18. Mai 2013

Ein bisschen Urlaub, viel Backstein und endlich wieder Fachwerk!

Fachwerk satt: Museum in Køge von 1619.

Heute fuhren wir zuerst in den Norden von Seeland: Beim früheren Kloster Esrum trafen wir uns mit Jens Anker Jøregensen, der uns das ehemalige Zisterzienserkloster, mehrere Kirchen, eine Schlossruine und das Fischerdorf Gilleleje an der Nordküste zeigte. Hier konnten wir nach Schweden hinüberschauen und ein wenig Urlaubsstimmung genießen. Abends gab es dann noch kleinstädtisches Fachwerk im Schnelldurchgang - in Køge an der Ostküste.

Das Zisterzienserkloster Esrum wurde 1151 von Bischof Eskil aus Roskilde gegründet und mit elf Mönchen besetzt, die aus Clairvaux in Frankreich hierher kamen. Von der großen Klosteranlage blieb nur dieser eine Backsteinflügel erhalten, der heute ein Museum beherbergt.

Das Museum hat einen Bookshop - eine Fundgrube für Hausforscher...
Die Kirche von Esbønderup: Die ältesten Teile aus der Zeit um 1150 bestehen aus Sandstein, der aus dem heutigen Südschweden herangeholt wurde. Später baute man mit Feld- und Backsteinen weiter.
Blick ins Innere der Kirche
Gewölbemalerei im Chor: Symbole der vier Evangelisten
An der schönen Renaissance-Kanzel entdeckten wir diese Karyatide (weibliche Trägerfigur) ...
... mit einer Schildkröte in der Hand - die Bedeutung ist rätselhaft.
Auf dem romanischen Taufstein aus Granit ist ein Reiter dargestellt
Die Ruine von Søburg Slot (Schloss) - spärliche Überreste einer frühere Burg des Roskilder Erzbischofs Eskil (um 1100), die schon bald nach der Reformation zerstört worden ist
Die große Backsteinkirche der früheren Stadt Søburg, erbaut um 1150 unter Bischof Eskil
Der romanische Bau hatte ursprünglich eine flache Holzdecke und wurde um 1250-1300 gotisch umgebaut und eingewölbt. Aus dieser Zeit stammen die mächtigen Rundpfeiler im Langhaus.

Blick in den Chor mit einem frühbarocken Altar (Gemälde aus dem 19. Jahrhundert)
"Bedenke die Armen..." - ein offener Sammelkasten für die Kollekte
Seeluft schnuppern im Fischerdorf Gilleleje: Fischernetze und -boote im Hafen
Mittagspause im Hafen: Erfrischungsgetränke gibt es schon, der Fisch kommt gleich...
Fischerboote im Hafen ...
... verbreiten Urlaubsstimmung.
Panorama: Der Fischerhafen von Gilleleje
Die alten Fischerhäuser von Gilleleje bestanden aus Fachwerk,  nur wenige blieben unverändert erhalten wie dieses Beispiel in der Østergade.
An "Per Schomakers Hus", das gerade restauriert wird, entdecken wir diese Spur einer Anblattung.
Eine alte Bäckerei im Dorf, heute Souvenirshop

Dieses Denkmal im Hafen erinnert an etwa 1000 dänische Juden, die im Zweiten Weltkrieg von Fischern heimlich nach Schweden in Sicherheit gebracht worden sind.
Gedenktafel
Leuchtend gelbe Flechten an der Kirchhofmauer ergeben mit den Fugen ein abstraktes Muster
Die Kirche von Gilleleje aus dem 18. Jahrhundert (Turmuhr von 1747)
Hier konnten wir das gut erhaltene Dachwerk besichtigen ....
... mit angeblatteten Langstreben und einer interessanten jüngeren Geschichte: 
Auf dem Kirchdachboden versteckten sich 1943 dänische Juden, bevor sie von den Fischern nach Schweden gebracht wurden. Ein offizielles Dankschreiben der israelischen Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem von 1983 erinnert daran.
Wir danken Jens Anker Jørgensen für den interessanten Tag in Nord-Seeland.
Auf der Rückfahrt wollen wir ein angebliches "Steinhaus" bei Bastrup besichtigen - es entpuppt sich als Ruine eines mächtigen Rundturmes, den ein lokaler Adliger um 1100 erbaut hat.
Und dann: endlich wieder Fachwerk! Bei schönstem Abendlicht besichtigen und fotografieren wir die Stadt Køge an der Ostküste von Seeland.
Dieses Haus von 1695 besitzt sogar noch einen "Beischlag" vor dem Eingang - damit sind zwei Sitzbänke mit gotischen Steinwangen gemeint. 
Das älteste und kleinste Haus von Køge: diese "Bude", ein "Kleine-Leute-Haus", war ehemals Teil einer längeren Reihe von Kleinhäusern. 
Es wurde laut Türinschrift 1527 erbaut - angeblich das älteste Fachwerkhaus Dänemarks.
Das Museum von Køge befindet sich in diesem stattlichen Kaufmannshof von 1619.
Prächtige Knaggen mit Spätrenaissance-Schnitzwerk
Dieser Fachwerkbau an der Brogade ist in einem warmen Gelbton gestrichen und wurde um 1650 erbaut.
Knaggen und Füllhölzer mit Engeln und anderen barocken Schnitzereien
Ein anderes Haus von 1631 ....
...die Durchfahrt führt in diesen schönen Hinterhof
Ein eingeschossiges Traufenhaus aus dem 17. Jahrhundert an der Vestergade
Ungewöhnlich und ortstypisch für Køge sind diese profilierten "Drempelhölzer", hinter denen sich die Zapfen der durchgezapften Ankerbalken verbergen.
Vestergade 16, ein prächtiger Fachwerkbau von 1644 ....
... mit frühbarockem Schnitzwerk
Toreinfahrt mit Datierung 1644
Tor eines relativ kleinen Hauses von 1638 mit prachtvollem Eisenbeschlag
Abendsonne in Køge am Ende eines langen und erlebnisreichen Exkursionstages

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