27. Mai 2016

Über Andorra nach Katalonien: Auf in die Hochpyrenäen!

Eine romanische Kirche an der Straße in Andorra - doch das idyllische Bild trügt: Gegenüber stehen mehree große zurzeit leerstehende Hotelkomplexe.
Heute geht es richtig in die Berge: Über Andorra fahren wir nach Spanien, genauer: nach Katalonien. Andorra ist ein Zwergstaat, ein kleines Fürstentum in den Pyrenäen und lebt vor allem vom (Winter-) Tourismus - erschreckend sind die riesigen Ansammlungen von häufig leerstehenden Hotelburgen links und rechts der Autobahn...
Dann geht es über endlose Serpentinen immer höher hinauf - bis auf über 2.000 Meter. Ein hoch gelegenes Bergdorf, die Stadt Urgell mit einer beeindruckenden romanischen Kathedrale und ein weiteres Dorf mit einem Ecomuseu (Bauernhausmuseum) sind unsere heutigen Ziele in Katalonien. Eine anstrengende, aber auch sehr beeindruckende Bergtour!
Eingangsvorhalle der romanischen Kirche 
Konstruktive Details der Einganghalle: Stütze mit Sattelholz und Balkenlage
Über endlose Serpentinen erreichen wir das Bergdorf Toloriu in den katalonischen Pyrenäen.  
Viele Häuser sind saniert, die Dorfstraße glatt gepflastert bzw. betoniert - aber außer Hundegebell war von Bewohnern nichts zu sehen und zu hören. Diese leben und arbeiten zumeist im nahe gelegenen Andorra und kommen nur am Wochenende.
An einem Hoftor entdecken wir zwei angenagelte Silberdisteln und am vorderen Balken einen Schwanz eines Tieres, möglicherweise eines Schweins (?) - vermutlich als Spuren traditioneller Alltagsmaagie (sog. Aberglauben).
Am Rande des Dorfes entdecken wir diese kleine, 1645 erbaute Kapelle. 
Über dem Eingang erhebt sich ein kleiner Glockengiebel, wie er für Südeuropa typisch ist. 
Ein Blick in Inneree: unverputzte (freigelegte?) Bruchsteinmauern, ein Altar und einige Heiligenfiguren bestimmen das Bild der bescheidenen Ausstattung. Die Apsis hat ein Gewölbe, über dem Schiff befindet sich ein offener Dachstuhl, der an der Firstpfette 1645 datiert ist.
Ähnlich wie wir es in Lagrasse gesehen haben, gibt es kleine Füllbretter zwischen den Sparren - und auch hier sind geringe, stark verblasste Reste von Bemalung zu entdecken: Tiere und ein Porträtkopf. 
Das hoch oben auf einer Bergkuppe gelegene Dorf war im Mittelalter mit einer Mauer und Türemen befestigt - Reste sind noch heute zu sehen (runder Turmstumpf rechts).
Anschließend besuchen wir die Stadt La Seu d' Urgell mit einer eindrucksvollen romanischen Kathedrale. Nach Auskunft unseres kompetenten Führers, eines Mittelalter-Historikers, ist es bereits die vierte Kathedrale an diesem Ort: Die Anfänge des Bistums liegen kurz vor 600 (Merowingerzeit), die zweite Kathedrale wurde zur Zeit Karls des Großen gebaut, die dritte im 11. Jahrhundert und die vierte, erhaltene entsttand im 12. Jahrhundert.
Romanischer Wetgiebel der Kathedrale in La Seu d' Urgell
Kapitelle am Westportal der Kathedrale 
Großartig ist der romanische Kreuzgang der Kathedrale aus dem 12. Jahrhundert.
 Im Kreuzgang gibt es Rundbogenarkaden und vielfältige Kapitelle - Romanik vom Feinsten! 
Im Kreuzgang herrscht kontemplative Atmosphäre... 
Ein schneller Blick ins Innere der Kathedrale: Eine tonnengewölbte Basilika in "schwerer" Romanik... 
Ecke der Pfeiler mit eingestelltem Ecksäulchen. Die abgefasten (abgeschrägten) Kanten sind mit halbrunden Knöpfen besetzt.
