6. April 2011

Der Sound der Hausforscher

Wenn der Sound der Bohrmaschine erklingt und sich der Dendrobohrer unaufhörlich ins jahrhundertealte Eichenholz frißt, dann freut sich der Hausforscher. Voller Erwartung lauscht er der "Bohrmusik": Wird die Bohrprobe weitringig sein? Sind ausreichend Jahrringe vorhanden? Ist auch die Waldkante (der Splint) vorhanden? Und hoffentlich
bricht der Bohrer nicht ab - ja, das kann auch passieren, aber nur ganz selten.
Dann liegt sie vor ihm, die Dendroprobe, noch ganz unschuldig und ihr Geheimnis gibt sie immer noch nicht preis. Aber immerhin hat sie alles, was der Hausforscher von ihr verlangt: ausreichend Jahrringe (mindestens 50 - 60 sollten es schon sein, noch mehr ist immer besser) und der "blonde" Splint mit der letzten gewachsenen Holzschicht ist auch vorhanden. Perfekt.


noch verbergen die Dendroproben ihr Geheimnis ...
Sind die Proben (es sollten immer mehrere sein, um so sicherer ist das Ergebnis) dann beschriftet und das Dendroprotokoll ausgefüllt - Holzart, Gefügebereich, exakte Entnahmestelle, usw. - dann ist geduldige Spannung gefragt. Schließlich ist da noch der Postweg ins Dendrolabor.
Wenn dann im Labor alle Jahresringe vermessen sind (die Breite jedes gewachsenen Ringes wird mit Hilfe einer Lupe gemessen) und der Computer seine Rechenarbeit zuverlässig erledigt und für die Daten die richtige Standardkurve (schon vorhandene Datierungen über mehrere Jahrhunderte) gefunden hat, dann kommt die Überraschung ("Oooh soo alt - das hätte ich nicht gedacht - eine Sensation!"), aber oft genug auch die Enttäuschung ("Ach, das hätte ich viel älter geschätzt"). Schließlich hat die Untersuchung eines Hauses schon im Vorfeld der Dendroproben-Entnahme viel Zeit beansprucht, mit untersuchen, messen, zeichnen und dokumentieren. Und das Dendroergebnis ist dann meistens das i-Tüpfelchen das für eine komplette baugeschichtliche Aussage noch gefehlt hat.

Hausforschung (und auch die Dendrochronologie) sind immer wieder ganz emotionale Erlebnisse ...

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