9. September 2016

Hausforschertreffen in Cluny

Blick durch das romanische Doppeltor der Abtei Cluny auf die Reste der Abteikirche: Nur das Südquerhaus mit einem achteckigen Turm und einem kleinen Uhrenturm, die Stümpfe der beiden Westtürme und einige Mauerreste sind von der Abteikirche Cluny III erhalten.
Bei strahlendem Spätsommerwetter erreichen wir Cluny im Süden von Burgund. Hier treffen wir uns mit Vorstandsmitgliedern des Arbeitskreises für Hausforschung (AHF) und französischen Hausforschern - Anlass ist die offizielle Vorstellung des Tagungsbandes Cluny des AHF mit Beiträgen zum Hausbau des 12. und 13. Jahrhunderts in verschiedenen Ländern Europas: Arbeitskreis für Hausforschung (Hg.), West- und mitteleuropäischer Hausbau im Wandel 1150 - 1350 (Jahrbuch für Hausforschung, Bd. 56). Marburg (Jonas Verlag) 2016.
Cluny besitzt neben der berühmten, im 19. Jahrhundert weitgehend zerstörten Abteikirche eine Vielzahl von romanischen Häusern aus dem 12. und 13. Jahrhundert, die ältesten reichen in die Zeit um 1090 zurück. Einige davon werden wir mit den französischen Kollegen besichtigen.

Ein Modell des Benediktinerklosters Cluny im Zustand um 1200 im Museum der Abtei zeigt die ehemals eindrucksvolle Größe der Kirche Cluny III, erbaut 1088 bis 1130 (Vorkirche mit Türmen rechts 2. Hälfte 12. Jh.). Mit 187 m Länge war die "Maior ecclesia" von Cluny die größte christliche Kirche des Mittelalters (bis zum Neubau von St Peter in Rom). Nach der französischen Revolution wurde die Kirche auf Abbruch verkauft und im frühen 19. Jahrhundert bis auf wenige Reste abgerissen.
Das Palais des Abtes Jaques d' Amboise (1485-1510), heute als Rathaus der Stadt Cluny genutzt, ist ein interessanter Bau des frühen 16. Jahrhunderts. Die beiden Erker zeigen reiche Ornamentik der Spätgotik und Frührenaissance, das übrige Gebäude wurde im 18. Jahrhundert modernisiert. 
Im Museum der Abtei Cluny sehen wir die wenigen Reste des gigantischen Westportals der Kirche, die nach der Sprengung am 8. Mai 1810 geborgen werden konnten. Sie wurden von den französischen Kollegen mit großem Aufwand zusammengesetzt und in ein Metall-Modell der Portalarchitektur eingefügt. Das Ausmaß der Zerstörung ist erschreckend...
Buchvorstellung im Hof des Museums mit Herausgebern, Verleger und dem Bürgermeister von Cluny - Gelegenheit zu entspannten Fachgesprächen bei einem Gläschen Burgunder Wein. 
Die Befestigungsmauer der Abtei Cluny mit dem Fabry-Turm.
Mittags sind wir zu Gast bei der Gesellschaft zur Erforschung von Cluny (Centre d'études clunisiennes) - im stimmungsvollen Innenhof des Vereinshauses, einer früheren kleinen Klosteranlage bei der ehemaligen Kapelle Saint-Mayeul auf einem Hügel im Nordwesten von Cluny.
Wir genießen Wein, Käse und gute Gespräche...
Stadtrundgang in Cluny mit Hausforscherkollegen: Konrad Bedal, Klaus Freckmann, Bernhard Flüge und Pierrre Garrigou Grandchamp. Letzterer hat zusammen mit Jean Denis Salvèque (nicht im Bild) seit über 20 Jahren die hochmittelalterlichen Häuser von Cluny erforscht; Bernhard Flüge hat 2010 eine aktuelle Dissertation zu den ältesten Bauten vorgelegt. Literaturhinweise dazu:
Pierre Garrigou Grandchamp, Michael Jones, Gwyn Meirion-Jones und Jean-Denis Salvèque, La ville de Cluny et ses maisons XIe - XVe siècles. Paris 1997.
Bernhard Flüge, Domus solaratae. Untersuchungen zu Steinhaus und Stadtentstehung um 1100 in Cluny. Edition Open Access 2015; kostenloser Download unter: http://www.edition-open-access.de/author/31.html
Das "Haus zum Drachen", 8 rue de la Barre, ist ein romanisches Haus in Cluny, das zur Zeit restauriert und archäologisch untersucht wird. Wir haben Gelegenheit, das Haus und die Grabungen zu besichtigen.
Im Obergeschoss blieben romanische Quadermalereien erhalten.
Spätmittelalterliche Wandmalerei: Ein bärtiger Mann mit Mütze
Besuch in einem liebevoll restaurierten Privathaus in Cluny. Das große romanische Steinhaus, ein Saalbau von 1135/36 (d), wurde 1467 und im 16. Jahrhundert umgebaut. Bernhard Flüge erläutert die von ihm untersuchte Baugeschichte.
Das historische Dachwerk wurde restauriert und in den Wohnbereich einbezogen.
Gegenüber dem "Haus zum Drachen" liegt die gotische Stadtkirche Notre Dame. Am linken Bildrand ein Haus mit frühgotischen Fensterarkaden im Obergeschoss, dahinter der "Tour des Fromages", ein Befestigungsturm der Abtei.
Der erlebnisreiche Tag klingt aus mit einem gemeinsamen Abendessen auf dem Platz vor der Abtei. Im Hintergrund das sog. Gästehaus von Abt Hugo, ein mächtiger Saalbau des frühen 12. Jahrhunderts (1107/08 d).

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