1. Juni 2018

Von Unterschächen zur "Heimkuhweide" auf der Aesch

Die "Heimkuhweide" auf der Aesch ist eine Alp mit einem spektakulären Wasserfall im Hintergrund
Heute lassen wir es etwas ruhiger angehen: Zunächst besichtigen wir mit Benno Furrer die "Stüssihofstatt", ein restauriertes Bauernhaus von 1450, das an Feriengäste vermietet wird. Anschließend wandern bzw. fahren wir zur Aesch, einer landschaftlich überaus reizvollen und als Ausflugsort beliebten Alp bei Unterschächen. Unterwegs sehen wir noch einige gemauerte Milchkeller am Fuß der Berge.
Die "Stüssihofstatt" in Unterschächen ist ein typisches Bauernhaus der Zentralschweiz, ein Blockbau mit seitlichen Laubengängen (Balkons) an den Traufwänden. Es wurde von Benno 1980 dokumentiert und 2013 von der Denkmalpflege Uri und dem Schweizer Heimatschutz dendrodatiert - demnach stammt das Gebäude von 1450 und ist das älteste Haus im Dorf. Es wurde vor einigen Jahren sorgfältig restauriert und wird heute unter dem Motto "Ferien im Baudenkmal" an Feriengäste vermietet. Eine Familie aus Heidelberg, die das Haus aktuell gemietet hat, erlaubt uns freundlicherweise die Innenbesichtigung.

Das restaurierte Bauernhaus "Stüssihofstatt" von 1450 (d).
Eingang im östlichen Laubengang
Die geräumige Stube mit einer Holzvertäfelung (schweizerisch: Täfer) aus dem 19. Jahrhundert
Die Stube wird mit einem Ofen aus alpinem Speckstein ("Giltstein") beheizt.
Mit Benno diskutieren wir die gelungene Restaurierung des Hauses.
Notwendige neue Einbauten wurden bewusst modern, aber dezent gestaltet - hier ein Blick in die Küche.
Der Raumeindruck wird von den rußgeschwärzten Blockbauwänden des mittelalterlichen Bauernhauses bestimmt.
Blick von oben in die ehemalige Rauchküche
Stubentüren, moderne Treppe und modernisierte Heiztechnik für den Specksteinofen in der Stube
Eine original erhaltene Tür aus der Bauzeit 1450 mit seitlichen Türpfosten. Typische für mittelalterliche Blockbauten sind die geringe Türhöhe von ca, 1,50 m und die über 30 cm hohe Schwelle - vermutlich wurden die Türen so konstruiert, um die Stabilität der Blockbauwände möglichst wenig zu beeinträchtigen.
Anschließend wandern bzw. fahren wir etwa 4 km zu der Alp "Aesch" bei Unterschächen. Um den Weg mit unserem "Hausforscher-Bus" befahren zu dürfen, müssen wir für 10 Franken eine "Bewilligung" erwerben, die sich in einem Baumstamm befindet. 

Benno kennt sich aus und besorgt die "Bewilligung" aus einem Baumstamm am Beginn des Wanderweges
Vom Weg aus sehen wir die Höfe und Weiden an den gegenüberliegenden Berghängen - ein eindrucksvolles Landschaftsbild.
An den Hängen liegen Alphütten und dauerhaft bewohnte Höfe auf den grünen "Matten", zum Teil in abenteuerlichen Höhen. Zum Transport von Material und Heu gibt es kleine Lastenseilbahnen.
Am Fuß der Berghänge hat sich Geröll angesammelt. Hier wurden gemauerte Kühlkeller für Milch, Fleisch, Butter und Käse angelegt, die uns Benno erläutert. Die meisten sind verfallen, aber einzelne wurden wiederhergestellt
Im Innern der Keller sammelt sich Kaltluft, die aus dem lockeren Geröllhang kommt. Auch jetzt, am 1. Juni, ist es in dem Keller so kühl, dass am Boden noch Schnee und Eis vom letzten Winter vorhanden sind - weit unterhalb der alpinen Schneegrenze.
Ein weiterer, vor einigen Jahren restaurierter Keller. Das Schindeldach ist inzwischen dick mit Moos überwachsen.
Auch in diesem Keller ist der Boden vereist.
Rekonstruiertes hölzernes Riegelschloss der Kellertür. Ähnliche Holzschlösser haben wir an den Alphütten auf dem Urnerboden gesehen.
Die Reihe der Keller am Fuß des Geröllhangs
Nach etwa 3 km leichter Bergaufwanderung bzw. -fahrt erreichen wir die vergleichsweise niedrig gelegene Alp "Aesch", die als "Heimkuhweide" für die Kühe genutzt wird, bevor sie auf die höher gelegenen Alpen hinaufgebracht werden. Hier gibt es auch eine Kapelle und ein kleines "Gasthöfli", das aber nur an Wochenenden und am Schweizer Bundesfeiertag (1. August) geöffnet hat. 
Auf den Wiesenhängen der Aesch stehen zahlreiche Alphütten und kleine Holzhäuser, die heute vielfach als Ferien- und Wochenendhäuser genutzt werden. Dazwischen laufen die Kühe herum.
Ehemalige Alphütte auf der Aesch
Fenster einer älteren Alphütte


Spektakulär ist der riesige Wasserfall im Hintergrund der Aesch - donnernd und rauschend stürzt hier kaltes Gletscherwasser zu Tal. Die Kühe beunruhigt das nicht wirklich, sie kennen ihre Umgebung. Das Stallgebäude auf diesem Bild...
 
... hat Türen, die mit alten Sensenblättern angeschlagen sind. Eisen war teuer und wurde nach Möglichkeit wiederverwendet.
Die Kühe sind die entspannten Bewohner der Alp....
... sie begegnen uns auf den Wegen. Zäune gibt es hier nicht.
Die meiste Zeit lungern sie wiederkäuend und mit ihren Glocken bimmelnd auf den Weiden herum.
Auch wir lassen uns unsere mitgebrachte Brotzeit auf der Alp schmecken...
... und schließen erste Freundschaften...
Kühe brauchen  Zuneigung. Foto: Haio.
Am Nachmittag besichtigen wir noch diese restaurierte Sägemühle in der Nähe von Unterschächen.
Das Wasserrad ist funktionsfähig, aber aktuell nicht in Betrieb.
Auch das Gerinne, die offene, hölzerne Wasserzuführung der Mühle, wurde wiederhergestellt.
Zum Abschluss besichtigen wir noch eine "Lourdes-Grotte" am Felsen unterhalb der Kirche in Unterschächen. Die Grotte ist mit einer Madonnenfigur, Altar und Bänken liebevoll gestaltet und für katholische Freiluft-Messen eingerichtet.
Heinz nutzt die Quelle in der Grotte für eine ganz profane Kneipp-Anwendung...
Es geht auch mehr als Kneipp: Da wir heute früher fertig sind und das Wetter sehr warm ist, nutzt Heinrich die Zeit für ein Bad im Urner See, der für diese Jahreszeit bereits überraachend warm ist (ca. 15 Grad, zumindest in Ufernähe). 

Fotos: Bernd Kunze; Texte: Heinrich Stiewe

zum Tag 8   –––>

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