Im Anschluss an den Kreuzgang gibt es ein Museum mit mittelalterlicher sakraler Kunst, vor allem Altarbildern - und einer Kapelle aus der Renaissance mit einem vergoldeten Hochaltar im reichen spanischen Barock aus der Zeit m 1670. 
In der Stadt La Seu d' Urgell entdecken wir diese steinernen, mit Metall ausgekleideten Behälster. Sie dienten als standardisierte Getreidemaße für die örtlichen Kornhändler. 
Ein Haus wie ein Wolkenkratzer.. - der fünfgeschossige Bau erhebt sich auf einem spitzwinkligen Grundriss. 
Bei der weiteren Fahrt durch die Hochpyrenäen bieten sich eindrucksvolle, zum Teil atemberaubende Landschaftsbilder. 
Am Nachmittag beschtigen wir das Dorf Esteri d' Aneu. Hier gibt es ein "Ecomuseu" (Bauernhausmuseum) und zahlreiche renovierte, aber auch einige leerstehende Häuser. 
Im Gebäude des Ecomuseu entdecken wir diesen mächtigen Gabelständer, der aus einer naturgewachsenen Astgabel hergestellt worden ist.
Das Dachwerk des Museumsgebäudes ist ein für die Region und den ganzen Mittelmeerraum typisches Pfettendach mit flacher Neigung. 
Küche im "Ecomuseu"
Im Gebäude gegenüber wurde ein früherer Kuh- und Pferdestall zum Museumsshop umgestaltet. Die alten Krippen und Futterraufen blieben erhalten - auch hier standen die Tiere mit den Köpfen zur Wand.
Die Hausforscher im Buchshop des Museums 
Anschließend machen wir einen Rundgang durch den Ort - und entdecken eines der letzten, noch nicht modernisierten Häuser direkt am Fluss. 
Im Dorf gibt es eine sehenswerte mittelalterliche Brücke, die an die berühmte Brücke von Mostar erinnert.
An den leerstehenden Häusern, die noch nicht umgebaut oder saniert sind, gibt es reizvolle Details zu entdecken, hier ein Fenster mit Holzblockrahmen und geschmiedeter Vergitterung. 
Besonders spannend ist diese alte Hausfassade mit Türen und Fenstern aus unterschiedlichen Epochen....
Besonders interessant ist dieses Fenster - mit seitlichen profilierten Fenstersäulen, umlaufender Fase, abschließendem Kielbogen und einer Fensterbank mit Taustab. Es ist in die Rnaissance (16./17. Jh.) zu datieren, vermutlich die Bauzeit des Hausses.
Dieses sorgfältig restaurierte Haus mit weit überstehendem Dach 
und Holzbalkonen ist am linken Torbogen 1606 datiert.
Am Hinterhaus des Gebäudes blieb eine der wenigen Fachwerkfassaden 
in dem ansonsten vom Bruchsteinbau geprägten Ort erhalten.
Anschließend geht es über endlose Serpentinen durch die 
Hochpyrenäen - bis zur Passhöhe in 2.072 m Höhe.
Auf der Passhöhe steht dieser historistische Hotelbau, 
der an Hollywood-Filme der 1940er und -50er Jahre erinnert.

Andorra, der Zwergstaat in den Pyrenäen.
Und zum Schluss noch etass fürs Herz: Katze und Hund beobachten einträchtig durch ein Balkongitter die Hausforscher bei ihrem Rundgang in Esteri d' Aneu.

(Fotos: Bernd, Texte: Heinrich)

Kommentare:

  1. gern verfolgen wir diese tolle Reise von anfang an und sind beeindruckt von der Vielfalt und dem Reichtum an Farbe und Form in Natur und Kultur! Gut, dass es die Hausforscher gibt, die uns das alles nahe bringen! Wir wünschen weiterhin viele spannende Erlebnisse, Begegnungen und Eindrücke.
    Herzlicher Gruß
    Sylvia und Peter Hagenbach

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  2. belle visite de la Principauté et de la Seu D'Urgell
    Gérard

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