfolge der Rinder- und Pferdezucht auf dem Hof.

In der Stube gibt es ein prächtiges eingebautes Büffet von 1776.


Die ehemalige Sennerei von 1802. Hier wurde die Milch zu Butter und Käse verarbeitet.
Der Nachbarhof besitzt ein Wohnhaus des 17. Jahrhunderts (links) und einen stattlichen Speicher der Zeit um 1700.


Das vollständig verbretterte Obergeschoss des Speichers hat eine umlaufende Laube...
... die auf profilierten Kopfbändern weit vorkragt.
Auch hier werden die Eckverbindungen der Schwellen durch Zapfenschlösser gesichert.
Blühender Klatschmohn und Kornblumen in den Feldern
Anschließend besuchen wir das nahe gelegene Zisterzienserinnenkloster Frauenthal, zu dessen Grundherrschaft die zuvor besichtigten Höfe gehörten. Das Kloster wurde 1231 gegründet und nach der Reformation aufgehoben, aber im Verlauf der Gegenreformation wiederbesiedelt. Die heutigen Gebäude entstanden im späten 17. Jahrhundert. Bis heute wird das Kloster von Zisterzienserinnen bewohnt.
Ostflügel des Klosters Frauenthal, erbaut Ende des 17. Jahrhunderts von Johann Moosbrugger aus Vorarlberg. Links ist die äußerlich schlichte Klosterkirche zu sehen.
Blick in die Klosterkirche mit Chorgitter und prächtiger spätbarocker Ausstattung. Im Chorgestühl links ist eine Zisterzienserin zu sehen.
Große Scheune eines benachbarten Hofes, erbaut im frühen 20. Jahrhundert. Die Wände bestehen aus diagonalen Latten, die zur besseren Durchlüftung auf Abstand gesetzt sind.
Blick in die weitgespannte Holzkonstruktion der Scheuene. Im Untergeschoss befindet sich ein moderner Laufstall für Rinder.

An einem Schuppen in der Nachbarschaft sind mehrere großformatige, comic-ähnliche Bilder zu sehen, mit denen in der Schweiz neu geborene Kinder von der Nachbarschaft begrüßt werden.
Zur Mittagspause besuchen wir das nahe gelegene Ziegeleimuseum in Hagendorn bei Cham (www.ziegelei-museum.ch). Das Museum hat montags geschlossen, doch treffen wir eine nette Kuratorin, die uns freundlicherweise eine Besichtigung der historischen Ziegelhütte ermöglicht.   




Die relativ kleine Ziegelhütte mit dem traditionellen, nach oben offenen Kammerofen wurde 1873 erbaut. 1896 wurde sie um ein zweites Gebäude mit Trockenschuppen erweitert - mit Altholz von zerstörten Häusern aus der "Zuger Seekatastrophe". Betrieben wurde die Ziegelei von der Famile Lörch.
In den Trockenschuppen lagert eine beachtliche Sammlung von verzierten Biberschwänzen, sog. Feierabendziegeln, mit Jahreszahlen aus dem 18. und 19. Jahrhundert.
Bei unserem Picknick vor der Museumsgaststätte leistet uns die Museumskatze Gesellschaft - als ob sie schon immer dazugehört...
Nachmittags besuchen wir die spätgotische Kirche von Hünenberg, die 1475 geweiht wurde. Das Haus links ist ein Blockbau von 1671. Allmählich zieht ein Gewitter auf...
Das benachbarte Kloster Heiligkreuz wird wie Frauenthal bis heute von Nonnen bewohnt. Zur Kirche führt eine lange Treppe hinauf....
In der Kirche hängt ein interessantes Votivbild von 1824, das an den Einsturz einer frisch aufgerichteten Scheune am 16. Juni 1823 erinnert. Man erkennt das Holzgerüst der Scheune; vom Dach ist die vordere Hälfte eingestürzt. Rechts ist eine hölzerne Rampe zu sehen, mit der Baumaterial hinaufgebracht wurde. Die betroffene Scheune wurde anschließend zuende gebaut; sie steht heute noch in der Nachbarschaft des Klosters.
Gewitterstimmung am Zuger See bei Cham
Hier verabschieden wir uns von Benno Furrer (rechts) und begeben uns auf die Rückreise.





Bei zunehmender Gewitterstimmung fahren wir auf der Landstraße in Richtung Aarau und dann auf der Autobahn in Richtung Basel bis nach Lörrach, wo wir diesmal pünktlich den Autoverladebahnhof erreichen. Kurz vor 21 Uhr bricht das Gewitter los - und wir fahren mit dem Autoreisezug zurück nach Hamburg-Altona, wo wir am 5. Juni um 7.30 Uhr ankommen. Die zehn Reisetage in der Schweiz sind wie im Flug vergangen - wir haben großartige Zeugnisse der ländlichen und städtischen Baukultur gesehen und danken allen, die uns vor Ort geführt oder in ihre Häuser gelassen haben.

Fotos: Bernd Kunze; Texte: Heinrich Stiewe

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