10. März 1997

Eine gelungene Veranstaltung

8. Regionaltreffen
der Haus- und Gefügeforschung Norddeutschlands




Zu unserem 8. Regionaltreffen der Haus- und Gefügeforschung Norddeutschlands haben sich am 8./9. März in Syke wiederum 70 Personen getroffen.

Die Vorträge:
  • Dr. W. Hajo Zimmermann: Wohnen und Wirtschaften in den Ahnen des Niederdeutschen Hallenhauses.
  • Erhard Preßler: Wohnstrukturen im Verlauf von 450 Jahren auf einem Hof des Schaumburger Landes. 
  • Ulrich von Damaros: Sonderformen der Kammerfachentwicklung im Schaumburger Land.  Heinz Riepshoff: Der Backofen im Flett. 
  • Dr. Fred Kaspar: Die Herdstelle als Zeichen der Nahrungsgewohnheit. 
  • Dr. Dietrich Maschmeyer: Wohnung, Stall und Werkstatt in kleinstädtischen Bürgerhäusern in der Grafschaft Bentheim und ihrer engeren Umgebung. 
  • Wolfgang Rüther: Zum Wandel der Küche im Bauernhaus der Krummhörn (Ostfriesland) zwischen 1770 und 1860.
  • Dr. Hans Hermann Meyer: Sommerfrischler aus der Stadt bewohnen das Kammerfach. Beispiele aus dem Bremer Landgebiet 1799 – 1929.
  • Thomas Spohn: Wider das „elende Rauchnest” 
  • Die Separierung der Küche im Hallen- haus des Sauerlandes (1750 – 1850). 
  • Geerd Dahms: Ländliche Wohnnutzung im Spiegel des baulichen Wandels zwischen 1880 und der 1920er Jahre am Beispiel aus dem Landkreis Harburg.
  • Dr. Horst Löbert: Wohnen im Flett um 1900. Eine Fotoanalyse. 
Die Exkursion:
Die Idee von Heinz Riepshoff nur ein einzelnes Dorf auf der Exkursion am Sonntag zu besuchen, wird vielleicht Schule machen. So konnten das lästige Aus- und Einsteigen in den Bus, das Abfahren großer Entfernungen und die Zeitnot zum Ende der Fahrt hin vermieden werden. Nur wird es allerdings nicht sehr viele Dörfer geben, die eine ähnlich interessante Bausubstanz, wie das besuchte Dorf Uenzen, aufweisen können.








Mit einigem Stolz vermerke ich, daß diese Veranstaltungsreihe zu einem „Selbstläufer” geworden ist, die auf eine feste Teilnehmerzahl und das Engagement der Hausforscher in Form von sorgfältig vorbereiteten Vorträgen rechnen darf. Und das, obwohl das ehrenamtlich nichtprofessionelle Element noch immer die wichtigste Rolle spielt, was sich z.B. in Wochenendterminen, niedrigen Tagungsgebühren und fehlenden Referentenhonoraren ausdrückt.

Unser Themenschwerpunkt für 1998 wird hoffentlich auf ähnliche Resonanz wie der letzte treffen und bereits erarbeitete Ergebnisse in die Fachöffentlichkeit bringen. Es wäre besonders erfreulich, wenn das Thema auch die eine oder andere Untersuchung erst initieren würde; es sei darum bereits jetzt mitgeteilt: Es soll um die Begriffe der „Hauslandschaft”, des „typischen Bauens” und der „Hausgrenzen” gehen.
Wir bewegen uns damit zurück in die Anfänge der Hausforschung, die mit solchen Feststellungen begonnen hat und weitreichende ethnische Folgerungen daraus zog. Der Rückschlag des Pendels bewirkte, daß das Einzelhaus als Organismus mit all seinen Ausdrucksformen in den Mittelpunkt der Betrachtung rückte; eine „Einzelfallmonographie” also, als die angemessene Art erschien dem Ziel der Hausforschung gerecht zu werden. Gibt es also am Ende des 20. Jahrhunderts noch die Berechtigung von typischen Bauten einer Region in einer bestimmten Zeit zu sprechen und welche Folgerungen knüpft man daran? Wie fein („von Dorf zu Dorf”) läßt sich die Grenze im Hausbau ziehen? Welche Kriterien sind dabei valide und welche taugen nicht zur Unterscheidung? Folgen die Hausgrenzen politischen Grenzen oder welchen Grenzen sonst, oder überschreiten bestimmte Bauweisen in großem Maße für kulturhistorisch wichtig gehaltene Grenzen? Ist es eher die kleine Einheit des Kirchspiels oder die große Landschaft in der Unterschiede erkennbar werden? Wie begründen sich einmal festgestellte Unterschiede? Welche Rolle hat das obrigkeitliche Verordnungswesen spielen wollen und schließlich wirklich gespielt?
Dies sind ohne Anspruch auf Vollständigkeit die Fragen, die für mich das Thema beschreiben. Dabei finde ich es übrigens genauso spannend den Nachweis grenzübergreifender einheitlicher Bauweisen zu führen, wie etwa den Beweis für an solchen Grenzen auftretende Unterschiede zu erbringen.

Die Vorbereitung der 1998er Tagung hat Dr. Thomas Kellmann, Bezirkskonservator im Institut für Denkmalpflege übernommen. Sie wird im Oberweserraum an einem noch nicht festgelegten Ort stattfinden. Die lokalen Baugepflogenheiten (Vierständer-Durchgangs-Dielenhäuser) werden von den Veranstaltern vorgetragen werden. Näheres dazu im Herbst.

Wolfgang Dörfler, IGB Rotenburg/Harburg

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