14. März 1994

Bauen und Wirtschaften auf dem Lande - Spuren und Befunde an älteren Gebäuden Norddeutschlands

Wie ein Wunder - in Hagenow hat die Synagoge das Tausendjährige Reich überstanden. ln Zeiten der DDR hat das Gebäude vielerlei Nutzungen überlebt, aber es steht noch. Im Vordergrund der Augenoptikermeister Kuno Karls, der neben der Denkmalpflegearbeit auch noch Volkserzählungen sammelt und bearbeitet; von ihm wurden eine Reihe hervorragend gestalteter Büchlein herausgebracht.
5. Treffen in Hagenow (Mecklenburg-Vorpommern) am 12. und 13. 3. 1994.

Tagungsort: Museum der Stadt.
Organisation: Henry Gawlick (IG Denkmalpflege Hagenow) und Frank Wechsler (Museum der Stadt Hagenow). 
Thema: Bauen und Wirtschaften auf dem Lande - Spuren und Befunde an älteren Gebäuden Norddeutschlands. 
44 Teilnehmer. 
Exkursion: Westliches Mecklenburg. 
Exkursionsleitung: Henry Gawlick.

Haus- und Gefügeforscher der IGB in Hagenow/Mecklenburg 
von Dr. Wolfgang Dörfler, IGB Rotenburg-Harburg 

Am 12. und 13. März 1994 fand das fünfte Treffen der nordwestdeutschen Regionalgruppe des Arbeitskreises für Hausforschung statt. 
Henry Gawlick und die Freunde von der IG Denkmalpflege Hagenow sowie Frank Wechsler vom Museum der Stadt Hagenow hatten die Organisation des Treffens übernommen. Der im Fachwerkanbau des Museums gelegene Tagungsraum war mit 55 Teilnehmern komplett gefüllt, wobei wir uns über den beträchtlichen Anteil von Teilnehmern aus den Ländern Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt sehr gefreut haben. Es trafen sich Mitglieder der regionalen IGB-Gruppen, Mitarbeiter der Museen und Denkmalpflegeämter, Bauhandwerker, Althausbesitzer und Architekten. Die Bewirtung der Teilnehmer fand zu aller Zufriedenheit in dem als historischer Schankraum eingerichteten Teil des Museums statt. 

Die Vorträge
  • Den Hauptvortrag hielt Dr. Hajo Zimmermann (Leiter des Niedersächsischen Institutes für Küstenforschung, Wilhelmshaven) über: Funktionen ur- und frühgeschichtlicher Gebäude und Gebäudeteile. Schwerpunkte seines Vortrages bildeten die neuesten Befunde der Phosphatkartierungen und die Befunde zur Mittelalterarchäologie. Die Diskussion konzentrierte sich erneut auf die Frage der Herleitung des Niederdeutschen Hallenhauses aus Wandständergebäuden. Der Referent hat zugesagt, seinen Beitrag für den voraussichtlich im Herbst des Jahres erscheinenden Veröffentlichungsband mit Themen der ländlichen Hausforschung zur Verfügung zu stellen. 
Die weiteren Vorträge lauteten: 
  • Bauhistorische Aspekte der Mittelalterarchäologie im 44 Kreis Hagenow (Frank Wechsler); 
  • Pferdeställe im Heidebauernhaus - eine schwierige Spurensuche (Uirich Klages); 
  • Der problematische Begriff „Ackerbürgerstadt” am Beispiel Biomberg (Heinrich Stiewe); 
  • Der Siebenmeierhof in Magelsen zwischen 1600 und 1900 - ein Forschungsbericht (Dietrich Maschmeyer und Heinz Riepshoff); 
  • Wandlungen des Hallenhauses im hannoverschen Wendland - Bauen und Wirtschaften als gleichrangige kulturelle Erscheinungen (Knuth Hose); 
  • Der Häuser in der „Griesen Gegend” -sein Haus und seine Wirtschaft (Erich Stübe) 
  • und schließlich Hofschafställe-Außenschafställe - Schafstallviertel (Wolfgang Dörfler). 
Das Sonnabendvortragsprogramm wurde mit einem Stadtrundgang durch die Altstadt von Hagenow aufgelockert. Wir konnten uns überzeugen, daß die Mitglieder der IG Denkmalpflege Hagenow profunde Kenner der Bausubstanz und der Wirtschafts- und Sozialgeschichte ihrer Region sind. Ihre Aktivitäten sind keineswegs .,modisch”, also in den Jahren nach der Wende importiert worden, sondern Ergebnisse eines klugen und langjährig beharrlichen Engagements. Die Ergebnisse für das Stadtbild schienen uns Außenstehenden sehr beachtlich, obwohl die Aktivisten vor Ort auch hier über viele Verluste zu berichten hatten. Man möchte vielen Regionen eine solche Interessengemeinschaft wünschen. 
Der Sonntag war wie immer der Exkursion vorbehalten. Unsere Gastgeber hatten uns viele Türen geöffnet, so daß wir eine Anzahl gut erhaltener und einzelne sogar noch traditionell genutzte Bauernhäuser, Bündnerelen und Häuslerelen und ihre Nebengebäude besuchen konnten. Alle Teilnehmer ertrugen das miserable Wetter mit Gelassenheit. Wir wollen trotz des um diese Jahreszeit häufig schlechten Wetters an unserem frühen Tagungstermin festhalten, da die Dörfer viel besser zubesichtigen sind, solange die Bäume und Sträucher noch kein Laub tragen.
Für einen Wochenendtag Anfang Juni dieses Jahres wird Herr Hajo Zimmermann zu einer Demonstration der Grabungsbefunde einer Wurtengrabung in der Nähe Wilhelmshavens einladen, bei der mit erheblichen erhaltenen Holzbefunden und Hausgrundrissen zu rechnen ist. 

Die Tagung 1995 soll wiederum in der „Vorosterzeit” in der Stadt Norden, Landkreis Aurich, stattfinden. Gastgeber wird Dr. Volker Gläntzer vom Niedersächsischen Institut für Denkmalpflege sein. Als Thema wurde gewählt: Ländliche Massivbauten nach 1800. Es soll versucht werden, über die Einführung des Ziegelsteins in den ländlichen Hausbau und die daraus erwachsenden neuen Formen nachzudenken. Auch die städtischen Einflüsse auf das ländliche Bauen werden dabei näher zu untersuchen sein. Wir werden im Holznagel 6/94 noch eine ausführliche Ankündigung bringen, um die Mitgliederder IGB auf diesem Wege zu einer Teilnahme an dem Treffen zu ermuntern.

Blick in einen Hof eines ehemaligen Ackerbürgerhauses. Die Rettung eines Hauses, das man andernorts wohl schon aufgegeben hätte. So bleiben auch kleinbürgerliche Hauszeilen im historischen Bild erhalten.
 Das Haus Lange Straße 52 wurde vor 1748 gebaut. Zuerst waren hier eine Bäckerei und eine Branntweinbrennerei, später eine Schlachterei. Ab Juli 1992 hat dort der Augenoptiker Kuno Karls ein in die alte Bausubstanz einfühlsam integriertes Geschäft eingerichtet, wie es nicht vorbildhafter sein kann.

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